DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
WiedereinstiegKarrierechancen

Fachkräftepotenzial von 1,5 Millionen Müttern ungenutzt

Steuerliche Fehlanreize und die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf hindern mehr als 1,5 Millionen Mütter in Deutschland daran, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder ihre Arbeitszeit auszuweiten.

Fachkräftepotenzial von 1,5 Millionen Müttern ungenutzt
Bonn, 16.08.2011 (ots) - Steuerliche Fehlanreize und die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf hindern mehr als 1,5 Millionen Mütter in Deutschland daran, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder ihre Arbeitszeit auszuweiten. Das zeigt eine Expertise des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. Die Wissenschaftler fordern neben besseren Betreuungsangeboten und einer familienfreundlichen Personalpolitik die Abschaffung von Ehegattensplitting und Minijobs.

In kaum einem anderen Land der EU wird das Erwerbspotenzial von Frauen und Müttern schlechter genutzt als in Deutschland. Nur jede sechste deutsche Mutter mit Kindern bis 16 Jahren ist in Vollzeit erwerbstätig. Über die Hälfte der Mütter arbeitet gar nicht oder nur in geringfügiger Teilzeit. Ihr Anteil sinkt auch mit steigendem Alter des jüngsten Kindes nur unerheblich. Selbst unter Akademikerinnen liegt die Vollzeitquote bei lediglich 23 Prozent. Viele von ihnen sind in der "Teilzeitfalle" gefangen, arbeiten also weit unter ihrem Ausbildungsniveau und mit geringen beruflichen Perspektiven.

Zur Mobilisierung des brachliegenden Fachkräftepotenzials schlagen die Forscher drei zentrale Maßnahmen vor:

  1. Abbau anreizfeindlicher Steuer- und Abgabenregelungen wie Minijobs und Ehegattensplitting, die geringfügige Teilzeit und Nichterwerbstätigkeit nahe legen und den Aufstieg in längere Arbeitszeiten und qualifiziertere Tätigkeiten für Mütter unattraktiv machen.
  2. Aufbau verlässlicher und ausreichender ganztägiger Betreuungsstrukturen für alle Altersgruppen von Kindern ab dem zweiten Lebensjahr, also nach Ende des Elterngeldes.
  3. Breitere Anwendung familienfreundlicher Personalpolitik in der Praxis, insbesondere flexible Arbeitszeitmodelle, Telearbeit und betriebliche Unterstützung bei familienbezogenen Dienstleistungen. Auf diese Weise ließe sich die Erwerbstätigkeit von Müttern um rund 1,5 Millionen Vollzeitäquivalente steigern, darunter zu 80 Prozent Mütter mit Berufsausbildung oder Hochschulstudium.

"Gerade bei beruflich qualifizierten Frauen und Müttern besteht ein bei weitem nicht ausgeschöpftes Arbeitsangebot, das durchaus als arbeitsmarktnah bezeichnet werden kann. Allein durch Maßnahmen auf betrieblicher Ebene ließe sich ein Großteil dieses Potenzials auch ohne wesentliche politische Reformen kurzfristig mobilisieren", sagt IZA-Experte Werner Eichhorst. Auf Widerstand dürfte die Abschaffung von Ehegattensplitting und Minijobs stoßen. Dabei würde eine Kombination beider Reformen die öffentlichen Haushalte nach IZA-Berechnungen um 22,6 Milliarden Euro jährlich entlasten.

Download [PDF, 28 Seiten, 300 KB]
IZA-Studie: Aktivierung von Fachkräftepotenzialen: Frauen und Mütter 

Im Forum zu Karrierechancen

7 Kommentare

Welcher technische Studiengang wird in 10 Jahren die besten Chancen bieten?

WiWi Gast

In keinem der 3 wird das Wissen, dass du dir im Studium aufbaust in 10 Jahren noch ausreichend und aktuell sein. Es spielt keine Rolle. Du wirst dich immer auf dem Laufenden halten müssen und alle 3 s ...

12 Kommentare

Chancen mit dualem Studium

WiWi Gast

Unterscheiden die Beratungen bei den Fachrichtungen? Ich kann mir vorstellen, dass ein dualer aus dem Banken- oder Controlling-Bereich besser dran ist als jemand aus den Medien oder Handel.

12 Kommentare

Jobmöglichkeiten mit Management-Master ohne Target-Uni

WiWi Gast

Ich denke auch, ohne den MMM wird es faktisch unmöglich sein, einen Job zu finden. Die großen Unternehmen haben mittlerweile auch ihre Stellenanzeigen darauf angepasst, dass ein MMM gefordert wird, di ...

27 Kommentare

Welche Bereiche haben Zukunft/werden wichtiger?

WiWi Gast

Spracherkennung ist definitiv kein Zukunftstraum, sondern schon lange Realität. Ich bin immer wieder fasziniert von der Spracherkennung von Google. Echt gut. Aber sogar in den 1970er Jahren gab es sch ...

22 Kommentare

IB vs UB Gehälter Longterm?

