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Berufseinstieg: Wo & WieKarriereziele

Karriere planbar?

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WiWi Gast

Karriere planbar?

Wer von euch hatte bereits zum Berufseinstieg geplant, nach 3-5 Jahren dort zu landen wo er letztendlich auch tatsächlich gelandet ist?

Ich mache mir gerade evtl. zuviele Gedanken darüber, wie es bei mir in 3-5 Jahren aussieht, wenn ich diese oder jene Stelle annehme. Habt ihr die Erfahrungen gemacht, dass es sinnvoll war, eine konkrete Position anzustreben oder galt bei euch der Spruch: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt? (nicht unbedingt im negativen Sinn)

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Jetzt bin ich aber auf die Antworten der Forenbewohner gespannt :-)

Die meisten Absolventen werden mit ihrem Berufseinstieg erstmal feststellen, dass das wirkliche Arbeitsleben ganz anders ist als die Theorie dazu.
Ich für meinen Teil wollte am Anfang immer in den Vertrieb, habe dort auch gearbeitet und bin mittlerweile im Projektmanagement/Projektleitung, wobei hier eher interne Projekte abgewickelt werden.

Nach Abschluss des Studiums habe ich sogar eine richtig geile Stelle abgelehnt, weil das ja nicht alle Angebote für den ach so begehrten Absolventen sein konnten (ja ich war ziemlich naiv).

Generell ist es aber absolut ratsam und sinnvoll, sich am besten schon zu beginn des Studium einen Plan zurecht zu legen, den man verfolgen kann. Diesen Einfall hatte ich leider erst sehr viel später.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

3-5 Jahre sind kein Horizont für eine nachhaltige Karriere. Viele müssen 42 Jahre durchhalten. Die ersten paar Jahre sind nur der Auftakt und man sollte diese turbulente Zeit möglichst erst mal meistern, bevor man hochfliegende Pläne entwickelt. Die meisten Einsteiger werden sowieso feststellen, dass sie gar keine Verantwortung (=Karriere) wollen. Oder sie sind nicht bereit, die nötige Energie zu investieren, weil Familie, Haus oder was auch immer gerade wichtiger ist.

Um deine Frage zu beantworten: Ja, du machst dir zu viele Gedanken. Es ist sehr gefährlich, mit einer hohen Erwartungshaltung in den Berufsstart zu gehen. Das System gibt diese Planbarkeit nicht her - Unzufriedenheit wäre vorprogrammiert. Lege deinen Fokus lieber auf das Lernen. Es wird eine neue Situation sein, die du erst mal bewältigen mußt. Das braucht viel Zeit. Bei der Schuleinführung hast du dir schließlich auch keine Gedanken über deine Abiturnote gemacht. Zusammenfassend: Lerne erst mal Lesen und Schreiben bevor du deinen ersten Roman planst.

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checker

Re: Karriere planbar?

Von detailplanung ala "in 3 Jahren will ich das machen" halte ich nichts.

Allerding muss man sich schon gedanken machen was man eigentlich will und welche Karrierestufe man anstrebt. Davon ausgehend muss man sich schon überlegen wann man mal eine andere Aufgabe wahrnehmen will und das Unternehmen wechseln.

Auch muss man sich überlegen bis wann man spätestens eine bestimmte stufe erreicht haben müsste um diese oder jenes zu schaffen. Da man im Leben aber nicht nur den Job hat sondern auch Familie, Hobby, Gesundheit usw. geht damit auch einher sich zu überlegen wann man etwas nicht will oder was einen überfordern würde.

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DAX Einkäufer

Re: Karriere planbar?

Du kannst dir Deine Karriere vorstellen wie eine Reise als Anhalter quer durch die Welt.

Du startest und hast nichts dabei außer einem Rucksack und ein paar Habseligkeiten. Du startest und landest nach einiger Zeit an einem Ort, den Du noch nicht kennst. Wenn er Dir gefällt, bleibst Du für einige Zeit dort. Eventuell findest Du Freunde und richtest es Dir häuslich ein.

