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Money for nothing - EZB erstmals mit Langfristtender

Börsen-Zeitung: Kommentar zum Langfristtender der EZB von Dieter Kuckelkorn

EZB-Gebäude

Money for nothing - EZB erstmals mit Langfristtender
Frankfurt, 25.06.2009 (ots) - Heute betritt die Europäische Zentralbank (EZB) Neuland. Erstmals in ihrer Geschichte wird sie ein Refinanzierungsgeschäft mit einjähriger Laufzeit durchführen. Bisher hat sie den nach Liquidität dürstenden Banken nur mit kurzfristigeren Tendern unter die Arme gegriffen. Auf den Weg gebracht wurde die Maßnahme im März und April, als die Krise ihren Höhepunkt markierte. Inzwischen hat sich die Lage jedoch deutlich beruhigt. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass der Tender im Grunde nicht mehr notwendig ist.

Für die Banken ist der Tender gleichwohl die einmalige Chance, sich bis zum Abwinken mit billiger Liquidität vollzupumpen, mit dem Kalkül, dass die Mittel eigentlich nur teurer werden können. Die EZB stellt den Banken lediglich den Leitzins in Rechnung - und der dürfte nicht weiter fallen. Es gibt also, wie die Analysten von Dresdner Kleinwort unter Bezugnahme auf den Dire-Straits-Klassiker anmerken, »money for (next to) nothing«.

Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass der Tender in einem exorbitant hohen Maß in Anspruch genommen wird. Einige Analysten halten es für durchaus plausibel, dass bis zu 1 Bill. Euro an die Kreditinstitute gehen könnten. Vermutlich wird es so schlimm aber nicht kommen, die meisten Beobachter rechnen mit einem Betrag zwischen 300 und 400 Mrd. Euro.

Sollte die Zuteilung an die Banken deutlich über dieser Summe liegen, hätte die EZB ein Problem. Sie wäre nämlich weit über das Ziel einer vernünftigen Liquiditätsausstattung der Märkte hinausgeschossen und daher gezwungen, die Liquidität wieder zu absorbieren. Dies alles dürfte tendenziell für unruhige Zeiten am Geldmarkt sorgen. Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB würden zudem kannibalisiert, die EZB müsste daher beim nächsten Jahrestender im September wohl einen Aufschlag auf den Leitzins verlangen.

Mit dem Langfristtender der EZB sind also zahlreiche Unwägbarkeiten verbunden. Nur in einer Hinsicht kann man sich ziemlich sicher sein: Die Maßnahme wird nicht zu einer Ausweitung der Kreditversorgung der Realwirtschaft durch die Banken führen. Deren begrenzender Faktor ist nämlich nicht die verfügbare Liquidität, sondern eher die Bonität der Unternehmen in der Krise und/oder die mit den Krediten verbundene Bindung des knappen Eigenkapitals.

  

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Hat jemand Literaturempfehlungen zum Thema Quantitative Easing als Instrument der Geldpolitik?

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