DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
BewerbungsunterlagenLebenslauf

Lebensläufe werden immer lückenhafter

Die gesetzliche Rente verlangt einen möglichst lückenlosen und langen Erwerbsverlauf - tatsächlich ist das Arbeitsleben vieler Menschen aber brüchiger und kürzer geworden, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte neue Studie am Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes).

Ein großes Loch in einem Steinboden.

Lebensläufe werden immer lückenhafter
Bonn, 20.05.2010 (hbs) - Die gesetzliche Rente verlangt einen möglichst lückenlosen und langen Erwerbsverlauf - tatsächlich ist das Arbeitsleben vieler Menschen aber brüchiger und kürzer geworden, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte neue Studie am Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes). So hat sich beispielsweise in allen Erwerbsphasen der Anteil der Dauerarbeitslosen seit Mitte der 1980er Jahre mindestens verdoppelt, am stärksten ist der Anstieg bei den Berufseinsteigern unter 30. Die Veränderungen werden große Probleme in der Alterssicherung verursachen, prognostizieren die Studienautoren Prof. Dr. Ernst Kistler und Falko Trischler. Verschärfend komme hinzu, dass die Politik durch die Rentenreformen die Rentenzahlbeträge gesenkt hat. »Die Gefahr der Altersarmut steigt und ist hochgradig gruppenspezifisch«, warnen die Wissenschaftler. Kistler und Trischler haben untersucht, wie sich Erwerbsbiografien zwischen 1984 und 2007 verändert haben. Dabei differenzieren sie zwischen der Phase des Berufseinstiegs, der Kernerwerbsphase und der Phase des Altersübergangs.

Deutlich anders sieht heute die Einstiegsphase der 20- bis 30-Jährigen aus. Der durchschnittliche Berufsstart verschob sich, weil die Ausbildungen länger wurden. Vor allem aber spielt frühe Arbeitslosigkeit eine immer größere Rolle. Ob Männer oder Frauen, ob in Ost- oder Westdeutschland: Für alle Gruppen nahm zwischen 1991 und 2007 das Risiko zu. Selbst Dauerarbeitslosigkeit ist in dieser Lebensphase keine Seltenheit mehr. Jeder zwanzigste 20- bis 30-Jährige war in den fünf Jahren von 2003 bis 2007 mindestens zweieinhalb Jahre ohne Job. Zum Vergleich: Zwischen 1985 und 1989 war nur jeder hundertste von derartiger Dauerarbeitslosigkeit betroffen. »Arbeitslosigkeit wird zur allgemeinen Erfahrung«, schreiben Kistler und Trischler über die Einstiegsphase. Weil weder Berufskenntnisse noch relevante Rentenansprüche gesammelt werden, zieht diese Erfahrung dauerhaft Nachteile nach sich. Außerdem ist bei den Unter-30-Jährigen der Anteil der Vollzeitbeschäftigten gesunken, und schon in dieser Lebensphase haben Frauen seltener eine Vollzeitstelle.

Die Kernerwerbsphase - 30- bis 50-Jährige. Dieser Lebensabschnitt hat sich über die Jahrzehnte am wenigsten verändert. Die wesentliche Neuheit im Vergleich zu den 1980er-Jahren ist, dass nun mehr Frauen arbeiten. Das mündete laut Inifes aber nicht in einen erheblichen Zuwachs an Frauen in Vollzeitjobs, sondern eher in mehr geringfügige und Teilzeit-Beschäftigung. Etwa jede sechste westdeutsche Frau zwischen 30 und 50 bleibt noch immer die meiste Zeit dem Arbeitsmarkt fern. Arbeitslosigkeit und prekäre Jobs sind in dieser Phase etwas seltener als zu Beginn oder am Ende des Erwerbslebens. Aber immerhin jeder Fünfte arbeitete zwischen 2003 und 2007 dauerhaft in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis, und sieben Prozent waren sogar mehr als zweieinhalb Jahre ohne Job (1985 bis 1989: zwei Prozent). Auch wenn Bildung hilft: Die Zeiten in Arbeitslosigkeit sind für Geringqualifizierte wie für Akademiker gestiegen.

Der Altersübergang - 51- bis 65-Jährige. Beim Vergleich der 1980er- und der 2000er-Jahre wird deutlich: Es hat sich ein Keil zwischen Arbeitsende und Rentenbeginn geschoben. Die Mehrheit der Erwerbstätigen wechselt nicht mehr aus dem Beruf in die Rente. Verbreitet ist eine schwierige Überbrückungsphase am Ende des Erwerbslebens, und obwohl Kürzungen des Ruhegeldes drohen, gehen viele vorzeitig in Rente. Ein immer größerer Teil der Älteren ist von Arbeitslosigkeit betroffen, auch im Westen, noch deutlicher aber im Osten. Bundesweit waren acht Prozent in dieser Altersgruppe im Zeitraum von 2003 bis 2007 mindestens zweieinhalb Jahre arbeitslos. Zwischen 1985 und 1989 waren es dagegen erst vier Prozent. Vor allem künftige Ostrentner, zunehmend aber auch Westrentner, werden nicht auf eine stabile Erwerbsbiografie zurückblicken können, warnen Kistler und Trischler.

Download
Arbeitspapier »Gute Erwerbsbiographien« [PDF, 49 Seiten - 660 KB]
http://www.boeckler.de/pdf_fof/S-2009-236-3-1.pdf

  

Im Forum zu Lebenslauf

11 Kommentare

Werkstudentenstelle in Lebenslauf schmuggeln?

WiWi Gast

Hallo zusammen, ich habe letztes jahr meine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen, danach noch 6 Monate dort gearbeitet und ein Wirtschaftsinformatikstudium angefangen. Nun möchte ich mich ...

