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Bildung auf einen Blick 2016: Start ins Berufsleben funktioniert

Die aktuelle OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2016“ bestätigt: Die deutsche Erwerbslosenquote liegt in allen Bildungsbereichen unter dem OECD-Durchschnitt. Das berufliche Bildungssystem in Deutschland beweist seine Stärke durch den reibungslosen Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Der Bericht zeigt, wer einen Studienabschluss ergreift, hat einen Gehaltsvorteil von mehr als 50 Prozent. Im Ländervergleich sind in Deutschland besonders MINT-Studiengänge beliebt.

OECD-Bildungsbericht-2016 Start-ins-Berufsleben

Bildung auf einen Blick 2016: Start ins Berufsleben funktioniert
Hohe Beschäftigungsquoten und eine starke Ausrichtung auf die Bedarfe der Digitalisierung stärken den Innovationsstandort Deutschland. Der diesjährige OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2016", der von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) am 15. September 2016 gemeinsam mit der OECD in Berlin vorgestellt wurde, bescheinigt Deutschland ein zukunftsweisendes Bildungssystem.

"Der Übergang von Bildung in das Berufsleben funktioniert in Deutschland so gut wie in fast keinem anderen Land", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bei der Präsentation der Ergebnisse.

Deutscher Erwerbslosenquote liegt unter dem OECD-Durchschnitt
Die Erwerbslosenquote in Deutschland liegt in allen Bildungsbereichen unter dem OECD-Durchschnitt. Im Tertiärbereich beträgt die Quote der Erwerbslosen nur 2,3 Prozent (OECD-Durchschnitt: 4,9 Prozent.) Werden tertiär berufliche und akademische Abschlüsse zusammengefasst, dann stieg der Anteil von jungen Erwachsenen mit tertiärem Bildungsabschluss zwischen 2005 und 2015 von 22 Prozent auf 30 Prozent. Im OECD-Mittel stieg er in diesem Zeitraum aber ebenfalls von 32 Prozent auf 42 Prozent an. Auffallend niedrig ist die Erwerbslosenquote mit 4,3 Prozent insbesondere auch für Personen mit mittleren Qualifikationen, also einem Abschluss im Sekundarbereich II bzw. im postsekundaren, nicht-tertiären Bereich. Der OECD-Durchschnitt liegt hier bei 7,3 Prozent. Diese Quote hat sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland mehr als halbiert (Rückgang von 11,0 Prozent in 2005 auf 4,3 Prozent in 2015) während sie im OECD-Durchschnitt gestiegen ist (von 6,3 Prozent in 2005 auf 7,3 Prozent in 2015).

Gehaltsvorteil mit Studienabschluss bei über 50 Prozent
Dass mehr und mehr junge Menschen einen höheren beruflichen oder akademischen Abschluss anstreben ist nicht verwunderlich, angesichts des hohen Einkommensbonus, den bessere Bildung in Deutschland verspricht. Wer sich in Deutschland mit einer unter dreijährigen Ausbildung zum Handwerksmeister weiterqualifiziert, erhält im Mittel 26 Prozent mehr Gehalt als jemand mit Sekundarschulabschluss oder entsprechender dualer Berufsausbildung. Wer eine dreijährige Meister- oder Technikerausbildung absolviert oder seinen Bachelor an einer Universität oder Fachhochschule macht, dem winken über 50 Prozent Gehaltsvorteil. Beim Master oder Staatsexamen liegt der Zuschlag sogar bei fast 80 Prozent. Allerdings gibt es auch Länder, wo sich ein Studium noch deutlich mehr auszahlt, die USA etwa, mit 122 Prozent oder Ungarn mit 152 Prozent. Aber nicht alle Studienfächer versprechen den gleichen Gehaltszuschlag: Mathematik und Natur- sowie Ingenieurswissenschaften zahlen sich deutlich mehr aus als etwa Berufe in den Bereichen Gesundheit oder Bildung.

MINT-Studiengänge besonders beliebt
Der OECD-Bildungsbericht zeigt außerdem, dass die Natur- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland überdurchschnittlich beliebt sind. Der Anteil der Absolvierenden der Naturwissenschaften lag im Jahr 2014 für alle drei Bildungsabschlüsse im Tertiärbereich (Bachelor bzw. gleichwertige berufliche Programme, Master, Promotion) mit jeweils 12 Prozent, 16 Prozent und 32 Prozent über den OECD-Durchschnittswerten (9 Prozent, 8 Prozent, 27 Prozent). Auch bei den Ingenieurwissenschaften sind die deutschen Absolvierenden überdurchschnittlich stark vertreten mit 24 Prozent, 16 Prozent und 11 Prozent (OECD-Durchschnitte: 13 Prozent, 13 Prozent, 17 Prozent).

