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Kinderlosigkeit von Akademikerinnen überbewertet

Die in der Öffentlichkeit diskutierte Zahl, nach der über 40 Prozent der Akademikerinnen in Deutschland kinderlos seien, ist nicht haltbar. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin auf der Grundlage des »Sozio-oekonomisches Panels«.

Ein Oldtimer Kinderrennauto in blau.

Kinderlosigkeit von Akademikerinnen überbewertet
Berlin, 29.05.2006 (diw) - Der Anteil von dauerhaft kinderlosen Akademikerinnen liegt in Deutschland bei unter 30 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 21/2006 auf der Grundlage aktueller Daten seiner zusammen mit Infratest Sozialforschung erhobenen Längsschnittstudie »Sozio-oekonomisches Panel« (SOEP). Die in der Öffentlichkeit vielfach diskutierte Zahl, nach der über 40 Prozent der Akademikerinnen in Deutschland kinderlos seien, ist nicht haltbar. Ein relativ hoher Anteil kinderloser Akademikerinnen ist überdies kein Novum, sondern kann seit Jahrzehnten beobachtet werden.
     
Die Fokussierung der aktuellen Diskussion um »Kinderlosigkeit« auf die Gruppe der Akademikerinnen verdeckt zudem das quantitativ gewichtigere demografische Problem, dass inzwischen insgesamt über 20 Prozent aller Frauen in Deutschland kinderlos bleiben. Familienpolitik darf sich deshalb keineswegs nur auf die Akademikerinnen konzentrieren. Andererseits besteht kein Grund, Schreckensszenarien einer »kinderlosen Gesellschaft« zu zeichnen. Fast 80 Prozent der Erwachsenen haben zumindest ein Kind oder Enkelkind oder werden im Laufe ihres Lebens ein Kind großziehen.

Bei Frauen mit Universitätsabschluss ist der Anteil der Kinderlosen deutlich höher als bei Frauen mit Fachhochschulabschluss, die in Westdeutschland zu 20 Prozent kinderlos bleiben. Den höchsten Anteil an dauerhafter Kinderlosigkeit weisen Universitätsabsolventinnen mit westdeutschem Lebenslauf auf, die zu etwa 35 Prozent kinderlos sind. Frauen mit Migrationshintergrund, die ihren akademischen Abschluss im Ausland erworben haben, und Frauen, die ihren Hochschulabschluss vor 1990 in der DDR erworben haben, bleiben mit weniger als 10 Prozent wesentlich seltener kinderlos.

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