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ExistenzgründungStart-Up

Gründerreport 2016: Deutschland gehen die Gründer aus

Vierter Negativrekord bei deutschen Startup-Gründungen in Folge: Aus den Ergebnissen des aktuellen Gründerreports 2016 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht ein Minus von zehn Prozent gegenüber 2015 hervor. Trotz guter Konjunktur befindet sich das Gründungsinteresse auf dem Tiefpunkt.

Ein grünes Schild mit sechs weißen Männchen.

Gründerreport 2016: Deutschland gehen die Gründer aus
Berlin, 28.06.2016 (dihk) - Das Interesse daran, sich selbstständig zu machen, ist hierzulande auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Der aktuelle Gründerreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) liefert nach Einschätzung von DIHK-Präsident Eric Schweitzer einen "beunruhigenden Befund".

"Deutschland gehen die Gründer aus", warnte Schweitzer gegenüber der "Passauer Neuen Presse". Das werde künftig negative wirtschaftliche Folgen haben. "Denn: Weniger gute Ideen bedeuten weniger Erfolg für Deutschland."

Die aktuelle Umfrage, die auf den Erfahrungen der Existenzgründungsberater aus den 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) beruht, weist für das Jahr 2015 nur noch 205.630 Einstiegsgespräche und Gründungsberatungen aus. Das bedeutet ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und den vierten Negativrekord in Folge. Seit 2004 hat sich das Gründungsinteresse praktisch halbiert.

Gründungsinteresse sinkt aufgrund der guten Konjunktur
Das nachlassende Gründungssinteresse ist Spiegelbild der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Damit bestätigt sich das traditionelle Muster: In Deutschland gibt Erwerbslosigkeit öfter als in anderen Ländern den Ausschlag zu der Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen. Gleichzeitig führt der zunehmende Fachkräftemangel zu nachlassender Gründungsdynamik. Viele gut qualifizierte Personen wählen anstatt der unternehmerischen Selbstständigkeit ein gut dotiertes Angestelltenverhältnis. Diese Vorsicht zieht sich durch viele Beratungsgespräche der IHKs mit Gründerinnen und Gründern.

"Vor zwölf Jahren haben sich noch doppelt so viele Gründungsinteressierte an die IHKs gewandt", so Schweitzer. "Diese Entwicklung beunruhigt mich, zumal viele neue Selbstständige schlecht vorbereitet an die Sache herangehen. Die Gefahr des Scheiterns ist damit groß."

Qualität der Gründungsvorbereitung lässt wieder nach
Nicht nur die Anzahl, auch die Qualität der vorgelegten Geschäftskonzepte lässt nach. Im Jahr 2015 haben sich weniger als zwei Drittel der Gründer genügend Gedanken zum Kundennutzen ihrer Idee gemacht. Seit 2013 geht die Zahl der Gründungsinteressenten mit gut vorbereiteten Geschäftskonzepten zurück, während die Zahl der schlecht vorbereiteten Interessenten seitdem sogar steigt. Über ein Viertel können ihre Produktideen nicht klar beschreiben, ebenfalls mehr als in den vergangenen beiden Jahren.

"Neues unternehmerisches Potenzial konnten wir in Deutschland in den letzten Jahren kaum erschließen", bedauerte der DIHK-Präsident. "Das Segment der vielversprechenden wissensintensiven Start-ups ist zu klein, als dass hieraus eine Trendwende auf breiter Front entstehen könnte."

Kaum neues unternehmerisches Potenzial erschlossen
Die Anzahl derjenigen, die vornehmlich aus unternehmerischem Antrieb ein Unternehmen gründen wollen, ist seit 2003 zumindest nur leicht gesunken – darauf deuten die IHK-Erfahrungen hin. Zusätzliches unternehmerisches Potenzial konnte in den letzten Jahren somit allerdings nicht erschlossen werden. Für den Rückgang der Gründungsinteressenten sorgt die sinkende Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Gründungen nimmt auf den harten Kern der vornehmlich unternehmerisch Motivierten ab. Bedenklich stimmt, dass sich der Trend zur besseren Vorbereitung nicht hält, den man in diesem Zusammenhang eigentlich erwarten würde. Auch die IHK-Stellungnahmen werden weniger. Um neun Prozent sank die Zahl der Stellungnahmen für Anträge auf mit 10.858 Gründungsförderung. Mit 57 Prozent bilden Anträge arbeitsloser Gründer weiterhin den Löwenanteil.

Viele Frauen sind gründungsinteressiert
Im Jahr 2015 haben die IHKs rund 85.000 Gründungsgespräche mit Frauen geführt, das sind 42 Prozent aller Einstiegsgespräche und Gründungsberatungen. Doch viele Frauen gehen dann doch nicht den Schritt in die Selbstständigkeit. Die meisten sehen die Herausforderung, Familie und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren, als wichtige Motivation für die Selbstständigkeit und wollen im Nebenerwerb starten. Diese Befragungsergebnisse deuten an, dass sich mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf Potenzial für Unternehmensgründungen bei Frauen heben lässt.

"Zudem kann eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Eltern helfen, Gründungsprojekte zu verwirklichen. Insbesondere bei den Frauen sehen die IHKs großes Potenzial für erfolgreiche Gründungen."

Offenbar hätten die zahlreichen politischen Kampagnen der letzten Jahre für mehr Gründergeist "kaum Früchte getragen", konstatierte Schweitzer, und er forderte: "Für den Mittelstand von morgen brauchen wir dringend eine Gründungspolitik aus einem Guss statt punktueller Werbe-Aktionen." Dazu zählten konsequenter Bürokratieabbau und ein Venture-Capital-Gesetz, das mehr jungen, wachstumsstarken Unternehmen den Zugang zu privatem Beteiligungskapital verschaffe.

Download [PDF, 18 Seiten - 424 KB]
DHIK-Gründerreport 2016