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Studie: Absolventen-Jahrgang 2005 hoch qualifiziert und gefragt

Das HIS-Institut für Hochschulforschung beobachtet seit fast einem Vierteljahrhundert die Werdegänge von Absolvent(inn)en deutscher Hochschulen über die entscheidenden ersten Jahre nach dem Studienabschluss hinweg. Nun liegen die Ergebnisse zu den beruflichen Entwicklungen des Absolventjahrgangs 2005 für die ersten fünf Jahre nach dem Studienabschluss vor.

Eine Hochzeitstorte.

Studie: Absolventen-Jahrgang 2005 hoch qualifiziert und gefragt
Angesichts der Meldungen über die prekäre Situation vieler junger Akademiker(innen) in einigen unserer Nachbarländer – z. B. Italien, Frankreich, Spanien oder Portugal – stellen sich Fragen: Wie ist es um die Beschäftigungschancen des Akademikernachwuchses in Deutschland bestellt? Gibt es auch hier Anzeichen für eine „Prekarisierung“?

Das HIS-Institut für Hochschulforschung (HIS-HF) beobachtet seit fast einem Vierteljahrhundert die Werdegänge von Absolvent(inn)en deutscher Hochschulen über die entscheidenden ersten Jahre nach dem Studienabschluss hinweg. Nun stellt HIS-HF Ergebnisse zu den beruflichen Entwicklungen von Absolvent(inn)en des Jahrgangs 2005 für die ersten fünf Jahre nach dem Studienabschluss vor.

Beschäftigungsentwicklung trotzt den wirtschaftlichen Wechselbädern
Die mit knapp 183.722 Hochschulabsolvent(inn)en recht große Zahl an jungen Akademiker(inne)n des Jahrgangs 2005 stieß am Ende des Studiums zunächst auf eine mehrjährige wirtschaftliche Schwächephase. In den Folgejahren verbesserte sich die Lage deutlich, bis sich mit dem Eintreten der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 erneut Probleme andeuteten. Die Wiederholungsbefragung der Absolvent(inn)en fand Ende 2010/Anfang 2011 statt – somit zu einem Zeitpunkt, an dem die Wirtschaft begann, sich zu erholen.

Fünf Jahre nach dem Studienabschluss hat sich die anfangs vielfach noch unsichere berufliche Situation für die meisten Absolvent(inn)en deutlich stabilisiert. Der überwiegende Teil ist berufstätig. Nicht zuletzt aufgrund noch laufender akademischer Weiterqualifizierungen ist der Anteil Erwerbstätiger unter den Universitätsabsolvent(inn)en mit 86 Prozent etwas geringer als unter Fachhochschulabsolvent(inn)en (90 %); zehn Prozent der Universitätsabsolvent(inn)en befinden sich noch in einer Promotionsphase. Kurzfristige Beschäftigungen, Praktika, Referendariate, Berufsausbildungen oder Arbeitslosigkeit werden fünf Jahre nach dem Ende des Studiums nur noch in geringem Umfang berichtet. „Wenn Hochschulabsolvent(inn)en zu diesem Zeitpunkt nicht erwerbstätig sind, dann liegt das hauptsächlich an Erziehungszeiten“, so Projektleiter Kolja Briedis. 84 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer, die nicht erwerbstätig sind, befinden sich in Eltern- bzw. Erziehungszeiten. Gut ein Viertel der nichterwerbstätigen Männer (28 %) aber nur jede zehnte erwerbslose Frau begründet ihre Nichterwerbstätigkeit mit dem Ende eines befristeten Beschäftigungsverhältnisses.

Die Einkommen variieren stark
Beim Berufsstart musste sich der Jahrgang 2005 im Durchschnitt mit geringeren Einkommen zufriedengeben als die Absolvent(inn)en des besonders gut gestarteten Jahrgangs 2001, der zuletzt befragt worden war. Im weiteren Berufsverlauf entwickelten sich die Einkommen jedoch positiv. Die Bruttojahreseinkommen aller Fachhochschulabsolvent(inn)en liegen fünf Jahre nach dem Studienabschluss ebenso wie die aller Universitätsabsolvent(inn)en bei etwa 43.000 Euro; Vollzeitbeschäftigte verdienen etwa 46.000 Euro. Die Einkommen variieren jedoch stark zwischen den Fachrichtungen und auch den Hochschularten. Wie bereits in den Jahrgängen zuvor sind die Wirtschaftsingenieur(inn)e(n) von Universitäten die Topverdiener (Vollzeit 62.800 Euro). Auch die Absolvent(inn)en (anderer) technischer Fachrichtungen werden überdurchschnittlich hoch entlohnt. Bei vergleichbaren Studienrichtungen verdienen Universitätsabsolvent(inn)en mehr als Absolvent(inn)en der Fachhochschulen. Vollzeitbeschäftigte Fachhochschulabsolvent(inn)en der Fachrichtungen Architektur/Raumplanung (37.300 Euro) und Sozialwesen (33.400 Euro) verdienen am wenigsten. Unter den vollzeitbeschäftigten Universitätsabsolvent(inn)en erzielen Personen der Fachrichtungen Pädagogik (34.300 Euro) und die Absolvent(inn)en aus Magisterstudiengängen (37.400 Euro) unterdurchschnittliche Einkommen.

