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home / aktuelles / interviews 15.03.2010

Interview mit dem neuen PwC-Personalvorstand Möller      

Marius Möller ist seit Juli 2009 neuer Personalvorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in Deutschland. Im Interview mit WiWi-TReFF äußert er sich zu den Probezeit-Diskussionen und dem Personalbedarf bei PwC für die nächsten zwölf Monate.

PwC-Personalvorstand Marius Möller
 
         

PricewaterhouseCoopers rangiert in aktuellen Umfragen europaweit als Top-Arbeitgeber für Wirtschaftswissenschaftler. Im WiWi-TReFF jedoch wird heftig über das Unternehmen diskutiert. Was sind die Ursachen für die kritische Auseinandersetzung?

Zunächst freuen wir uns, dass wir diese Platzierungen erreicht haben und weiterhin zu den attraktivsten Unternehmen in Deutschland und Europa zählen. Auf unseren Lorbeeren dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Das zeigen die aktuellen Diskussionen und kritischen Statements. Dabei geht es meines Erachtens weniger um die Tatsache als solche, nämlich dass wir, um unsere Kapazitäten an die Marktentwicklung anzupassen, Probezeitkündigungen durchführen mussten. Im Mittelpunkt der Kritik steht vielmehr die Art und Weise, wie diese zum Teil gehandhabt wurden.

Entspricht eine Häufung von Entlassungen in der Probezeit denn den Tatsachen?

Teilweise leider ja. Denn auch an PwC ist die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber gegangen. So ist es in einigen Bereichen, die besonders stark von der Krise betroffen waren, in den letzten Monaten vermehrt auch zu Kündigungen innerhalb der Probezeit gekommen.

Werden Sie doch bitte konkret. Wie viele Probezeitkündigungen gab es denn nun wirklich?

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir insgesamt über 1250 neue Mitarbeiter eingestellt, davon waren rund 950 Hochschulabsolventen. 160 dieser Akademiker konnten wir leider nicht über die Probezeit hinaus beschäftigen.

Kritisiert wird auch die Art und Weise der Entlassungen. Wird PwC seiner Verantwortung den eigenen Mitarbeitern gegenüber nicht gerecht?

Wir nehmen die Kritik ernst und gehen jedem Fall nach. Dort, wo es tatsächlich zu einem Fehlverhalten gekommen ist, führen wir entsprechende Gespräche und haben Maßnahmen in die Wege geleitet, um künftig solche Fälle auszuschließen. Es handelt sich dabei aber um Einzelfälle. Grundsätzlich sind wir uns der schwierigen Situation, die eine Probezeitkündigung mit sich bringt, sehr bewusst.

Es gibt den Vorwurf, dass es in bestimmten Regionen zu besonders vielen Kündigungen kam. Stimmt das? Was waren die Gründe dafür?

Die Auslastung der verschiedenen Bereiche innerhalb von PwC ist sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus Geschäftsfelder, die von der Wirtschaftskrise weniger oder kaum betroffen sind und weiter wachsen. Hier stellen wir auch weiterhin neue Mitarbeiter ein. Daneben gibt es aber auch Bereiche, in denen keine nachhaltige Auslastung gewährleistet ist.

Welche Kriterien hat PwC für die Übernahme in ein festes Beschäftigungsverhältnis?

Wie schon in der Vergangenheit prüfen wir am Ende der Probezeit sehr genau, wen wir in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Ein zentrales Kriterium für Übernahme oder Nichtübernahme stellt die Bewertung der Leistung des Mitarbeiters dar. Wir bieten unseren Mitarbeitern besondere Perspektiven, wir erwarten dafür aber auch überdurchschnittliche Leistungen. Nur wer in der Probezeit gezeigt hat, dass er bereit und in der Lage ist, diesen Anspruch zu erfüllen, kann damit rechnen, in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden.

Daneben gibt es ein zweites Kriterium, das bei einer Übernahme erfüllt sein muss. Dies ist die positive Beantwortung der Frage, inwieweit eine nachhaltige Arbeitsauslastung des Mitarbeiters gewährleistet werden kann. Dazu kann es auch notwendig sein, den Mitarbeiter in einem anderen Geschäftsfeld weiter zu beschäftigen, in dem entsprechender Bedarf besteht. Nur als ultima ratio kommt für uns eine Kündigung am Ende der Probezeit in Betracht.

So schwer uns eine solche Kündigung auch fällt, aber als ein privatwirtschaftlich geführtes und im Wettbewerb stehendes Unternehmen können wir es uns nicht erlauben, Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen, für die wir keine Arbeit haben. Ein solches Verhalten würde die Existenz des Unternehmens und damit die Arbeitsplatzsicherheit aller Mitarbeiter gefährden.

PwC schaltet nach wie vor Stellenanzeigen. Sind vermehrte Kündigungen nicht eher Zeichen eines geringeren Personalbedarfs?