13 Kommentare

Kein roter Faden im Lebenslauf

WiWi Gast

Hallo mein Profil: Wiing Bachelor Maschinenbau Wiing Master Energiemanagement Berufseinstieg im UB Bereich Digitalization Mich haben schon immer viele Themen interessiert, deswegen vielleicht mein m ...

4 Kommentare

EDV-Kenntnisse in Anschreiben?

WiWi Gast

Hi allerseits In nahezu allen Stellenanforderungen im Bereich BWL werden ja mindestens gute Kenntnsse in MS Office & Co genannt. Frage an euch: Soll man die eigenen relevanten EDV-Kenntnisse nur ...

4 Kommentare

Lebenslauf Studium Ende

WiWi Gast

Hallo, ich habe im letzten Frühjahr/Sommer meine Abschlussarbeit abgegeben und seitdem keine Prüfung mehr belegt. Eingeschrieben bin ich jedoch bis Ende März dieses Jahres. Diese Zeit habe ich genutz ...

5 Kommentare

Bewertung Lebenslauf

WiWi Gast

Zunächst der Lebenslauf, jeweils mit Alter bei den einzelnen Stufen: - Abitur, Durchschnittsnote 1,7 (18 Jahre) - 2 Semester Studium Soziologie + NF Psychologie (19) - Bachelor Psychologie in 6 Seme ...

10 Kommentare

zweimal Studiengang gewechselt - schlechter Eindruck

WiWi Gast

Hallo, nehmen wir mal an, Person X hat erst 2 Semester Theologie, dann 3 Semester Recht und anschließend 6 Semester Bwl studiert, wobei er nur in BWL den Abschluss gemacht hat, davor halt 2 mal gewech ...

18 Kommentare

Erststudium abgebrochen - Angeben oder nicht?

WiWi Gast

Folgendes: Erststudium Uni in Deutschland abgebrochen. Jetzt Studium an bekannter Uni im europäischen Ausland. Wollte eigentlich das Erststudium nicht angeben, sprich Auslandsaufenthalte, Unschlüssigk ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Lebenslauf

Weiteres zum Thema Bewerbungsunterlagen

Der Schriftzug Lebenslauf in schwarz auf weißen Papier, leicht verschwommen, mit einem Aktenschrank im Hintergrund.

Der Lebenslauf für Wirtschaftswissenschaftler

Nach dem Studium kommt die Bewerbungsphase und schließlich der Job – im besten Fall der Traumjob. Heißbegehrte Stellen in renommierten Wirtschaftsunternehmen sind allerdings schwierig zu ergattern. Oftmals scheitern Bewerber schon am Lebenslauf. Daher gilt es, diesen zu optimieren. Die Anforderungen der Personaler beim Lebenslauf verändern sich kohärent zu den Problemstellungen der Wirtschaft. Ergo lohnt es sich, regelmäßig zu prüfen, worauf es aktuell ankommt. Form, Stil und Inhalt gewinnen oder verlieren fortwährend an Bedeutung.

Facebook Headquater Menlo Park

Attraktives Facebook-Profilbild erhöht die Jobchancen

Das Profilbild auf Facebook beeinflusst die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch in gleichem Maße wie das Bild im Lebenslauf. Die Profilbilder vermitteln einen Eindruck von Aussehen und Charakter der Bewerber, wie eine Studie der Universität Gent zeigt. Facebook wird dabei am ehesten bei Stellen mit höheren Qualifikationsanforderungen herangezogen. Keine Rolle spiele dagegen, ob die zu Stellen regelmäßigen Kundenkontakt beinhalten.

Beliebtes zum Thema Bewerbung

18. Hohenheim Consulting Week 2018

18. Hohenheim Consulting Week 2018

Die studentische Unternehmensberatung »Junior Business Team e.V.« veranstaltet vom 11. bis zum 19. Januar 2018 die 18. Hohenheim Consulting Week. Bachelor-, Masterstudierende und Doktoranden aller Fachrichtungen erhalten jeweils einen Tag lang einen exklusiven Einblick in den spannenden Berateralltag. Ende der Bewerbungsfrist ist der 22. November 2017.

Telefoninterview - Eine geschminkte Frau mit schwarzer Mütze hält sich ein Handy ans Ohr.

Tipps zum Telefoninterview – was jeder wissen sollte

Das Telefoninterview gehört bei vielen Unternehmen zum Vorauswahlprozess für das Vorstellungsgespräch. Innerhalb von 20 bis 60 Minuten müssen Bewerberinnen und Bewerber dabei überzeugen, um zum persönlichen Interview eingeladen zu werden. Das Telefoninterview sollte nicht unterschätzt werden. Die kurze, wertvolle Zeit gilt es zu nutzen, um die eigene Qualifikation und Motivation für das Praktikum oder den Job zu signalisieren.

Arbeitszeugnis mit Checkliste und Lupe

Arbeitszeugnis – versteckte Formulierungen

Es gibt eine Menge von Formulierungen und Redewendungen, die in Arbeitszeugnissen immer wieder vorkommen. Offensichtlich ist der wohlwollende Klang, dennoch verbergen sich dahinter verschiedene Beurteilungen, die in Schulnoten übersetzbar sind. Diese Zeugnissprache ist für viele nicht einfach entschlüsselbar. Die Wahrheits- und Wohlwollenspflicht hat dazu geführt, dass eine geheime Zeugnissprache entstanden ist. Im Teil 2 zeigt der WiWi-Treff, hinter welchen Arbeitszeugnis-Formulierungen sich welche Noten verstecken.

Feedback +/-

Feedback