Irgendwann willst Du weiter und setzt die Reise fort. Aber in welche Richtung? Vielleicht hast Du in dem Moment Optionen, die Dir vorher gar nicht bewusst waren.

Auf der Reise begegnen Dir Menschen, die dasselbe Ziel haben wie Du oder die gerade an derselben Station Rast machen. Manche sind auch gar nicht auf Reise, sondern für immer an einem Ort. Andere kommen Dir entgegen, manche reisen mit Dir, andere stellen sich Dir in den Weg.

Musst Du bei einer solchen Reise vom ersten Moment an wissen, wo Du langfristig ankommen willst? Nicht unbedingt. Du kannst auch einfach so losfahren und schauen, wohin es Dich führt. Das kann eine sehr schöne Reise werden. Ein Ziel zu haben ist keine Garantie dafür, dass Du es auch erreichst. Wichtiger ist, dass Du die Reise überhaupt antrittst.

Ein Ziel zu haben könnte Dich aber davon abhalten, an einem Ort zu lange zu bleiben. Oder vom Weg abzukommen. Oder von einem Ort in die falsche Richtung weiterzureisen. Auf der anderen Seite könnte ein (falsches) Ziel Dich davon abhalten, eine wertvolle Option wahrzunehmen, weil Du lieber am falschen Ziel festhältst. Vielleicht ist das Ziel auch gar nicht so schön wie Du es Dir vorgestellt hast?

Was heißt das für Deine Karriere?

  1. Du musst kein festes Ziel haben. Du kannst auch einfach so loslegen. Wichtig ist, dass Du loslegst. Die Richtung sollte in etwa stimmen, kann aber später noch korrigiert werden.

  2. Wenn Du dir dennoch ein Ziel setzst, sollte es konkret genug sein, um Dich zu motivieren, aber unkonkret genug, um Dir attraktive Abweichoptionen offen zu halten. Es kann passieren, dass Dir plötzlich eine berufliche Option offen steht, die Du gar nicht auf dem Radar hattest. Annehmen oder ablehnen? Dem Ziel treu bleiben oder mal was Neues wagen? Das sind Fragen, die Du Dir selbst dann beantworten musst.

  3. Wenn Du ohne großes Ziel startest, solltest Du ein kleinere Ziele setzen.

  4. Welches Ziel auch immer Du verfolgst - Du solltest glücklich sein, wenn Du es erreichst, aber auch dann glücklich, wenn Du es nicht erreichst.

Die beiden großen Tragödien im Leben sind a) Ziele, die wir erreichen, und b) Ziele, die wir nicht erreichen.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

DAX Einkäufer schrieb:

Du kannst dir Deine Karriere vorstellen wie eine Reise als
Anhalter quer durch die Welt.

Normalerweise mag ich die Beiträge von DAX-Einkäufer. Diesmal finde ich nicht, dass es passt. Man kann feste Ziele setzen oder halt nicht / Ziele erreichen oder eben nicht. Das würde mir nicht helfen, wenn ich Berufseinsteiger wäre.

Ich dachte wir sind hier im Karriereforum? Karriere ist in irgendeinerweise mit einem Aufstieg verbunden - finanziell, gesellschaftlich, hierarchisch etc. Die Reise per Anhalter durch die Berufswelt von Arbeitgeber zu Arbeitgeber ist sicherlich eine typische berufliche Laufbahn, aber mit Karriere hat das meines Erachtens nichts zu tun. Ziele sind nicht gleich Ziele. Ich kann mir auch das Ziel setzen, dass ich ab Berufseinstieg möglichst 42 in der gleichen Position/Rolle bleibe. Ist das dann eine Karriere? Glaube eher nicht.

Also, wenn der Einsteiger schon Ziele für 3-5 Jahre setzen will, dann sollte das so aussehen (in dieser Reihenfolge):
1.) Berufseinstieg ohne Komplikationen meistern
2.) Intern: Sich selbst durch sehr gute Arbeit für höhere Aufgaben qualifizieren
3.) Extern: Den eigenen Marktwert durch gefragte Berufserfahrung steigern

  1. und 3. sind übrigens gute Gründe für Gehaltssteigerungen. Man braucht sich also nur auf diese Punkte fokusieren und kann sich Gehalt als eigenes Ziel sparen.
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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Viele interpretieren hier den Begriff Karriere immer vollkommen falsch. Karriere ist nichts anders als die berufliche Laufbahn und nicht der Aufstieg zum Top-Manager.