Auf den ersten Blick klingt dies widersprüchlich. Beleuchtet man das Thema allerdings näher wird deutlich, dass wir nicht in den gleichen Bereichen Personal suchen, in denen wir uns von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen müssen. Wie bereits betont, ist die Auslastung innerhalb der verschiedenen Bereiche im Unternehmen sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus Bereiche, die von der Wirtschaftskrise weniger oder kaum betroffen sind und weiter wachsen. Hier stellen wir auch weiterhin neue Mitarbeiter ein.

Wie sieht der Personalbedarf bei PwC für die nächsten zwölf Monate konkret aus?

Auch in diesem Geschäftsjahr rechnen wir mit einem großen Bedarf an neuen Mitarbeitern – wenngleich auf einem etwas niedrigeren Niveau als noch im Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass wir im neuen Geschäftsjahr ca. 500 bis 600 Hochschulabsolventen einstellen werden. Ob uns dies gelingt, hängt jedoch nicht zuletzt von der weiteren konjunkturellen Entwicklung ab.

Augenscheinlich nutzen auch PwC-Mitarbeiter den WiWi-TReFF für Einträge. Gibt es in Ihrem Haus keine Kultur der offenen Kommunikation?

Wir legen großen Wert auf eine transparente Unternehmenskultur, in der kritische Themen offen angesprochen und diskutiert werden. Insofern stimmen mich die kritischen Beiträge gerade von Mitarbeitern im WiWi-Treff sehr nachdenklich. Ich bin erst seit wenigen Wochen Personalvorstand, habe aber dieses Thema zu einem meiner Top-Themen gemacht. Ich will die Ursachen erfahren und zusammen mit meinem Team sehr aktiv an einer Veränderung zum Positiven arbeiten. Für PwC müssen Werte wie Zusammenarbeit, Teamgeist, Offenheit und respektvoller Umgang im Mittelpunkt stehen.

Ist PwC ein Arbeitgeber, bei dem man sich wohl fühlen kann?

Glauben Sie mir, viele fühlen sich bei uns wohl. Sonst wären wir nicht so erfolgreich. Ich spreche jeden Tag mit einer Vielzahl von Mitarbeitern. Natürlich gibt es hin und wieder den ein oder anderen Kritikpunkt. Es überwiegen aber ganz klar die positiven Botschaften. Junge Mitarbeiter schätzen insbesondere unsere erstklassige Ausbildung und die exzellenten Karrieremöglichkeiten. Sie lernen von Experten, sind Teil von kleinen Teams und bekommen die Möglichkeit, unterschiedliche Branchen und Mandanten kennenzulernen. Für unsere Mitarbeiter liegt die Attraktivität von PwC vor allem in der vielseitigen und abwechslungsreichen Arbeit, die auch nach Jahren stets spannend bleibt.

Die aktuelle Situation ist sicherlich nicht imagefördernd für Ihr Unternehmen. Was tun Sie, um den Trend umzukehren?

Wir müssen und werden verstärkt mit den Studenten und Absolventen in den Dialog treten, ihre Fragen beantworten und uns ihrer Kritik stellen. Ich möchte die positiven Seiten von PwC authentisch vermitteln. Und da weiß ich nach 20 Jahren im operativen Geschäft bei PwC sehr genau, wovon ich rede.

Ist PwC für junge Akademiker immer noch eine Top-Adresse?

PwC wird von Studenten und Absolventen mit vielen positiven Eigenschaften verbunden: internationales Flair, exzellente Fortbildungs- und vielseitige Einsatzmöglichkeiten, ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Kunden, um nur einige zu nennen. Diejenigen, die uns zudem noch persönlich kennengelernt haben, sei es durch ein Praktikum, einen Workshop oder eine Veranstaltung an der Uni, erleben uns als teamorientiert und kollegial. Dass wir ein offenes und wertschätzendes Unternehmen sind, möchte ich auch damit unter Beweis stellen, dass ich den Dialog mit potentiellen zukünftigen Mitarbeitern suche. Wer sich mit seinen Fragen direkt an mich wenden möchte, erreicht mich unter moeller.personalvorstand@de.pwc.com

Der Diplom-Kaufmann (Universität Mannheim) Marius Möller, geboren 1964, ist seit 1989 bei PwC. Zunächst arbeitete er als Assistent in der Steuerabteilung, Frankfurt am Main. Seine Karrierestationen: 1992 Steuerberater, 1996 für PwC nach Washington, 1997 Aufnahme in die Partnerschaft von PwC und verantwortlich für M&A Steuerberatung, 2002 Bestellung zum Vorstand und Wechsel in die Niederlassung Stuttgart, dort leitet er die Steuerabteilung, 2009 Personalvorstand der PwC AG. Marius Möller ist verheiratet und hat zwei Kinder.



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