WiWi Gast

An den Schreiberling oben, der anscheinend wenig mit UBs zu tun hat: Bewirb dich, bekomm ein Angebot und schau dir die Zahlen an - wirst sehen, dass die Gehälter alle bei 80,000 liegen.

6 Kommentare

Karriere: Ist die Uni wirklich so ausschlaggebend ?

WiWi Gast

Und wo widerspreche ich dir? Lies meinen Post nochmal genau. Target Uni ist ein Vorteil, keine Frage. Wenn der Rest passt allerdings kein unüberwindbarer Vorteil.

19 Kommentare

UB: wer praktiziert "up or out"

WiWi Gast

Was McKinsey sehr geschickt macht ist, dass die absichtlich mehr Leute einstellen als sie brauchen und dann die "underperformer" (relativ gesehen) gezielt bei Kunden unterbringen (nach man S ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Karrierechancen

Vater, Kind,

Karriere hängt von Bildung und Einkommen der Eltern ab

Gleiche Bildungs- und Karrierechancen sind ein heißes Thema. Die Bildung und das Einkommen der Eltern prägen die Persönlichkeitsentwicklung und entscheidende Eigenschaften für die spätere Laufbahn ihrer Kinder. Dazu zählen Zeit- und Risikopräferenzen ebenso wie Altruismus und Intelligenz. Ungeduld, Risikofreude und Egoismus behindern den Bildungserfolg, wie Bonner Ökonomen in einer Studie erneut feststellten.

Bachelor and More - Orientierungsmesse für Bachelorstudiengänge

5. Allensbach-Studie 2014 - Bachelor für Berufsleben nicht ausreichend

77 Prozent der Abiturienten planen zu studieren. Das Bachelor-Studium ist für die Mehrheit der Studierenden jedoch keine ausreichende Vorbereitung für den Beruf. Sechs von zehn Bachelor-Studenten wollen noch einen Master machen. Haupteinnahmequellen sind im Studium die Eltern und der Nebenjob. 72 Prozent kritisieren eine zu geringe Zahl an Studentenwohnheimplätzen.

Weiteres zum Thema Wiedereinstieg

Beliebtes zum Thema Karriere

Ein schwarzer Kompass mit einem weißen Zifferblatt und grünen Richtungsanzeigern.

Moderne Managementtechniken sichern Unternehmenserfolg

Die aktuellen Managementtechniken sind meist langfristige Wachstumsstrategien. In Deutschland sind Kundenmanagement, Outsourcing und Benchmarking die meistgenutzten Managementinstrumente. Neue Werkzeuge wie Big-Data-Analyse oder die digitale Transformation werden von deutschen Managern seltener als in anderen Ländern eingesetzt. Eine wachsende Komplexität, Cyber-Attacken und die abnehmende Kundenloyalität sind weltweit große Herausforderungen.

Frau, Boss, Chefin, Führungskraft, Managerinnen,

Führungskräfte-Monitor 2017: Mehr Managerinnen jedoch mit Gehaltsnachteil

Der Frauenanteil unter den Führungskräften ist in den Jahren von 1995 bis 2015 um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 30 Prozent gestiegen. Aktuell nimmt der Frauenanteil bei den Führungskräften allerdings nur noch langsam zu. Der Gehaltsnachteil von Managerinnen beträgt durchschnittlich 23 Prozent, so der „Führungskräfte-Monitor 2017“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

New-York, Freiheitsstatur,

CEO Challenge 2017: Die Sorgen der Chefs

Die unsichere politische Lage rund um den Globus ist aus Sicht deutscher Unternehmen derzeit die größte Herausforderung. Das geht aus einer gemeinsamen Umfrage von IW Consult und The Conference Board hervor. Sorgen vor einer globalen Rezession sind bei hiesigen Managern dagegen weniger verbreitet als in anderen Ländern.

Eltern mit zwei Kindern auf den Schultern am Strand. Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Mehr Müttern und Vätern gelingt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Voraussetzungen für erwerbstätige Mütter haben sich in Deutschland verbessert. Aus der OECD-Studie „Dare to Share“ zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf geht hervor: 70 Prozent der Mütter sind erwerbstätig, davon arbeiteten mit 39 Prozent überdurchschnittlich viele Mütter in Deutschland in Teilzeit. Die hohe Teilzeitquote bei Müttern zeigt jedoch, dass eine wirklich ausgeglichene Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit innerhalb von Familien noch nicht die Regel ist.

Markus Thomas Münter

Professor des Jahres 2016: Volkswirt Markus Thomas Münter siegt in Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Markus Thomas Münter von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gewinnt im Rennen um den Titel "Professor des Jahres 2016" in den Wirtschaftswissenschaften. Auf den 2. Platz wurde Prof. Dr. Marcus Labbé von der Hochschule Augsburg gewählt. Platz drei belegt die Professorin für Allgemeine Betriebswirtschafslehre Michaela Hönig von der Hochschule Frankfurt.

Feedback +/-

Feedback