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Einzelhandelsstudie: Risiken und Chancen der Branche

Globalisierung und Außenwirkung stellen den Einzelhandel vor große Herausforderungen. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte untersucht Risiken und Chancen für die Branche.

Ein Laden der -Kauf dich glücklich- heißt.

 

Einzelhandelsstudie: Risiken und Chancen der BrancheMünchen, 01.02.2006 (del) - Der globale Einzelhandel konzentriert sich mittlerweile mehr auf die Bewältigung neuer, branchenspezifischer Risiken als auf Gewinn und Wachstum. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Reports »2006 Global Powers of Retailing« von Deloitte. Der in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift »Stores« entstandene Bericht enthält eine Rangliste der 250 weltweit größten Einzelhandelsunternehmen und analysiert den Einfluss weltwirtschaftlicher Entwicklungen auf die Branche im Jahr 2006. Die jährlich vorgelegte Studie stellt in dieser Ausgabe erstmals auch die Risiken vor, mit denen sich der Einzelhandel in den kommenden zwölf Monaten auseinandersetzen muss.

»Beschaffung und operativer Betrieb werden durch die Globalisierung nicht nur komplexer, sondern auch deutlich risikoreicher«, erklärt Jochen Kuhnert, Leiter des Bereichs Retail Practice bei Deloitte. »Hinzu kommt die zunehmende Konsolidierung der Branche. Dies alles heizt den Wettbewerb an, verstärkt den Preisdruck und nivelliert die Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern. Auf der anderen Seite steht ein sehr mächtiger und anspruchsvoller Verbraucher, der den Handel zwingt, neue Prioritäten zu setzen.«

Die Studie nennt sieben Risiken, die auf der Agenda des Einzelhandels ganz oben stehen:

 

  1. Nicht-finanzielle Risiken. Globale Einzelhandelsunternehmen haben eine besonders enge Beziehung zum Endkunden. Deshalb ist die Art und Weise, wie das Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, von entscheidender Bedeutung für den Schutz der Marke. Anleger und andere Interessensgruppen achten immer stärker darauf, wie sich Unternehmen in punkto Umweltschutz verhalten, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln und in welchen anderen Aspekten sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Die Großen der Branche - dazu zählen auch Hersteller von Gebrauchsgütern - benötigen ein Medienprofil, das sie verantwortungsvoll und gesellschaftlich engagiert zeigt. Sie wollen keine Verbraucherboykotte, politischen Rückwirkungen und noch strengeren gesetzlichen Rahmenbedingungen riskieren.
  2. Internationale Wirtschaft. Global operierende Einzelhandelsunternehmen sind den Unwägbarkeiten der Weltwirtschaft stärker ausgeliefert als lokale Anbieter. Risikofaktoren sind hier vor allem Schwankungen der Devisenkurse, mögliche Handelsbeschränkungen und die Entwicklung des Ölpreises.
  3. Globale Lieferkette. Die zunehmende Globalisierung von Beschaffung und Betrieb bringt komplexere und stärker fragmentierte Lieferketten mit sich. Die Kernfrage lautet zwar weiterhin, wie hohe Servicequalität zu möglichst geringen Kosten sichergestellt werden kann, doch mittlerweile trägt eine Reihe weiterer Faktoren zur Komplexität der Lieferkette und damit zu einem höheren Risikograd für alle Beteiligten bei.
  4. Terrorismus. Für den Einzelhandel hat die Terrorismusgefahr mehrere Dimensionen. Erstens müssen vorhandene Gebäude und Einrichtungen gesichert und Mitarbeiter und Kunden gegen mögliche Anschläge geschützt werden. Dieser Schutz muss aber auch die Ware einbeziehen - insbesondere bei Lebensmitteln. Zweitens müssen Informationen, Lieferketten, Logistik und Management mehrfach angelegt sein, damit das Unternehmen nach einem Anschlag betriebsfähig bleibt. Sind keine Business-Continuity-Pläne vorhanden, kann dies im Zweifelsfall das Ende des Unternehmens bedeuten. Schließlich müssen alle wichtigen geschäftlichen Entscheidungen auch mit Blick auf diese Gefahr getroffen werden.
  5. Markenmanagement. Immer mehr Handelsketten bringen Eigenmarken heraus. Damit übernehmen sie nicht nur traditionelle Markenaufbau-Maßnahmen (Trendbeobachtung, Produktinnovation, Aufbau und Pflege des Markenimages), sondern auch Risiken im Bereich des Marken- und Inventarmanagements, die früher ausschließlich bei den Lieferanten lagen. Dies betrifft vor allem finanzielle Risiken sowie das Brand-Reputation- und Portfolio-Management.
  6. Personalmanagement. Einzelhändler mit hohem Wachstum benötigen immer mehr qualifiziertes Personal für Disposition, Informationsverwaltung, Lieferantenbetreuung und Filialleitung. Dem steht in den meisten wichtigen Märkten die demografische Entwicklung entgegen: Da die Zahl junger Erwachsener zurückgeht, wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden beziehungsweise zu halten. In Schwellenmärkten gibt es schon jetzt nicht genug Fachkräfte. Damit steigen Personalkosten und Fluktuation. Diese Entwicklung birgt eines der größten Risiken für Einzelhändler, besonders denjenigen, die in Schwellenmärkte expandieren.
  7. Neue Medien. Der technische Fortschritt hat die Medienlandschaft grundlegend verändert. Waren für Einzelhändler lange Zeit nur traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio und Printmedien relevant, müssen sie sich jetzt an neue Medien wie das Internet, leistungsstarke Handys und Videospiele anpassen, um in der zunehmend zersplitterten Medienwelt bestehen zu können. Einzelhändler riskieren, mit dem Rückgang von Massenfertigung und Massenkommunikation die Kontrolle über die Marketingbotschaft zu verlieren. Die neuen Medien bieten ihnen andererseits die Möglichkeit, Verbraucher auf individuellerer und persönlicherer Ebene und häufig deutlich effizienter anzusprechen.

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