DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
Karriere-TrendsFrauenkarriere

Frauen machen seltener Karriere als Männer

Wer Karriere machen will, muss viel Zeit investieren. Denn Führungsverantwortung heißt auch, für Mitarbeiter und Kunden ständig erreichbar zu sein – häufig sind dafür Überstunden nötig. Und das geht häufig auf Kosten der Familie. Nur eine Minderheit will daher überhaupt Karriere machen. Chefs in Teilzeit sind immer noch selten.

Eine Frau hält ihre Hände in die Manteltaschen und steht an einer Hauswand.

Frauen machen seltener Karriere als Männer
Köln, 19.03.2015 (iw) - Morgens halb sieben in Deutschland: Die dreijährige Lena Schmidt will trotz Minusgraden nur in ihrem Sommerkleid in den Kindergarten und der siebenjährige Mika sucht noch die Sporttasche. Frau Schmidt ist auf einer dreitägigen Fortbildung, deshalb fährt Papa die Kleinen in die Kita und zur Schule. Gut, dass es Freisprechanlagen im Auto gibt, so kann er sich schon auf der Autobahn in die Telefonkonferenz der Firma einwählen. Lena geht in die Nachmittagsbetreuung des Kindergartens, aber Mika hat keinen Platz in einer Ganztagsschule bekommen. Ein Glück, dass die Großeltern gleich nebenan wohnen. Doch seit einiger Zeit sind auch sie aus gesundheitlichen Gründen auf Hilfe angewiesen. Solche großen und kleinen Probleme gehören für die meisten Paare zum Alltag – jedenfalls möchten sie deshalb nicht auf ihren Beruf verzichten. Für sie heißt es daher, Beruf und Familie miteinander zu verzahnen.

Viele Unternehmen in Deutschland gehen diesen Weg mit und setzen vor allem auf flexible Arbeitszeiten. Damit kommen sie den Bedürfnissen jener Beschäftigten entgegen, die Zeit mit der Familie verbringen wollen, Kinder und Angehörige pflegen müssen oder einfach mehr Freizeit haben möchten. Dass sich das Arbeits- und das Privatleben sehr wohl in Einklang bringen lassen, zeigt auch der bemerkenswerte Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit: Zwischen 1992 und 2012 ist die Quote der erwerbstätigen Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren von 56 Prozent auf 68 Prozent gestiegen. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind oft Kompromisse nötig. Frauen stecken häufig beruflich zugunsten der Familie zurück: Knapp jede zweite arbeitet nicht Vollzeit, in Führungspositionen sind sie weiterhin unterrepräsentiert.

Hat also die Karriere für Frauen einen anderen Stellenwert als für Männer? Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die auf einer Befragung von Erwerbstätigen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sowie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) basiert, lässt das vermuten. Demnach möchte nur jede dritte Frau Karriere machen – aber fast jeder zweite Mann. Dabei räumen Jüngere ihrem beruflichen Aufstieg einen deutlich höheren Stellenwert ein als Ältere: Von den unter 30-Jährigen streben bei den Frauen 67 Prozent und bei den Männern 80 Prozent einen Chefsessel an – jeweils gut 20 Prozentpunkte mehr als bei den 31- bis 40-Jährigen. Eine mögliche Erklärung hierfür liegt in dem, was die Deutschen über alles schätzen: die Zeit mit ihrer Familie. So wünschen sich mehr als neun von zehn Angestellten und Arbeitern genügend Zeit für Angehörige, die Kinder und den Partner.

Beruf und Familie stehen allerdings in zeitlicher Konkurrenz zueinander – vor allem im Alter zwischen 30 und 40, wenn die Gründung einer Familie ansteht. Viele Erwerbstätige – nach wie vor besonders Frauen – reduzieren daher zugunsten der Familie ihre Wochenarbeitszeit und pausieren auch länger. Damit stellen sie ihre beruflichen Ambitionen bewusst in dem Wissen zurück, dass von Führungskräften meist ein hohes zeitliches Engagement gefordert wird. Es geht dabei weniger um Präsenzzeiten im Büro als vielmehr um die Bereitschaft, in wichtigen Projektphasen mehr zu arbeiten und für Mitarbeiter und Kunden erreichbar zu sein. Chefs in Teilzeit sind immer noch selten. Gerade die phasenweise hohe zeitliche Beanspruchung macht familienorientierten Beschäftigten aber Probleme. Betreuungsangebote von Schulen und Kindergärten bieten ihnen oft nicht die nötige Flexibilität, wenn zum Beispiel das Meeting einmal länger dauert. Bereits für den Führungskräftenachwuchs spielt das zeitliche Engagement neben den erforderlichen Qualifikationen eine wichtige Rolle. Karriereorientierte Beschäftigte sind bereit, mehr in ihren Job zu investieren, um sich für anstehende Beförderungen durch gute Leistung im Job zu empfehlen. Sie arbeiten daher meistens in Vollzeit, halten die Familienpausen kurz und machen mehr Überstunden als ihre Kollegen ohne Karriereambitionen.

