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PricewaterhouseCoopers rangiert in aktuellen Umfragen europaweit
als Top-Arbeitgeber für Wirtschaftswissenschaftler. Im WiWi-TReFF jedoch
wird heftig über das Unternehmen diskutiert. Was sind die Ursachen für
die kritische Auseinandersetzung?
Zunächst freuen wir uns, dass wir diese Platzierungen erreicht haben und
weiterhin zu den attraktivsten Unternehmen in Deutschland und Europa
zählen. Auf unseren Lorbeeren dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Das
zeigen die aktuellen Diskussionen und kritischen Statements. Dabei geht
es meines Erachtens weniger um die Tatsache als solche, nämlich dass
wir, um unsere Kapazitäten an die Marktentwicklung anzupassen,
Probezeitkündigungen durchführen mussten. Im Mittelpunkt der Kritik
steht vielmehr die Art und Weise, wie diese zum Teil gehandhabt wurden.
Entspricht eine Häufung von Entlassungen in der Probezeit denn
den Tatsachen?
Teilweise leider ja. Denn auch an PwC ist die Wirtschaftskrise nicht
spurlos vorüber gegangen. So ist es in einigen Bereichen, die besonders
stark von der Krise betroffen waren, in den letzten Monaten vermehrt
auch zu Kündigungen innerhalb der Probezeit gekommen.
Werden Sie doch bitte konkret. Wie viele Probezeitkündigungen
gab es denn nun wirklich?
Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir insgesamt über 1250 neue
Mitarbeiter eingestellt, davon waren rund 950 Hochschulabsolventen. 160
dieser Akademiker konnten wir leider nicht über die Probezeit hinaus
beschäftigen.
Kritisiert wird auch die Art und Weise der Entlassungen. Wird
PwC seiner Verantwortung den eigenen Mitarbeitern gegenüber nicht
gerecht?
Wir nehmen die Kritik ernst und gehen jedem Fall nach. Dort, wo es
tatsächlich zu einem Fehlverhalten gekommen ist, führen wir
entsprechende Gespräche und haben Maßnahmen in die Wege geleitet, um
künftig solche Fälle auszuschließen. Es handelt sich dabei aber um
Einzelfälle. Grundsätzlich sind wir uns der schwierigen Situation, die
eine Probezeitkündigung mit sich bringt, sehr bewusst.
Es gibt den Vorwurf, dass es in bestimmten Regionen zu besonders
vielen Kündigungen kam. Stimmt das? Was waren die Gründe dafür?
Die Auslastung der verschiedenen Bereiche innerhalb von PwC ist sehr
unterschiedlich. Es gibt durchaus Geschäftsfelder, die von der
Wirtschaftskrise weniger oder kaum betroffen sind und weiter wachsen.
Hier stellen wir auch weiterhin neue Mitarbeiter ein. Daneben gibt es
aber auch Bereiche, in denen keine nachhaltige Auslastung gewährleistet
ist.
Welche Kriterien hat PwC für die Übernahme in ein festes
Beschäftigungsverhältnis?
Wie schon in der Vergangenheit prüfen wir am Ende der Probezeit sehr
genau, wen wir in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Ein zentrales
Kriterium für Übernahme oder Nichtübernahme stellt die Bewertung der
Leistung des Mitarbeiters dar. Wir bieten unseren Mitarbeitern besondere
Perspektiven, wir erwarten dafür aber auch überdurchschnittliche
Leistungen. Nur wer in der Probezeit gezeigt hat, dass er bereit und in
der Lage ist, diesen Anspruch zu erfüllen, kann damit rechnen, in ein
festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden.
Daneben gibt es ein zweites Kriterium, das bei einer Übernahme erfüllt
sein muss. Dies ist die positive Beantwortung der Frage, inwieweit eine
nachhaltige Arbeitsauslastung des Mitarbeiters gewährleistet werden
kann. Dazu kann es auch notwendig sein, den Mitarbeiter in einem anderen
Geschäftsfeld weiter zu beschäftigen, in dem entsprechender Bedarf
besteht. Nur als ultima ratio kommt für uns eine Kündigung am Ende der
Probezeit in Betracht.
So schwer uns eine solche Kündigung auch fällt, aber als ein
privatwirtschaftlich geführtes und im Wettbewerb stehendes Unternehmen
können wir es uns nicht erlauben, Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen,
für die wir keine Arbeit haben. Ein solches Verhalten würde die Existenz
des Unternehmens und damit die Arbeitsplatzsicherheit aller Mitarbeiter
gefährden.
PwC schaltet nach wie vor Stellenanzeigen. Sind vermehrte
Kündigungen nicht eher Zeichen eines geringeren Personalbedarfs?
