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McKinsey-Studie benennt Schwächen im deutschen Ausbildungssystem

Jeder vierte Arbeitgeber ist unzufrieden mit den Leistung und den Fähigkeiten von Berufsanfängern und auch nur jeder dritte Azubi würde sich noch einmal für dieselbe Ausbildung entscheiden. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey & Company.

Studie zum deutschen-Ausbildungssystem

McKinsey-Studie benennt Schwächen im deutschen Ausbildungssystem
Düsseldorf, 21.01.2014 (mck) - Das Ausbildungssystem in Deutschland hat trotz seines guten Rufs zahlreiche Defizite: Jeder vierte Arbeitgeber (26%) klagt über die mangelhafte berufliche Qualifikation des Nachwuchses. Geklagt wird insbesondere über fehlende praktische Erfahrung sowie die Fähigkeit der Auszubildenden, Probleme systematisch zu lösen. Ähnlich schlecht bewerten Arbeitgeber die Arbeitsmoral der Berufsanfänger. Unzufriedenheit hat sich auch bei den Azubis breit gemacht: Nur jeder Dritte würde sich noch einmal für die von ihm gewählte Ausbildung entscheiden. Dies sind zentrale Ergebnisse einer in Brüssel vorgestellten Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Für die Studie mit dem Titel "Education to Employment" wurden mehr als 8.500 junge Menschen, Arbeitgeber und Vertreter von Bildungseinrichtungen in acht europäischen Ländern befragt. "Unser aktuelles System der Berufsinformation und -beratung garantiert nicht, dass junge Menschen die Ausbildung wählen, die tatsächlich die beste für sie ist", erläutert McKinsey-Beraterin Solveigh Hieronimus die Umfrageergebnisse für Deutschland. Zwei Drittel (64%) aller jungen Menschen gaben an, sich falsch oder nur unzureichend informiert zu fühlen, was ihre spätere Berufswahl betrifft.

Die Einschätzungen von Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen darüber, wie gut vorbereitet die jungen Menschen ins Berufsleben starten, klaffen in Deutschland der Studie zufolge weit auseinander. Während sich 43% der befragten Arbeitgeber dazu skeptisch äußern, sind die Bildungseinrichtungen mit 83% positiver Bewertung deutlich optimistischer. "Eine Diskrepanz in der Wahrnehmung haben wir in allen untersuchten Ländern festgestellt, aber in Deutschland ist sie besonders groß", betont McKinsey-Berater Kai Holleben, der gemeinsam mit Hieronimus die Untersuchung für den deutschen Arbeitsmarkt geleitet hat. Sein Fazit: "Der Austausch zwischen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen über die Anforderungen an Berufsanfänger funktioniert nicht optimal."

Die Studie liefert auch Zahlen für einen Trend, der besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen in Deutschland problematisch ist: Nur jeder zehnte der befragten Arbeitgeber (11%) mit weniger als 50 Angestellten gab an, er habe problemlos beruflichen Nachwuchs gefunden. Bei den Betrieben mit bis zu 250 Mitarbeitern klagte ein Drittel über erhebliche Schwierigkeiten, qualifizierte Auszubildende zu finden.

Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist auch ein Angebotsproblem
"International schneidet das deutsche Ausbildungssystem trotz dieser Probleme immer noch vergleichsweise gut ab", stellt Solveigh Hieronimus fest. Grundsätzlich hätten alle europäischen Länder ähnliche Probleme. "Jugendarbeitslosigkeit ist nicht nur ein Nachfrageproblem oder konjunkturbedingt, sondern auch ein Angebotsproblem", fasst die McKinsey-Beraterin zusammen. "Die Bildungssysteme in ganz Europa – auch das deutsche – bereiten jungen Menschen nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt vor."

Um diese Situation zu verändern, hat McKinsey für die Studie über 100 Einrichtungen und Maßnahmen in 25 Ländern untersucht mit Fokus auf deren Erfolg für den jeweiligen nationalen Ausbildungsmarkt. Als entscheidend im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa nennt die McKinsey-Studie u.a. Maßnahmen, die es mehr jungen Menschen ermöglichen, ihre Ausbildung zu finanzieren, zeitlich flexibler zu gestalten oder inhaltlich zu modularisieren. Verbessert werden sollte auch der Austausch zwischen Schülern, Arbeitgebern und Ausbildungsinstitutionen untereinander. Als Plattform für die Zusammenarbeit hat sich z.B. der regionale Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit bewährt, den die Studie als vorbildliches Beispiel nennt. Er bietet institutionellen Nutzern Informationen über Berufs- und Karrierechancen in verschiedenen Regionen und Möglichkeiten der Onlinezusammenarbeit. Die McKinsey-Autoren empfehlen außerdem, dass Schüler bereits ab zwölf Jahren und grundsätzlich häufiger über Berufswege informiert werden sollten.

EU-weit empfiehlt McKinsey den Ausbau von Angeboten, um europäische Arbeitsmarkttransparenz zu schaffen. Wichtig sei hier die Kooperation zwischen den nationalen Arbeitsagenturen. Auch müsse eine europaweite Vergleichbarkeit der beruflichen Ausbildungsabschlüsse angestrebt werden, um so die Mobilität und den Austausch auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu fördern.

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Executive Summary


Methodik der Studie
McKinsey analysierte für die Studie neben Deutschland sieben weitere europäische Länder: Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Portugal, Schweden und Spanien. In jedem dieser Länder, in denen insgesamt 75% aller arbeitslosen Jugendlichen in Europa leben, wurden repräsentativ Stichproben von jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren, Arbeitgebern und Vertretern von Bildungseinrichtungen dazu befragt, wie sie die Vorbereitung auf das Berufsleben einschätzen, nach welchen Kriterien sie wichtige Entscheidungen am Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt treffen und wie sie Zukunftschancen sehen. Ziel der Untersuchung ist eine faktenbasierte vergleichende europäische Arbeitsmarktanalyse zum Thema Jugendarbeitslosigkeit, um Ansätze zur Überwindung dieses Problems zu liefern.

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3 Kommentare

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