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Buch-Tipp: Soft Skills? - Schluss mit lustig!

Warum Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills. Von Judith Mair

Soft Skills? - Schluss mit lustig!

Verkündet von einer Heerschar von Motivationsgurus, dringen die Parolen der New Economy zusehends in alle Bereiche der modernen Arbeitswelt vor. »Schluss mit lustig«, fordert hingegen Judith Mair in ihrem gleichnamigen Buch. »Arbeit ist Arbeit und nichts anderes!« Hinter den Worthülsen wittert sie Methode: Die zunehmende Aufhebung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit diene in Wahrheit dazu, den Druck auf die Mitarbeiter zu erhöhen. Denn wenn Erholung von der Arbeit am Arbeitsplatz selbst stattfindet, gibt es weniger Gründe, zeitig nach Hause zu gehen. Letztlich schade dieses Verheizen der Mitarbeiter dem Unternehmen aber nur, statt ihm zu nützen.

In der Kölner Agentur der Autorin ticken die Uhren daher ganz anders: »Dienstbeginn ist werktags um Punkt 9 Uhr. Um 17.30 Uhr ist Dienstschluss, spätestens um 18 Uhr hat auch der Letzte das Büro verlassen«, heißt es in den Büro-Vorschriften, die für alle Mitarbeiter gelten. Die Arbeitszeiten sind verbindlich, jeder hat seinen genau abgesteckten Kompetenzbereich, Siezen ist Pflicht, niemand läuft Gefahr, nach Dienstschluss zu Hause angerufen zu werden. Zu Beginn der Woche werden die Mitarbeiter über ihr Wochenpensum informiert, sonstige Meetings gibt es nicht.

Arbeiten in Uniform
»Von unseren Mitarbeitern erwarten wir vor allem, dass sie verbindlich und zuverlässig sind und die für sie vorgesehene Arbeit gewissenhaft und mit Sorgfalt erledigen. Der Mitarbeiter weiß, was ihn erwartet, und wir wissen, was wir von ihm erwarten«, schreibt Judith Mair. Ach wie schön! Leider hat diese Rückkehr zu alten Tugenden ihren Preis: Den Mitarbeitervorschriften ist nämlich auch zu entnehmen, dass es nicht nur keine Meetings gibt, sondern auch der Gebrauch dieses und anderer Modewörter wie »Deadline« und »Briefing« verboten ist. Privatgespräche dürfen maximal fünf Minuten dauern. Gänzlich merkwürdig muten schließlich die Passagen über die Uniformpflicht bei der Arbeit an.

Science-Fiction oder Realität? Wie auch immer: Wer in einer solchen »Alphaville«-Atmosphäre arbeitet, muss wirklich spätestens um halb sechs nach Hause gehen dürfen - sonst ist seine geistige Integrität in Gefahr.

Fazit
Arbeit muss nicht immer Spaß machen, aber sie darf, wenigstens manchmal. Ob Judith Mair mit ihrem Anti-Spaß-Konzept die Mitarbeiter ihrer Agentur tatsächlich zu Höchstleistungen antreibt, darf bezweifelt werden. Trotzdem: In ihrem teils überzogenen Konzept spiegelt die Autorin teils sehr treffend, zuweilen auch witzig die Irrwege einer sich gern als innovativ gebenden »modernen Unternehmenskultur«.

Die Autorin
Judith Mair, geboren 1972, ist Gründerin und Chefin des Gestaltungs-Büros Mair u.a. in Köln.

Schluss mit lustig!
Warum Leistung und Disziplin mehr bringen
als emotionale Intelligenz, Teamgeist und Soft Skills

Von Judith Mair
Preis: 16,90 Euro
182 Seiten - Eichborn Verlag, Frankfurt (2002)
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