Unbefristete Arbeitsverträge sind der Normalfall
Auch die Arbeitsverhältnisse unterscheiden sich je nach der studierten Fachrichtung stark. Gemeinsam ist allen, dass jungen Akademiker(inne)n des Jahrgangs 2005 beim Berufsstart deutlich häufiger als früheren Jahrgängen zunächst befristete Arbeitsverträge ausgestellt wurden. Fünf Jahre nach Studienabschluss konnten sie diesen Rückstand jedoch aufholen. Mit 72 Prozent der Fachhochschulabsolvent(inn)en und 54 Prozent der Universitätsabsolvent(inn)en des Jahrgangs 2005 befinden sich nun ähnlich hohe Anteile von Personen in einem unbefristeten Vollzeitbeschäftigungsverhältnis wie beim Jahrgang 2001. In den technischen Fachrichtungen sind so genannte Normalarbeitsverhältnisse (unbefristet und Vollzeit) am weitesten verbreitet. In anderen Fachrichtungen spielen Befristungen vor allem im Zusammenhang mit Promotionsstellen oder weiteren beruflichen Qualifizierungsphasen (wie z. B. Facharztausbildungen) eine größere Rolle. „Mit zunehmender Dauer in der Erwerbstätigkeit stabilisieren sich die Beschäftigungsverhältnisse, die vertragliche Unsicherheit ist weitgehend ein Phänomen der allerersten Berufsjahre“, erläutert Briedis dazu.

Die Zufriedenheit im Beruf ist hoch
Die berufliche Zufriedenheit der Absolvent(inn)en des Jahrgangs 2005 ist hoch, besonders mit der inhaltlichen Ausgestaltung der Arbeit und den Arbeitsbedingungen: Jeweils acht von zehn Befragten äußern hohe Zufriedenheit mit den Tätigkeitsinhalten und dem Arbeitsklima. Erträge und Perspektiven der Beschäftigung, wie die erreichte berufliche Position, die Beschäftigungssicherheit oder die Qualifikationsangemessenheit der Arbeit, veranlassen zwei Drittel der Absolvent(inn)en zu positiven Einschätzungen ihrer beruflichen Situation. Die Bewertungen der Einkommen sind geteilt; nur rund die Hälfte der Befragten äußert sich eher zufrieden. Ähnlich gespalten werden die zeitlichen Rahmenbedingungen der Arbeit (wie der Raum für Privatleben oder die Länge der Arbeitszeit) bewertet.

Bachelorabsolvent(inn)en streben nach Höherem
Die berufliche Situation von Bachelorabsolvent(inn)en unterscheidet sich fünf Jahre nach dem Erstabschluss in vielen Teilaspekten deutlich von der Situation der Absolvent(inn)en mit einem traditionellen Studienabschluss. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Folgebiographien. Der überwiegende Teil der Bachelors nimmt ein weiteres Studium auf: Etwa die Hälfte der Bachelors von Fachhochschulen und (je nach Fachrichtung) zwischen 70 bis 90 Prozent derer, die ihren Bachelorabschluss an Universitäten erlangt haben, studieren (im Regelfall im Masterstudium) weiter. Folglich startet ein großer Teil der Bachelors des Jahrgangs 2005 erst mit einiger Verzögerung in das Berufsleben. Fünf Jahre nach ihrem ersten Abschluss sind sie daher zumeist beruflich noch nicht so gut etabliert wie Absolvent(innen) mit traditionellen Abschlüssen. Dennoch sind zu diesem Zeitpunkt 80 Prozent der Bachelors (Uni) bzw. 90 Prozent (FH) regulär erwerbstätig; Arbeitslosigkeit unter ihnen ist zu diesem Zeitpunkt mit zwei Prozent verschwindend gering. Auch bei den Bachelors des Jahrgangs 2005 sind mittlerweile begonnene Promotionen ein wichtiger Grund, noch nicht erwerbstätig zu sein. Der Anteil unbefristet Beschäftigter unter Bachelors entspricht ungefähr dem bei Absolvent(inn)en anderer Abschlüsse; allerdings sind ihre Einkommen geringer. So verdienen vollzeitbeschäftigte Informatiker(innen) mit Bachelorabschluss jährlich etwa 6.000 Euro (brutto) weniger als die entsprechenden Absolvent(inn)en mit traditionellem Diplomabschluss. Die berufliche Zufriedenheit der Bachelors ist in vielen Aspekten ähnlich hoch wie die der Absolvent(inn)en mit traditionellem Abschluss.

Somit stellt sich die Situation für Hochschulabsolvent(inn)en fünf Jahre nach dem Examen mehrheitlich positiv dar. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten ist es den Absolvent(inn)en gelungen, sich erfolgreich zu etablieren und sogar den gegenüber den zuvor befragten Jahrgängen schlechteren Berufsstart durch eine positive Entwicklung in den Folgejahren zu kompensieren. „Ein schwieriger Berufsstart bedeutet für Hochschulabsolventinnen und -absolventen noch lange nicht, dass der weitere Werdegang damit auch zum Problem wird“, fasst Kolja Briedis die Ergebnisse der Studie zusammen.

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Studie »Hochqualifiziert und gefragt« (HIS:Forum Hochschule 14|2012)

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