Von dem Ansatz planlos umher zu irren, halte ich auch nichts, allerdings hat der Einkäufer das in seinen Punkten 1-4 etwas relativiert.
Man sollte soetwas wie ein grobes Ziel haben auf das man hin arbeiten kann, sollte allerdings immer ein Hintertürchen für Plan B haben und auch bereit sein evtl. einen neuen Weg einzuschlagen.

Man darf nicht zu eingefahren sein, ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit groß zu scheitern, mal abgesehen von dem eigenen Druck den man damit aufbaut.
Als Studienanfänger oder Absolvent kann man nicht jede Einzelheit seines Beruflebens planen aber man kann sich gut darauf vorbereiten.

Gruß
Olli

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checker

Re: Karriere planbar?

Ehrlich gesagt finde ich, dass das einer der besten Beiträge von DAX-Einkäufer ist.

Ich würde jedoch durchaus herauslesen, dass man Ziele haben sollte nur eben nicht dogmatisch daran festhalten sollte.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Bin der Meinung, dass man sich sehr wohl Gedanken über seine Ziele machen soll. Z.B. nach dem Einstieg UB, dann ins Venture Capital oder meinetwegen Einsteig Wirtschaftsprüfer und dann später ins Rechnungswesen eines Konzern etc. Der erste und zweite Schritt sollten geplant sein, ob man mit 55 dann DAX CEO wird, das braucht man vllt nicht vorab zu planen ;)

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DAX Einkäufer

Re: Karriere planbar?

"Also, wenn der Einsteiger schon Ziele für 3-5 Jahre setzen will, dann sollte das so aussehen (in dieser Reihenfolge):

1.) Berufseinstieg ohne Komplikationen meistern
2.) Intern: Sich selbst durch sehr gute Arbeit für höhere Aufgaben qualifizieren
3.) Extern: Den eigenen Marktwert durch gefragte Berufserfahrung steigern

  1. und 3. sind übrigens gute Gründe für Gehaltssteigerungen. Man braucht sich also nur auf diese Punkte fokusieren und kann sich Gehalt als eigenes Ziel sparen."

Das ist grundsätzlich richtig. Die Punkte 1), 2) und 3) sind aber dermaßen generisch formuliert, dass sie dem Threadersteller auch nicht weiter helfen. Wer in einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern einsteigt, weiß beim Einstieg noch nicht, wie er sich im Unternehmen weiter entwickeln wird und welche Optionen es überhaupt gibt. Sich durch "sehr gute Arbeit für höhere Aufgaben qualifizieren" kann man auf vielerlei Weise. "Den eigenen Marktwert durch gefragte Berufserfahrung steigern" sagt nichts darüber aus, welche Berufserfahrung das sein soll und welche Themen gefragt sind. Das ist mir zu sehr Lehrbuch. Vor allem ist dieser Pfad stark auf das Thema Gehalt fixiert.

In der Praxis läuft das eher so: Du steigst auf einer Position ein und verstehst erstmal gar nichts. Vor allem ist Dir nicht klar, wie um alles in der Welt Du aus diesem Büro jemals wieder rauskommen sollst, da Du eben nicht (wie an der Uni) alle paar Wochen ein messbares Leistungsfeedback mit schriftlichen Noten, Zeugnissen etc. bekommst, sondern höchstens ein vages Feedback Deines Chefs. Du lieferst Deine Arbeit ab und die Firma ist mehr oder weniger zufrieden damit. That's it. Von "Karriere" erstmal keine sichtbare Spur.

Mit der Zeit merkst Du, dass diese "Karriere" nicht etwa der normale vertikale Kaminaufstieg ist, sondern dass Du dich im Unternehmen oder der Branche horizontal/diagonal bewegst und dabei mehr Verantwortung bekommst.

