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Bewerbersuche ist ein Dauerproblem

Die Besetzung offener Stellen entpuppt sich für immer mehr Unternehmen als schwierige Aufgabe. Mittlerweile sind Bewerber mit gesuchten Qualifikationen über längere Zeiträume nicht aufzutreiben, so der Negativbefund einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Notausgangsschild mit Notbeleuchtung und einem rennenden Männchen.

Bewerbersuche ist ein Dauerproblem
Köln, 05.02.2014 (iw) - Der deutschen Wirtschaft geht es im europäischen Vergleich recht gut, die Auftragsbücher sind meist voll. Viele Unternehmen suchen geeignetes Personal – allerdings häufig ohne Erfolg. Dabei fehlt es nicht nur an gut ausgebildeten Ingenieuren, sondern an Fachkräften mit den unterschiedlichsten Qualifikationen. Das zeigt die Analyse "Fachkräfteengpässe in Unternehmen", die das IW jetzt vorgelegt hat.

Demnach bestehen bei 106 der rund 580 analysierten Berufe schon seit gut zwei Jahren Engpässe. Bei diesen Jobs gab es zwischen September 2011 und August 2013 kontinuierlich deutlich weniger Arbeitslose als offene Stellen. Für 56 dieser Engpassberufe war eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig, für 25 ein Fortbildungsabschluss und für 25 ein Studium.

Besonders betroffen sind die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Unter den zehn Berufen mit den größten Engpässen befinden sich allein fünf MINT-Berufe. Dazu gehören beispielsweise Mechatroniker, Elektriker und Ingenieure für Luft- und Raumfahrttechnik. Ein zweiter Schwerpunkt liegt im Gesundheitsbereich. Auch hier fehlen Fachkräfte aller Qualifikationen – vom Altenpfleger über die Fachkrankenschwester bis hin zu Ärzten der unterschiedlichen Fachrichtungen.

In 40 Prozent der gemeldeten offenen Stellen war ein Engpassberuf gefragt. Für viele gemeldete offene Stellen wird eine Person mit einer Qualifikation in einem Engpassberuf gesucht. Bei Betrachtung der einzelnen Qualifikationsniveaus wird ersichtlich, dass im August 2013 der Anteil der Engpassberufe an allen gemeldeten offenen Stellen bei beruflich Qualifizierten mit 41 Prozent am größten war. Bei Akademikerinnen und Akademikern fiel er mit 34,5 Prozent niedriger aus; hier war in den letzten Monaten ein leichter Rückgang an Engpassberufen zu verzeichnen. Betrachtet man spiegelbildlich den Anteil der Arbeitslosen mit einem Engpassberuf an der Summe aller Arbeitslosen, zeigt sich ein anderes Bild: Nur 11 Prozent der Arbeitslosen besaßen eine Qualifikation in einem Engpassberuf.

 In den letzten zwei Jahren wiesen 106 Berufsgattungen kontinuierlich Engpässe auf. Sie werden daher als Sockelengpassberufe bezeichnet. Sockelengpassberufe treten besonders bei Hochqualifizierten auf. Bei den Akademikerinnen und Akademikern ist der Anteil der Sockelengpassberufe sehr hoch: Rund 70 Prozent aller akademischen Berufsgattungen, die in den letzten beiden Jahren in mindestens einem Monat einen Engpass aufwiesen, wiesen auch kontinuierlich einen Engpass auf. Sie zählen somit zu den Sockelengpassberufen. Bei den beruflich Qualifizierten und den Personen mit Fortbildungsabschluss war es etwa die Hälfte.
 



Anhand der Studie können Unternehmen erkennen, in welchen Berufen weiterhin Rekrutierungsprobleme zu erwarten sind, und sich entsprechend darauf einstellen. Junge Menschen wiederum erhalten Informationen für die geeignete Berufswahl. Die IW-Untersuchung wurde im Auftrag des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung erstellt, einer Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums.


 

Download [PDF, 36 Seiten - 614 kb]
Sebastian Bußmann / Susanne Seyda: Fachkräfteengpässe in Unternehmen
- In vielen Berufsgattungen bestehen seit Längerem Engpässe
Gutachten für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Leser-Kommentare

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WiWi Gast

Re: Bewerbersuche ist ein Dauerproblem

Da sagst du was Wahres. Vor allem habe ich das Gefühl, dass in Personalabteilungen nur noch Praktikanten arbeiten, die selbst von nichts eine Ahnung haben, aber sich dann anmaßen, an die Bewerber so hohe Anforderungen zu stellen.

antworten
WiWi Gast

Bewerbersuche ist ein Dauerproblem

Tut mir Leid, das ist ein hausgemachtes Problem.
Wenn Unternehmen endlich anfangen würden, angemessene Einstiegsgehälter zu zahlen (von denen auch die Miete einer kleinen Wohnung in Großstädten bezahlt werden kann), vernünftige Arbeitsbedingungen zu schaffen (Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Abschaffung des Anwesenheitskults, Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen, etc.) und ihre Erwartungen etwas runterzuschrauben (keine Stellenanzeige für die man unter 25 sein muss, aber 10 Jahre Berufserfahrung, Top-Studium plus Ausland und Ehrenamt haben muss) dann kommen die Fachkräfte schon wieder.

Vorausgesetzt natürlich die Politik tut endlich mal etwas gegen den immer größer werdenden Mangel an Masterplätzen, ja, auch in den MINT Fächern. Viele möchten gerne einen Master machen und zur hochqualifizierten Fachkraft werden, können es aber nicht.

Und noch ein Tipp, den die Unternehmen sich mal zu Herzen nehmen sollten: Etwas weniger Arroganz und mehr Fairness and Transparenz bei der Bewerbersuche und dem Bewerbungsprozess könnten auch nicht schaden. Viele Freunde von mir sind gerade auf Jobsuche, Ingenieure und Informatiker, also angeblich gefragt. Was die sich aber teilweise von den Personalern gefallen lassen müssen... War gerade ein sehr interesanter Beitrag auf linkedin mit dem Titel: 10 Best Ways to Drive Away Talent...wird von den meisten Unternehmen anscheinend sehr erfolgreich praktiziert.

Und von Altenpflegern und Krankenschwestern muss man gar nicht erst anfangen. Zahlt diesen hart arbeitenden Menschen endlich einen anständigen Lohn, von dem man nicht nur überleben, sondern leben und vielleicht sogar an eine Familiengründung denken kann. Wenn diese Berufe endlich die (finanzielle) Anerkennung bekommen, die sie verdienen, werden auch mehr Jugendliche diesen beruflichen Weg einschlagen.

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