"Diese Zahlen zeigen, dass die Potenziale der Digitalisierung und Automatisierung mit diesen Qualifikationen gut genutzt werden können. Die vielen hochqualifizierten jungen Menschen sind unverzichtbar für den Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland. Zu diesen Hochqualifizierten zählen wir selbstverständlich auch die Meister und Techniker, die in der internationalen Klassifizierung im Tertiärbereich verankert sind", sagte Wanka.

Mehr als die Hälfte absolviert eine berufliche Ausbildung
Die positiven Beschäftigungsergebnisse sind eng mit den Stärken des beruflichen Bildungssystems in Deutschland verknüpft. Mehr als die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen (51 Prozent) wählt diesen Weg als Einstieg in eine qualifizierte Berufs- bzw. Erwerbstätigkeit. Dies ist der zweithöchste Wert im OECD-Vergleich (OECD-Durchschnitt: 26 Prozent). Um das duale System in Deutschland auch zukünftig so erfolgreich zu gestalten, wird es, auch im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung, verstärkt darum gehen, die berufliche Bildung auf neue Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten und Qualifizierungsmöglichkeiten noch stärker in den Blickpunkt zu rücken.

"Ich habe daher in der letzten Woche die Initiative Berufsausbildung 4.0 gestartet, mit der wir als BMBF die Digitalisierung in der Ausbildung schneller voranbringen wollen", so Wanka weiter. Das bedeute konkret, dass beispielsweise ein Industrieroboter oder 3D-Drucker schon in der Ausbildung verfügbar sein müssten. Das bedeute aber auch, dass Ausbilder und Betriebe wissen müssten, wie sie digitale Medien in der Berufsbildung einsetzen könnten. "Es geht also um Kompetenzvermittlung und frühzeitige Qualifikation", betonte die Ministerin.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, Mitglied der Kultusministerkonferenz: "Leseverständnis, Alltagsmathematik und grundlegende IT-Kenntnisse stellen heute unverzichtbare Basiskompetenzen für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe dar. Neben der Förderung der Lese- und mathematischen Kompetenzen in der Schule wollen wir deshalb deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, um die digitale Bildung zu verbessern. Zahlreiche Unterrichtsfächer bieten dafür Anknüpfungspunkte. Mit digitalen Medien im Unterricht können wir einerseits die Schülerinnnen und Schüler besser auf die Anforderungen im Studium und Beruf vorbereiten, andererseits bieten digitale Medien auch viele pädagogische Verbesserungen für guten Unterricht und gelungenes Lernen."

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung der OECD-Studie
Bildquelle: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bildungsausgaben sanken um fast 5 Prozent
Deutschland investiert nur 4.2 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in Bildungsinstitutionen, das liegt recht deutlich unter dem OECD Mittel von 4.8 Prozent. Zwischen 2010 und 2013 sank der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt erstmals um fast 5 Prozent, im Wesentlichen, weil die Wirtschaft in Deutschland stärker als die Bildungsausgaben wuchs. Insgesamt liegen die Ausgaben für Lehre und Ausbildung im tertiären Bereich heute mit 9.085 US-Dollar geringfügig unter dem OECD Mittel von 10.222 US-Dollar. Nur wenn man die in Deutschland recht hohen Forschungsaufwendungen mit einbezieht - die den Studierenden aber nicht direkt zugutekommen - so ergibt sich mit 16.895 US-Dollar ein leicht überdurchschnittlicher Betrag. Viele Staaten haben auf die größere Nachfrage nach höherwertigen Bildungsabschlüssen mit einem höheren privaten Finanzierungsanteil reagiert, dieser liegt in Deutschland mit 14 Prozent (also weniger als die Hälfte des OECD-Mittels) ganz am unteren Ende der Skala.

Bei der frühkindlichen Bildung bittet Deutschland zur Kasse
In der frühkindlichen Bildung liegt der private Finanzierungsanteil bei etwa einem Viertel und damit deutlich über dem OECD-Mittel. Das heißt, während die meisten Staaten von den gut verdienenden Bildungsgewinnern erwarten, dass sie sich an den Kosten ihres Studiums beteiligen - oft durch nachgelagerte Studiengebühren - bittet man in Deutschland die Jüngsten zur Kasse, also dort wo Nachteile aufgrund eines bildungsfernen Elternhauses am ehesten ausgeglichen werden können.

Im schulischen Bereich liegen die Ausgaben pro Schüler in der Sekundarstufe über dem OECD-Schnitt, vor allem aufgrund der hohen Kosten der dualen Ausbildung, die zu einem Großteil von der Wirtschaft getragen werden. Im Primarbereich sind die Ausgaben dagegen unterdurchschnittlich. Im schulischen Bereich macht sich auch der demographische Wandel bemerkbar: während die Ausgaben zwischen 2008 und 2013 um 3 Prozent stiegen, ging gleichzeitig die Schülerzahl zurück. Im Ergebnis stiegen die Ausgaben pro Schüler um 12 Prozent (OECD-Mittel 8 Prozent).