Irgendwann hörst Du von einer Position in einem anderen Bereich oder anderen Unternehmen, die für Dich interessant ist, aber Du weißt nicht, ob die Position Dir langfristig helfen wird. Du weißt nicht mal, ob Du der richtige für den Job bist.

Bei meinem Rückblick auf die Reise als Anhalter habe ich durchaus einen sich füllenden "Rucksack" unterstellt. Vor allem aber entwickelt man sich von Station zu Station weiter gemäß der persönlichen Präferenzen. Die Präferenzen müssen aber nicht monetär sein - es kann auch sein, dass man einen bestimmten fachlichen Schwerpunkt erreichen will oder ein bestimmtes Maß an Freiheitsgraden.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

DAX Einkäufer schrieb:

Das ist grundsätzlich richtig. Die Punkte 1), 2) und 3) sind
aber dermaßen generisch formuliert, dass sie dem
Threadersteller auch nicht weiter helfen.

Hm, "Generisch" finde ich eher deine Tipps oben, ala: setze dir Ziele, die dich irgendwie glücklich machen und such dir neue, wenn es nicht klappt. Was heißt das nun für den Berufsanfänger konkret?

Wer in einem
Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern einsteigt, weiß beim
Einstieg noch nicht, wie er sich im Unternehmen weiter
entwickeln wird und welche Optionen es überhaupt gibt. Sich
durch "sehr gute Arbeit für höhere Aufgaben
qualifizieren" kann man auf vielerlei Weise.

Also wir haben eine Menge Berufseinsteiger und von allen wird am Anfang erst mal verlangt, dass sie die zugeteilten Aufgaben ordentlich bewältigen. Was sonst noch so beim Aufstieg zählt, wie Ehrgeiz, politisches Geschick, Gespür für Situationen und Glück ist beim Einstieg erst mal völlig sekundär. Neulinge fahren nicht gut, wenn sie überall raushängen lassen, dass ihre persönliche Entwicklung ihnen über alles geht. Die Arbeit muss erst mal gemacht werden. Punkt.

"Den
eigenen Marktwert durch gefragte Berufserfahrung
steigern" sagt nichts darüber aus, welche
Berufserfahrung das sein soll und welche Themen gefragt sind.
Das ist mir zu sehr Lehrbuch. Vor allem ist dieser Pfad stark
auf das Thema Gehalt fixiert.

Ich habe explizit herausgestellt, dass das Gehalt vernachlässigbar ist - da Abfallprodukt anderer Ziele. Im Übrigen geht es um gefragte Berufserfahrung. Das ist ganz konkret die Erfahrung die am Markt gesucht wird. Man liest einfach häufig gesuchte Stellenprofile die man anstrebt (oder nach einigen Berufsjahren Profile für Leiterstellen) und versucht die Kenntnisse und Erfahrungen zu erlangen, die darin verlangt werden. Nur so kann man seine berufliche Existenz sichern. Als Exot muss man damit rechnen, dass keiner Exotenprofile einstellt.

In der Praxis läuft das eher so: Du steigst auf einer
Position ein und verstehst erstmal gar nichts. Vor allem ist
Dir nicht klar, wie um alles in der Welt Du aus diesem Büro
jemals wieder rauskommen sollst, da Du eben nicht (wie an der
Uni) alle paar Wochen ein messbares Leistungsfeedback mit
schriftlichen Noten, Zeugnissen etc. bekommst, sondern
höchstens ein vages Feedback Deines Chefs. Du lieferst Deine
Arbeit ab und die Firma ist mehr oder weniger zufrieden
damit. That's it. Von "Karriere" erstmal keine
sichtbare Spur.

