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Der neue Sozialstaat - Lohnzuschuss statt Lohnersatz

Ein neues sozialstaatliches System, das trotz Faktorpreisausgleich sowohl die sozialen Werte Europas bewahrt als auch Massenarbeitslosigkeit verhindert, beruht auf Lohnzuschüssen statt auf Lohnersatzleistungen.

Deutscher Ökonomieprofessor und ehemaliger Ifo-Chef Hans-Werner Sinn

 

Der Sozialstaat mit LohnersatzzahlungenMünchen, 08.03.2006 (ifo) - Die Marktwirtschaft ist effizient, aber nicht gerecht. Da sich die Löhne nach dem Gesetz der Knappheit bilden, können manche Menschen nicht genug verdienen, um davon auskömmlich zu leben. In Westeuropa hilft der Sozialstaat. Auf dem Wege des Lohnersatzes, also durch die Sozialhilfe, das Arbeitslosengeld oder die Frührente, garantiert er ein sozio-kulturelles Existenzminimum. Wenn einem der Markt kein ausreichendes Einkommen für die eigene Arbeit bieten kann, dann kann man ein solches Einkommen auch ohne Arbeit vom Staat bekommen.

So gut gemeint diese Politik auch sein mag: Sie ist in hohem Maße für die Massenarbeitslosigkeit verantwortlich, unter der Europa momentan leidet. Der Grund dafür ist simpel. Lohnersatzzahlungen sind Löhne fürs Nichtstun, die einen Mindestlohnanspruch gegen die Marktwirtschaft aufbauen, der von den privaten Arbeitgebern in einer immer größer werdenden Zahl von Fällen nicht mehr befriedigt werden kann. Arbeitgeber sind keine Altruisten. Sie stellen einen Arbeiter nur ein, wenn der Überschuss der von ihm erwirtschafteten Erträge über seine Lohnkosten positiv und nicht kleiner ist als der entsprechende Überschuss, den ein ausländischer Arbeiter oder ein Roboter erzeugen könnte. Und auch die Arbeiter sind nicht dumm. Sie nehmen einen Job nur an, wenn sie dabei mehr als nur den Lohnersatz verdienen. Daher sind Arbeiter, die nicht produktiv genug sind, einen Lohn über den Lohnersatzzahlungen zu rechtfertigen, von Arbeitslosigkeit bedroht.

Dieses Problem ist in Westeuropa zwar altbekannt, es wurde aber durch den Fall des Eisernen Vorhangs noch drastisch verschärft. Durch dieses Ereignis in Kombination mit der Öffnung Chinas wurden plötzlich 28 Prozent der gesamten Menschheit in das westliche Marktsystem gebracht. Die Integration der asiatischen Tigerstaaten in den siebziger und achtziger Jahren war schon schwierig genug. Dass nun die ex-kommunistischen Länder noch hinzukommen, stellt die größte Herausforderung in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts dar.
 

 

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