Auf den ersten Blick klingt dies widersprüchlich. Beleuchtet man das
Thema allerdings näher wird deutlich, dass wir nicht in den gleichen
Bereichen Personal suchen, in denen wir uns von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern trennen müssen. Wie bereits betont, ist die Auslastung
innerhalb der verschiedenen Bereiche im Unternehmen sehr
unterschiedlich. Es gibt durchaus Bereiche, die von der Wirtschaftskrise
weniger oder kaum betroffen sind und weiter wachsen. Hier stellen wir
auch weiterhin neue Mitarbeiter ein.
Wie sieht der Personalbedarf bei PwC für die nächsten zwölf
Monate konkret aus?
Auch in diesem Geschäftsjahr rechnen wir mit einem großen Bedarf an
neuen Mitarbeitern – wenngleich auf einem etwas niedrigeren Niveau als
noch im Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass wir im neuen Geschäftsjahr
ca. 500 bis 600 Hochschulabsolventen einstellen werden. Ob uns dies
gelingt, hängt jedoch nicht zuletzt von der weiteren konjunkturellen
Entwicklung ab.
Augenscheinlich nutzen auch PwC-Mitarbeiter den WiWi-TReFF für
Einträge. Gibt es in Ihrem Haus keine Kultur der offenen Kommunikation?
Wir legen großen Wert auf eine transparente Unternehmenskultur, in der
kritische Themen offen angesprochen und diskutiert werden. Insofern
stimmen mich die kritischen Beiträge gerade von Mitarbeitern im
WiWi-Treff sehr nachdenklich. Ich bin erst seit wenigen Wochen
Personalvorstand, habe aber dieses Thema zu einem meiner Top-Themen
gemacht. Ich will die Ursachen erfahren und zusammen mit meinem Team
sehr aktiv an einer Veränderung zum Positiven arbeiten. Für PwC müssen
Werte wie Zusammenarbeit, Teamgeist, Offenheit und respektvoller Umgang
im Mittelpunkt stehen.
Ist PwC ein Arbeitgeber, bei dem man sich wohl fühlen kann?
Glauben Sie mir, viele fühlen sich bei uns wohl. Sonst wären wir nicht
so erfolgreich. Ich spreche jeden Tag mit einer Vielzahl von
Mitarbeitern. Natürlich gibt es hin und wieder den ein oder anderen
Kritikpunkt. Es überwiegen aber ganz klar die positiven Botschaften.
Junge Mitarbeiter schätzen insbesondere unsere erstklassige Ausbildung
und die exzellenten Karrieremöglichkeiten. Sie lernen von Experten, sind
Teil von kleinen Teams und bekommen die Möglichkeit, unterschiedliche
Branchen und Mandanten kennenzulernen. Für unsere Mitarbeiter liegt die
Attraktivität von PwC vor allem in der vielseitigen und
abwechslungsreichen Arbeit, die auch nach Jahren stets spannend bleibt.
Die aktuelle Situation ist sicherlich nicht imagefördernd für
Ihr Unternehmen. Was tun Sie, um den Trend umzukehren?
Wir müssen und werden verstärkt mit den Studenten und Absolventen in den
Dialog treten, ihre Fragen beantworten und uns ihrer Kritik stellen. Ich
möchte die positiven Seiten von PwC authentisch vermitteln. Und da weiß
ich nach 20 Jahren im operativen Geschäft bei PwC sehr genau, wovon ich
rede.
Ist PwC für junge Akademiker immer noch eine
Top-Adresse?
PwC wird von Studenten und Absolventen mit vielen positiven
Eigenschaften verbunden: internationales Flair, exzellente Fortbildungs-
und vielseitige Einsatzmöglichkeiten, ein breites Spektrum an
unterschiedlichsten Kunden, um nur einige zu nennen. Diejenigen, die uns
zudem noch persönlich kennengelernt haben, sei es durch ein Praktikum,
einen Workshop oder eine Veranstaltung an der Uni, erleben uns als
teamorientiert und kollegial. Dass wir ein offenes und wertschätzendes
Unternehmen sind, möchte ich auch damit unter Beweis stellen, dass ich
den Dialog mit potentiellen zukünftigen Mitarbeitern suche. Wer sich mit
seinen Fragen direkt an mich wenden möchte, erreicht mich unter moeller.personalvorstand@de.pwc.com
Der Diplom-Kaufmann (Universität Mannheim) Marius Möller,
geboren 1964, ist seit 1989 bei PwC. Zunächst
arbeitete er als Assistent in der Steuerabteilung, Frankfurt am Main. Seine
Karrierestationen:
1992 Steuerberater, 1996 für PwC nach Washington, 1997 Aufnahme in
die Partnerschaft von PwC und verantwortlich für M&A Steuerberatung,
2002 Bestellung zum Vorstand und Wechsel in die Niederlassung Stuttgart,
dort leitet er die Steuerabteilung, 2009 Personalvorstand der PwC AG. Marius
Möller ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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