Es wäre ein großer Trugschluss, wenn der Berufseinsteiger glaubt, dass er keine gute Arbeit liefern muss, nur weil niemand ihm auf die Schulter klopft. Ich würde jedem Absolventen raten, eine erstklassige Arbeit abzuliefern und die Ohren zu spitzen hinsichtlich der Signale "zwischen den Zeilen". Ich fände es ein absolut falsches Statement, wenn du vermitteln willst, dass Karriere nichts mit guter Arbeit zu tun hat. Sicherlich gibt es viele Erfolgsfaktoren, aber beim Berufseinstieg zählt vor allem erst mal Selbstdisziplin.

Bei meinem Rückblick auf die Reise als Anhalter habe ich
durchaus einen sich füllenden "Rucksack"
unterstellt. Vor allem aber entwickelt man sich von Station
zu Station weiter gemäß der persönlichen Präferenzen. Die
Präferenzen müssen aber nicht monetär sein - es kann auch
sein, dass man einen bestimmten fachlichen Schwerpunkt
erreichen will oder ein bestimmtes Maß an Freiheitsgraden.

Hier wäre ein Hinweis auf die Prioritäten angebracht. Jeder muss wissen, dass es immer nur eine Prio 1 geben kann. Es heißt auch "Entweder man tut etwas interessantes oder man ist etwas interessantes". Will heißen, dass unterschiedliche Ziele unterschiedliche Prioritäten erfordern: Wenn jemand Führungsverantwortung will, sollte derjenige nicht 10 Jahre an seiner Spezialisierung schrauben. Wer unbedingt in eine bestimmte Stadt ziehen möchte, sollte dort keinen beruflichen Aufstieg erwarten. Es ist auf Dauer einfach unmöglich zwei Ziele mit voller Kraft zu verfolgen. Wer also viel erreichen will, muss auch früh anfangen. Alle anderen bleiben ihr Leben lang Rucksacktouristen - was sicher auch ein paar angenehme Seiten hat

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DAX Einkäufer

Re: Karriere planbar?

Ich glaube, wir meinen irgendwie dasselbe. Ich kann zumindest jeden Deiner Sätze unterschreiben, habe aber auch nicht das Gefühl, dass meine Beschreibung ihnen explizit widersprochen hätte.

Die Frage des Eröffners war: "Wer von euch hatte bereits zum Berufseinstieg geplant, nach 3-5 Jahren dort zu landen wo er letztendlich auch tatsächlich gelandet ist?" Meine Antwort ist: Teils ja, teils nein. Einige Aspekte der ersten Berufsjahre habe ich genau so ablaufen lassen, wie ich das wollte. Andere wurden völlig anders. Wenn ich unerwartete Optionen nicht wahrgenommen hätte, hätte ich einiges heute nicht erreicht. Wenn ich bestimmte (langfristige) Ziele nicht verfolgt hätte, hätte ich in einigen Situationen nicht durchgehalten.

Als Fazit aus meiner eigenen Erfahrung halte ich es für möglich, bestimmte (einzelne) Ziele zu erreichen, wenn man andere ihnen unterordnet. Viele hier im Forum z.B. wollen unbedingt "aufsteigen", aber natürlich auf gar keinen Fall viel arbeiten und auch nicht abends und am Wochenende erst recht nicht. Könnte schwierig werden. Das eine Ziel ist zwar da, die Unterordnung der anderen Ziele findet aber nicht statt. Ich halte das Ziel "aufsteigen" deshalb für eine Fata Morgana. Man sollte die ersten Berufsjahre deshalb so gestalten, dass man das Ziel noch erreichen kann (Aufstieg), aber nicht alles andere prinzipiell ausblenden (z.B. einen attraktiven, gut bezahlten Job, der zwar kein direkter Aufstieg ist, aber dafür eine exzellente Work-Life-Balance bietet).

"Ich fände es ein absolut falsches Statement, wenn du vermitteln willst, dass Karriere nichts mit guter Arbeit zu tun hat."