Beschäftigte, denen ihre berufliche Karriere (sehr) wichtig ist, bekleiden auch häufiger eine Führungsposition: Während 33 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer mit Karriereambitionen einen oder mehrere Mitarbeiter führen, haben unter allen Beschäftigten nur 26 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer eine Position mit Führungsverantwortung. Der Verzicht auf die Karriere wird von den Beschäftigten nicht zwingend als Nachteil empfunden: Neun von zehn Frauen sind sowohl mit als auch ohne Karriereambitionen mit ihrem Job zufrieden – Gleiches gilt für die Männer. Was im Job wichtig ist, beurteilen Beschäftigte sehr unterschiedlich. Während karriereorientierte Beschäftigte ein hohes Einkommen und die disziplinarische Führungsverantwortung schätzen, legen familienorientierte Beschäftigte großen Wert auf eine gewisse Selbstbestimmung bei der zeitlichen Gestaltung ihrer Arbeitszeiten. Fehlt der Karrierewunsch, ist weniger der berufliche Status einer Führungsposition relevant als vielmehr die Möglichkeit, sich fachlich einzubringen.

Der zeitliche Konflikt zwischen Familie und Karriere lässt sich nicht auflösen. Der Wunsch, beides zu verbinden, kann jedoch von der Politik und den Unternehmen durch Betreuungsangebote und flexible Arbeitszeiten unterstützt werden. Dadurch lässt sich der Anteil weiblicher Führungskräfte sicherlich steigern. Letztlich trifft aber jede und jeder einzelne Beschäftigte die Entscheidung für sich, ob sie oder er das (zeitliche) Engagement für die Karriere aufbringen möchte.

Download IW-Trends 1/2015 [PDF, 17 Seiten - 1,4 MB]
Beschäftigte zwischen Karriereambitionen und Familienorientierung

Im Forum zu Frauenkarriere

1 Kommentare

Erfolgsbeteiligung für Doktoranden in der Automobilbranche?

WiWi Gast

Hallo zusammen, mich würde gerne interessieren, ob die Leute, die bei einem Automobilbauer eine Industriepromotion durchführen, auch eine Mitarbeitererfolgsbeteiligung oder Weihnachtsgeld erhalten: ...

1 Kommentare

StB/WP-Assi y3+

WiWi Gast

Moin, bei mir geht so langsam die dritte und hoffentlich letzte Prüfungssaison los. Ich muss zugeben, dass mir die Prüfungstätigkeit Spaß macht. Einen Einstieg in der WP-Branche würde ich immer wied ...

2 Kommentare

Awg Kündigungsfrist

Yogamitglied

Hallo, bin seit 5 Jahren bei awg. Jetzt möchte ich kündigen. Weiß jemand wie die Kündigungsfrist ist? 4 Wochen zum Monatsende oder bis zum 15 des Monats? Im Vertrag steht nichts konkretes. Danke.

2 Kommentare

Re: Schlechte Stimmung im Banking

WiWi Gast

Hallo Leute, nach etwas über einem Jahr in der Bank fällt mir immer häufiger auf, wie schlecht die Stimmung vor allem unter den "alten Hasen" ist, von wegen die besten Jahre seien vorbei und so. Vie ...

4 Kommentare

Zukunft Big4 Financial Services

WiWi Gast

Die Abschlussprüferrotation bringt bei den Big4 auch die Financial Services Bereiche in Bewegung. Wer kann eurer Meinung nach am meisten hiervon profitieren und wird künftig hinsichtlich der Reputatio ...

5 Kommentare

Highpo-Kollege

WiWi Gast

Hi bin in T3 UB seit 4 Wochen auf einem neuen Projekt. Mein Kollege (gleiche Stufe) ist etwas länger auf dem Projekt und der totale Überflieger, hat alles total im Griff und macht quasi fast alles ...

32 Kommentare

Re: IB - Die dunkle Seite?

WiWi Gast

Auszug aus Quora, eine Antwort von dem ex-vp von Morgan Stanley: "The most frustrating thing about being an investment banker is that you know you’re smart, you know you’re at the prime of your life, ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Frauenkarriere

Vater, Kind,

Karriere hängt von Bildung und Einkommen der Eltern ab

Gleiche Bildungs- und Karrierechancen sind ein heißes Thema. Die Bildung und das Einkommen der Eltern prägen die Persönlichkeitsentwicklung und entscheidende Eigenschaften für die spätere Laufbahn ihrer Kinder. Dazu zählen Zeit- und Risikopräferenzen ebenso wie Altruismus und Intelligenz. Ungeduld, Risikofreude und Egoismus behindern den Bildungserfolg, wie Bonner Ökonomen in einer Studie erneut feststellten.