Nach Italien hat Deutschland die älteste Lehrerschaft
Eine Schlüsselrolle spielen in allen Bereichen die Lehrerinnen und Lehrer. Insgesamt hat sich die Altersstruktur verjüngt, im OECD-Vergleich hat Deutschland nach Italien die ältesten Lehrer und Lehrerinnen. Etwa die Hälfte im Grund- und Sekundärbereich I ist über 50 Jahre alt. Dennoch ist im Sekundarbereich der Anteil der unter 40-jährigen Lehrkräfte von 21 Prozent (2005) auf 27 Prozent (2014) gestiegen. Die in den Ländern nicht zuletzt als Reaktion auf die hohe Zuwanderung stärkere Neueinstellung von Lehrkräften wird auch zu einer weiteren Verjüngung des Lehrpersonals beitragen. Allerdings wird die Attraktivität des Lehrerberufs immer nur zum Teil durch die Bezahlung bestimmt. Viele hoch qualifizierte und motivierte Menschen suchen vor allem ein Arbeitsumfeld, das Perspektiven für Entwicklung bietet, und sich durch gute Karriereaussichten auszeichnet. Strukturen, die eine professionelle Zusammenarbeit der Lehrkräfte befördern; sowie die Etablierung einer regelmäßigen Feedbackkultur, die Lehrkräfte in ihrer pädagogischen, professionellen und persönlichen Entwicklung unterstützt. In all diesen Bereichen hat Deutschland noch viel Nachholbedarf. Die Gehaltsstruktur in Deutschland ist vergleichsweise flach, d.h. weder Qualifikation noch Leistung haben wesentlichen Einfluss auf das Gehalt, in erster Linie bekommt man in Deutschland mehr Geld, wenn man älter wird.

Rabe: "Die Länder haben in den vergangenen Monaten ihre Anstrengungen zur Deckung des Lehrkräftebedarfs erheblich gesteigert und bereits viele neue Lehrkräfte eingestellt. Um möglichst schnell die Lücken zu füllen, wurden außerdem die Möglichkeiten für den Seiteneinstieg ins Lehramt erweitert."

Integration und Chancengleichheit
Obwohl das duale System eine der traditionellen Stärken Deutschlands ist, bleibt ein erheblicher Teil junger Menschen ohne qualifizierten Abschluss. So hat sich der Anteil der Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur, in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert - er liegt bei den heute 25 bis 34-jährigen bei 13 Prozent. In vielen anderen Ländern konnte dagegen der Anteil der Geringqualifizierten in den vergangen 30 Jahren deutlich verringert werden. In Österreich von 23 Prozent auf 10 Prozent, in der Schweiz von 16 Prozent auf 8 Prozent und in Korea gar von 43 Prozent auf 2 Prozent. Der Bildungsaufstieg aus bildungsfernen Milieus gelingt in Deutschland nur schwer. So erreicht nur einer von zehn 25 bis 44-Jährigen aus bildungsfernem Mileu (beide Elternteile haben keinen Sekundar-II Abschluss) einen Tertiärabschluss. Nur in sechs Staaten ist die Mobilität geringer. Die Schule legt die entscheidende Grundlage für Chancengerechtigkeit. Auch auf die Zeit vor der Schule kommt es an. In Deutschland halbiert sich das Risiko im Alter von 15 Jahren bei PISA zur Risikogruppe zu zählen, wenn Kinder für mehr als ein Jahr an frühkindlichen Bildungsangeboten teilnahmen. Der Vorteil ist für Kinder mit Migrationshintergrund sogar noch deutlich größer. Deswegen ist es bedauerlich, dass in Deutschland diejenigen, die am meisten von guter vorschulischer Bildung profitieren könnten, davon immer noch am wenigsten bekommen.

Qualifikation von Zuwanderern
Ein weiteres wichtiges Thema betrifft den Bereich Bildung und Integration in der Zuwanderungsgesellschaft. Deshalb hat sich die Kultusministerkonferenz dies zum Schwerpunktthema 2016 gesetzt. Flüchtlinge sollen zeitnah in die Lage versetzt werden, die deutsche Sprache zu lernen, um eine Berufsausbildung oder auch ein Studium aufzunehmen und mit Erfolg abzuschließen. Dafür ist die schnelle Bewertung der mitgebrachten ausländischen Qualifikationen von besonderer Bedeutung.

"Deshalb freue ich mich besonders, dass die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) mit ihren bewährten Anerkennungsstrukturen weiter ausgebaut wurde", unterstrich Rabe. "Dadurch ist es jetzt leichter, die Qualifikationen von Zuwanderern schneller anzuerkennen und ihnen so den Einstieg in den Beruf zu erleichtern".

 

Download Studie [PDF, 10 Seiten – 402 KB]
Bildung auf einen Blick 2016 – Ländernotiz Deutschland

Download Studie[PDF, 641 Seiten – 10,8 MB]
Bildung auf einen Blick 2016

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