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Wirtschafts-News McKinsey & Company

Karrierekiller Teilzeit: Hohe Führungspositionen meist Männern vorbehalten

Die Aufstiegschancen sind für Männer in Deutschland weiterhin deutlich besser. Obwohl fast die Hälfte der abhängig Beschäftigten Frauen sind, beträgt ihr Anteil in hohen Führungspositionen nur 31 Prozent. Der Gender Leadership Gap variiert jedoch nach Branchen stark. Fast gleichwertige Karrierechancen haben Frauen im Bereich Information und Kommunikation. Die Finanzbranche bietet dagegen zwar viele hohe Führungspositionen – davon profitieren allerdings überwiegend Männer. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Karrierekiller Teilzeit: Hohe Führungspositionen meist Männern vorbehalten
Berlin, 16.09.2016 (diw) - Frauen haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf eine hohe Führungsposition als Männer, im Geschlechtervergleich lagen sie im Finanzsektor am meisten zurück. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 2001 bis 2014. Obwohl es in der Finanzbranche vergleichsweise viele hohe Führungspositionen gibt, profitierten hiervon hauptsächlich Männer.

Eine der größten Karrierehemmnisse für Frauen ist Forschungsdirektorin Elke Holst zufolge die Teilzeitarbeit. „Unternehmen präferieren nach wie vor Vollzeitkräfte in Führungspositionen“, so Holst und führt fort, „wenn flexible Arbeitszeitmodelle in der Rushhour des Lebens nicht als Karrierekiller enden sollen, ist ein Umdenken notwendig“.

Frauenanteil an abhängig Beschäftigten und hohen Führungskräften, sowie Gender Leadership Gap nach Branchen

Der Gender Leadership Gap nach Branchen
Für die Studie wurden hohe Führungskräfte entsprechend der Internationalen Standardklassifikation der Berufe untersucht (ISCO-88, Hauptgruppe 1). Holst und ihr Ko-Autor Martin Friedrich berechneten zunächst den Gender Leadership Gap, also die Differenz zwischen dem Anteil der berufstätigen Frauen an den Gesamtbeschäftigten und an den hohen Führungspositionen, wie etwa GeschäftsleiterInnen, ProduktionsleiterInnen oder PersonalmanagerInnen. Deutschlandweit lag der Gap im Untersuchungszeitraum bei durchschnittlich 17 Prozentpunkten: Obwohl 48 Prozent der abhängig Beschäftigten Frauen waren, lag ihr Anteil an hohen Führungspositionen durchschnittlich nur bei 31 Prozent. Zwischen den verschiedenen Branchen variiert der Gap erheblich. Vergleichsweise niedrig lag er mit zehn Prozentpunkten in den Sektoren Information und Kommunikation, am höchsten war er mit 31 Prozent in der Finanzbranche und in den unter Öffentliche Verwaltung u.a. zusammengefassten Bereichen. In der Finanzbranche war rund die Hälfte aller Beschäftigten weiblich, der Frauenanteil in den hohen Führungspositionen lag bei 19 Prozent. In der Öffentlichen Verwaltung stellten Frauen mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, aber nur etwas mehr als ein Drittel der hohen Führungskräfte.

Von den vergleichsweise vielen hohen Führungspositionen im Finanzsektor profitieren vor allem Männer
Unter Berücksichtigung der für eine Karriere bedeutsamen Einflussfaktoren - wie etwa Bildung, Berufserfahrung und andere Größen – stellte sich heraus, dass Frauen in der Finanzbranche mit knapp vier Prozent im Beobachtungszeitraum eine im Branchenvergleich eher mittelmäßige Wahrscheinlichkeit hatten, in einer hohen Führungsposition zu sein. Für die Männer war sie mit knapp zwölf Prozent dreimal so hoch. Im Branchenvergleich sind damit im Finanzsektor die größten Nachteile von Frauen gegenüber Männern zu finden. Die höchste Wahrscheinlichkeit,  dass Frauen eine hohe Führungsposition einnehmen, hatten sie im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei (6,4 Prozent). Keine statistisch signifikanten Nachteile gegenüber Männern fanden sich im Baugewerbe und in der Branche Information und Kommunikation.

Was hemmt die Karriere – Kinder oder Teilzeit?
Die AutorInnen prüften zudem auch den Einfluss ausgewählter Merkmale auf die Chance von Frauen, eine hohe Führungsposition einzunehmen. Auf einen ersten Blick scheinen Kinder die Karrierechancen deutlich zu schmälern. Betrachtet man nur diese Größe, so ergibt sich ein negativer Zusammenhang: Frauen in hohen Führungspositionen hatten seltener Kinder als ihre männlichen Kollegen. Wird jedoch auch der Erwerbsumfang der Frauen hinzugenommen, tritt der Einfluss der Kinder in den Hintergrund und wird statistisch insignifikant

„Es zeigt sich, dass vor allem die Vollzeiterwerbstätigkeit den Karrierechancen der Frauen hilft “, erläutert Holst. Die Politik sollte deshalb weiter an der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten. Unternehmen sollten bestehende Praktiken und Organisationsprozesse überprüfen und Hemmnisse für den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen überwinden. „Der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen ist eine der wichtigsten Ursachen für die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern. Mehr Frauen in hohen Führungspositionen, und damit auch mit hohen Einkommen, dürften zu einem Abschmelzen des Gender Pay Gap beitragen.“

Frauen in Führungspositionen sind seltener verheiratet und häufiger kinderlos als Männer
Frauen, die Karriere machen und in hohen Führungspositionen lebten häufiger in nichtehelichen Partnerschaften und ohne Kinder im Haushalt als andere beschäftigte Frauen. Dieser Strukturunterschied dürfte mit den beruflichen Erwartungen an hohe Führungskräfte zusammenhängen, die nach wie vor an den Lebenswirklichkeiten von Männern orientiert sind. Die tradierte Aufgabenteilung im Haushalt sorgt in vielen Fällen nach wie vor dafür, dass sich Männer ganz ihrem Beruf widmen können.

Diese Möglichkeit der Verfügbarkeit und zeitlichen Flexibilität wird in Betrieben sehr geschätzt und meist vorausgesetzt, wenn es um hohe Führungsposition geht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt in hohen Positionen vor diesem Hintergrund als praktisch nicht realisierbar. Fast alle Männer in hohen Führungspositionen arbeiteten in Vollzeit. Sie hatten häufiger Kinder und waren deutlich öfter verheiratet als Frauen in hohen Führungspositionen.

Download Studie [PDF, 24 Seiten – 511 KB]
Frauen in hohen Führungspositionen