Ich hoffe nicht, dass ich das vermittelt habe - es wäre absolut das Gegenteil von dem, was ich vermitteln möchte. Ich stelle aber inzwischen bei vielen Berufseinsteigern fest, dass sie die klaren Messlatten "gut" und "schlecht" aus dem Studium im Berufsleben erfolglos wiederfinden wollen. Es gibt sie aber nicht. Zumindest dann nicht, wenn Du in einem Bereich mit konkurrierenden Zielen arbeitest. Klar, in irgend einer Versicherungsvertriebs- oder Beratungsklitsche kannst Du sagen: Kunde zahlt, Arbeit war gut. Wenn Du aber in einem Unternehmen langfristig wirkende Entscheidungen (!) triffst, dann gibt es nicht für jede Entscheidung sofortiges Feedback. Eine solche Umgebung erfordert ein eigenes Gefühl dafür, was richtig ist und was falsch. Viele Berufseinsteiger haben das nicht.

"Also wir haben eine Menge Berufseinsteiger und von allen wird am Anfang erst mal verlangt, dass sie die zugeteilten Aufgaben ordentlich bewältigen."

Ich unterstelle, dass die Grundmotivation zur Bewältigung der zugeteilten Aufgaben vorhanden ist.

Um auf den Threadersteller zurückzukommen: "Ich mache mir gerade evtl. zuviele Gedanken darüber, wie es bei mir in 3-5 Jahren aussieht, wenn ich diese oder jene Stelle annehme." Ich würde ihm raten, sich nur solche Gedanken zu machen, die seine Arbeitsmotivation, Entscheidungsfreude und Offenheit aufrecht erhalten. Wenn der Gedanke an die Zukunft in 5 Jahren ihn motiviert, ist er gut. Wenn er ihn ängstigt, ist er schlecht.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

"Wer unbedingt in eine bestimmte Stadt ziehen möchte, sollte dort keinen beruflichen Aufstieg erwarten."

Kannst du mir bitte mal erklären, wieso das nicht möglich sein soll?
Es ist mit Sicherheit einfacher, wenn man flexibel ist und dahin zieht, wo einem das Unternehmen gerne hätte. Ich habe meinen Job nur gewechselt um in eine bestimmte Stadt zu ziehen und ich erfahre beruflichen Aufstieg.

Es ist auch immer wieder interessant zu sehen, dass viele scheinbar als einziges Ziel haben auf der höchst möglichen Stufe der Hierarchie zu stehen. Über die Ziele des TE wissen wir nichts, vielleicht möchte er sich im Bereich Statistik o.ä. spezialisieren oder sein Ziel ist eine bestimmte Stadt.

Ich denke einigen können wir uns darauf, dass man ein Grobziel haben soll, die Erwartungen gerade zum Einstieg nicht zu hoch sind und man offen für evtl. Abweichungen des eigenen Plans ist.

antworten
WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

DAX Einkäufer schrieb:

Ich glaube, wir meinen irgendwie dasselbe. Ich kann zumindest
jeden Deiner Sätze unterschreiben, habe aber auch nicht das
Gefühl, dass meine Beschreibung ihnen explizit widersprochen
hätte.

Freut mich, dass wir uns einig sind. Meist kann ich wie gesagt deine Ratschläge und Erfahrungsberichte bedenkenlos mitragen. Du arbeitest viel mit Bildern und Metaphern. Diesmal hat mich das Bild der fröhlichen Rucksackreise irritiert, bei der man ohne festes Ziel im Berufsleben herumirrt und sich mal dies mal jenes ansieht, um den Rucksack mit Souveniers und Eindrucken zu füllen. Das entsprach einfach nicht meiner persönlichen Erfahrung.
Ehrlich gesagt ist der berufliche Alltag oft alles andere als eine Ferienveranstaltung - besonders wenn man Ambitionen hat. Die ersten paar Jahre sind meist ziemlich ernüchternd. Einige Themen mit denen ich mich beschäftigt habe, waren höchstens indirekt förderlich für die Karriere oder haben mich auch sonst der Selbstfindung kaum nähergebracht. Das Gehalt muss als Entschädigung dafür reichen. Der bedeutenste Schritt war die Beförderung zum Disziplinarvorgesetzten. Das Tätigkeitsfeld ist nur noch rudimentär kompatibel mit den Erfahrungen aus den früheren Berufsjahren. Ich konnte meine Rucksack im Grunde nochmal neu packen. Ist aber völlig in Ordnung - ich wollte das ja schließlich so haben.