Weiteres zum Thema Karriere-Trends

Eine junge Frau hält lachend ein pinkes Plakat in die Höhe auf dem mit weißer Schrift steht: nice legs.

Job-Zufriedenheit: Emotionale Stabilität fördert Erfolg und Zufriedenheit

Neben Gehalt, Ausbildung und Tätigkeit ist ein relevanter Erfolgsfaktor auch die Persönlichkeit von Arbeitnehmern. Menschen, die emotional stabil und belastbar sind, sind zufriedener im Job. Unklar bleibt, ob der Job den Charakter beeinflusst oder manche Menschen wegen ihrem Charakter über eine höhere Zufriedenheit im Job berichten. Zu diesen Ergebnisse kommt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

Student von hinten beim Lernen.

Karriere-Marathon: Millennials erwarten lebenslanges Lernen und Arbeiten

Mehr als ein Drittel der Berufstätigen werden im Jahr 2020 Millennials ausmachen. Weil 77 Prozent der Generation Y auch nach dem 65. Lebensjahr glauben noch berufstätig zu sein, erwarten sie von ihren zukünftigen Arbeitgebern mehr als ein attraktives Gehalt: Eine gute Arbeitsatmosphäre, sinnstiftende Arbeit und sicherer Arbeitsplatz sind wichtige Faktoren für Millennials bei der Arbeitgeberwahl. Weiterhin sollen Arbeitgeber Fort- und Weiterbildungen ermöglichen. Das zeigt eine neue Studie der Manpower Group.

Cartoon zeigt einen Personaler mit einer Bewerbungsmappe in der Hand auf dem Weg in sein Büro.

Berufliche Fortbildungen steigern Karriere- und Gehaltschancen

Wer Karriere machen will, muss nicht unbedingt studieren. Meister oder Techniker können genauso gut verdienen wie Akademiker. Wichtiger als der Abschluss sind Fachrichtung, Beruf und Branche. Bei kaufmännischen Fortbildungsabsolventen und wirtschaftswissenschaftlichen Akademikern sind die Gehaltsunterschiede beispielsweise gering. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Beliebtes zum Thema Karriere

Ein schwarzer Kompass mit einem weißen Zifferblatt und grünen Richtungsanzeigern.

Moderne Managementtechniken sichern Unternehmenserfolg

Die aktuellen Managementtechniken sind meist langfristige Wachstumsstrategien. In Deutschland sind Kundenmanagement, Outsourcing und Benchmarking die meistgenutzten Managementinstrumente. Neue Werkzeuge wie Big-Data-Analyse oder die digitale Transformation werden von deutschen Managern seltener als in anderen Ländern eingesetzt. Eine wachsende Komplexität, Cyber-Attacken und die abnehmende Kundenloyalität sind weltweit große Herausforderungen.

Frau, Boss, Chefin, Führungskraft, Managerinnen,

Führungskräfte-Monitor 2017: Mehr Managerinnen jedoch mit Gehaltsnachteil

Der Frauenanteil unter den Führungskräften ist in den Jahren von 1995 bis 2015 um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 30 Prozent gestiegen. Aktuell nimmt der Frauenanteil bei den Führungskräften allerdings nur noch langsam zu. Der Gehaltsnachteil von Managerinnen beträgt durchschnittlich 23 Prozent, so der „Führungskräfte-Monitor 2017“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

New-York, Freiheitsstatur,

CEO Challenge 2017: Die Sorgen der Chefs

Die unsichere politische Lage rund um den Globus ist aus Sicht deutscher Unternehmen derzeit die größte Herausforderung. Das geht aus einer gemeinsamen Umfrage von IW Consult und The Conference Board hervor. Sorgen vor einer globalen Rezession sind bei hiesigen Managern dagegen weniger verbreitet als in anderen Ländern.

Eltern mit zwei Kindern auf den Schultern am Strand. Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Mehr Müttern und Vätern gelingt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Voraussetzungen für erwerbstätige Mütter haben sich in Deutschland verbessert. Aus der OECD-Studie „Dare to Share“ zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf geht hervor: 70 Prozent der Mütter sind erwerbstätig, davon arbeiteten mit 39 Prozent überdurchschnittlich viele Mütter in Deutschland in Teilzeit. Die hohe Teilzeitquote bei Müttern zeigt jedoch, dass eine wirklich ausgeglichene Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit innerhalb von Familien noch nicht die Regel ist.

Markus Thomas Münter

Professor des Jahres 2016: Volkswirt Markus Thomas Münter siegt in Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Markus Thomas Münter von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gewinnt im Rennen um den Titel "Professor des Jahres 2016" in den Wirtschaftswissenschaften. Auf den 2. Platz wurde Prof. Dr. Marcus Labbé von der Hochschule Augsburg gewählt. Platz drei belegt die Professorin für Allgemeine Betriebswirtschafslehre Michaela Hönig von der Hochschule Frankfurt.

Feedback +/-

Feedback