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Studie: Herdenverhalten auf Finanzmärkten

Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg führte ein Online-Spiel zum Herdenverhalten auf Finanzmärkten in Zusammenarbeit mit McKinsey & Company durch.

Eine Schafherde.

Studie: Herdenverhalten auf Finanzmärkten
Heidelberg, 28.12.2005 (idw) - Gibt es Herdenverhalten auf Finanzmärkten? Eine

Studie, die in der Dezember-Ausgabe der renommierten American Economic Review veröffentlicht wurde, ging dieser Frage nun mit Hilfe eines ökonomischen Experiments auf den Grund und fand keinerlei Hinweise auf Herdenverhalten.

Kaum eine Erklärung für Turbulenzen auf Finanzmärkten kommt ohne einen Verweis auf das ausgeprägte Herdenverhalten von Anlegern aus. Gewissermaßen wie Lemminge sollen sich demnach Investoren verhalten und damit Kurse auf Aktienmärkten in übertriebene Höhen (und Tiefen) stürzen - so jedenfalls ein populäres Erklärungsmuster. Aber ist dem tatsächlich so?

Überraschenderweise ist es gar nicht so einfach, Herdenverhalten auf Finanzmärkten einwandfrei nachzuweisen. Schließlich könnte es sein, dass einfach günstige Informationen über eine bestimmte Aktie bekannt geworden sind und sich deshalb jeder Anleger für sich - unabhängig vom Verhalten anderer Investoren - zum Kauf entschlossen hat. Da man auf echten Finanzmärkten den Kenntnisstand einzelner Akteure nicht weiß, lässt sich diese alternative Erklärung nur schwer ausschließen.

Eine Studie, die in der Dezember-Ausgabe der renommierten American Economic Review veröffentlicht wurde, ging dieser Frage nun mit Hilfe eines ökonomischen Experiments unter kontrollierten Bedingungen auf den Grund und fand keinerlei Hinweise auf Herdenverhalten. In Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey & Company hat Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg mit seinen Koautoren Dr. Mathias Drehmann (Bank of England) und Dr. Andreas Roider (Universität Bonn) über das Internet ein Finanzmarktspiel durchgeführt, bei dem die über 6000 Teilnehmer verschiedene Wertpapiere handeln konnten. Preise im Wert von über 11.000 Euro sorgten dafür, dass die Teilnehmer sich ernsthaft Gedanken machten.

Im Gegensatz zur populären Meinung folgten die Akteure auf diesem fiktiven Finanzmarkt nun keineswegs blindlings dem Verhalten früherer Investoren - ganz im Gegenteil. In der Regel ließen sich die Teilnehmer bei ihrer Anlageentscheidung primär von ihren eigenen Informationen leiten. Viele Teilnehmer entschieden sich sogar bewusst dazu, einen bestehenden Trend zu brechen, und trugen dadurch zur Stabilisierung der Kurse bei. Derartiges Verhalten kann in der Tat durchaus vernünftig sein, wenn man glaubt, dass der derzeitige Kurs auf Übertreibungen beruht und teilweise durch irrationales Verhalten früherer Investoren zustande gekommen ist.

Interessanterweise schien darüber hinaus das Vertrauen in die Rationalität der anderen Investoren bei verschiedenen Teilnehmergruppen unterschiedlich stark ausgeprägt zu sein. Während Teilnehmer, die Physik studiert hatten, stärker auf die kühle Rationalität der anderen Marktteilnehmer zu setzen schienen, waren die Psychologen unter den Teilnehmern davon weniger überzeugt. Und tatsächlich brachte ihnen ihr Gespür für möglicherweise irrationales Verhalten anderer Investoren höhere Gewinne ein.

Quelle: »Herding and Contrarian Behavior in Financial Markets: An Internet Experiment«, American Economic Review 95 (2005), S. 1403-1426.
 

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