Deinen Ratschlag an den TS trage ich vollkommen mit. Vor allem die Angst irgendwas verpassen ist kein guter Ratgeber. Arbeitsinhalte sind eh nicht entscheidend für die Karriere. Wichtig ist die persönliche Motivation. Die zahlt sich mit der Zeit aus.

antworten
WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Hier der TE

Vielen Dank für die ausführlichen und hilfreichen Antworten.
Ich möchte definitiv Karriere machen. Sollte ich heiraten oder Kinder bekommen, sieht die Welt natürlich wieder anders aus.

Ich bin im Controlling tätig und strebe es auch an, irgendwann Leiter Controlling zu sein. Das ist zwar schon sehr hoch und man muss sich zuvor viele Jahre beweisen. Aber ein realistisches Ziel ist es m.E. dennoch. Ich weiß aber nicht, ob das dennoch planbar ist. Wenn ich mir die Karriere eines Wirtschaftsprüfers ansehe, dann ist diese ja schon ziemlich planbar (vorausgesetzt man besteht die Examen). D.h. direkt zum Berufseinstieg kann ich absehen, dass ich nach 2-3 Jahren den StB mache, dann nach weiteren 2-3 Jahren den WP und nach weiteren 2-3 Jahren Prokura habe oder Manager bin, je nach Größe der WP-Gesellschaft. (Die Partner Ebene mal außen vor)

Ich will mich definitiv nicht darauf versteifen, in einem bestimmten Jahr bzw. mit einem bestimmten Alter "Leiter Controlling" auf meiner Visitenkarte stehen zu haben. Mich an Stellenausschreibungen für Leiter Controlling zu orientieren, und mir die aufgeführten Kenntnisse anzueignen, halte ich persönlich jedoch für naiv.

Bekannte sagten mir, dass sich ihre Karriere nicht automatisch durch hervorragende Arbeit ergeben hätte, sondern, dass sie stets Druck ausüben mussten. Allerdings bot der Chef dann meist eine Position an, von der die Bekannten nicht mal ansatzweise die Idee hatten, ausgerechnet diese Position irgendwann zu haben. Ist das bei euch auch so gewesen? Oder habt ihr irgendwann dem Chef sinngemäß gesagt: "Wenn sie mir die Position Leiter Controlling nicht geben können, bewerbe ich mich bei anderen Unternehmen für genau siese Position" und seid dann gegangen?

Eine andere Frage ist, wann ist der richtige Zeitpunkt, karrieretechnisch einen Schritt weiter zu gehen und dem Chef zu sagen, man möchte ab nächstem Jahr Senior Controller sein? Von sich aus kommt ja keiner zu einem und fragt mal eben, ob man im kommenden Jahr nicht 20 % mehr verdienen und eine Leitungsposition möchte. Sich im branchenvergleich nach ähnlichen Lebensläufen zu orientieren, halte ich nicht für die richtige Herangehensweise.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Wenn das Unternehmen eine Stelle neu besetzen will und du signalisierst, dass du Lust auf mehr Verantwortung hast + super Leistungen erbringst dann läuft das schon. Entspann dich.

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WiWi Gast

Re: Karriere planbar?

Ich arbeite für ein amerikanisches Unternehmen, da heißt Karriere in der Tat berufliche Laufbahn, nicht mehr nicht weniger. Bei uns ist Karriere immer nur mit Aufstieg verknüpft.

Kürzlich gab es mal eine Diskussion, in der es im VG um die Frage ging, wo man sich in 5 Jahren denn sieht. Ich glaube, es wäre komisch, wenn man die Story mit dem Anhalter auspacken würde.

Ich denke, dass man nach einem erfolgreichen Einstieg nicht jede angebotene Stelle annehmen sollte, um zu signalisieren, dass man für einen Aufstieg alles tut. Ebenso wenig sollte man sich Möglichkeiten verschließen, die zwar nicht ganz in die gewünschte Richtung gehen, aber zumindest einen Schritt in die Richtung.

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