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Deutsche Wirtschaft wächst 2011 um 4,0 Prozent

Die deutsche Wirtschaft erlebt in diesem Jahr einen kräftigen Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legt um 4,0 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Dies ist die höchste Wachstumsrate seit der deutschen Wiedervereinigung. Auch 2012 setzt sich der Aufschwung fort, im Vergleich zum laufenden Jahr flacht das Wachstum allerdings ab.

Zwei Rolltreppen mit verschwommenen Personen in einem runden Tunnel.

Deutsche Wirtschaft wächst 2011 um 4,0 Prozent
Düsseldorf, 04.07.2011 (hbs) - Die deutsche Wirtschaft erlebt in diesem Jahr einen kräftigen Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legt um 4,0 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. Dies ist die höchste Wachstumsrate seit der deutschen Wiedervereinigung.  Auch 2012 setzt sich der Aufschwung fort, im Vergleich zum laufenden Jahr flacht das Wachstum allerdings ab. Das deutsche BIP wird 2012 im Jahresmittel um 2,3 Prozent zunehmen. Die inländischen Wirtschaftssektoren - privater Konsum und Investitionen - tragen deutlich stärker zur konjunkturellen Entwicklung bei als in den Vorjahren. Die Arbeitslosenzahl bleibt 2011 im Jahresdurchschnitt knapp unter drei Millionen, 2012 sinkt sie weiter auf jahresdurchschnittlich 2,74 Millionen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung in seiner aktualisierten Konjunkturprognose. Sie wird heute als IMK Report 64 veröffentlicht.

Gegenüber der BIP-Prognose des Makro-Konsortiums aus IMK, OFCE Paris und WIFO Wien vom April setzen die Forscher die Vorhersage für 2011 um 1,3 Prozentpunkte herauf. Maßgeblich dafür ist insbesondere das kräftige Wachstum im ersten Quartal, das sich bei allen Konjunkturprognosen aus methodischen Gründen sehr stark auf die Jahresrate auswirkt. Für 2012 erhöht das IMK die Prognose um 0,6 Prozent.

"Deutschland profitiert von der kräftigen internationalen Nachfrage, insbesondere aus Asien. Und es erntet weiterhin die Früchte der erfolgreichen Stabilisierungspolitik bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. "Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzungen und Konjunkturprogramme haben Massenentlassungen und einen Absturz der Nachfrage verhindert. So konnte Deutschland mit warmem Motor in den Aufschwung starten. Die Wirtschaft wächst auch etwas balancierter als im letzten Jahrzehnt. Wir hängen nicht mehr ganz so extrem am Export, jetzt bringt auch der private Konsum Impulse."

Die bessere Balance zwischen Export- und Binnenwirtschaft wird sich nach Analyse des IMK vor allem im kommenden Jahr positiv auswirken, wenn die globale Wirtschaftsdynamik und die Nachfrage nach Investitionsgütern made in Germany etwas abflauen. Allerdings resultiere der Zuwachs bei den verfügbaren Einkommen und der gestiegene Konsum zur Zeit vor allem aus der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt, so das IMK. Von der Lohnentwicklung dürften erst 2012 kräftigere Impulse ausgehen, wenn die Reallöhne gesamtwirtschaftlich spürbar steigen. "Im Sinne eines stabileren Wachstums wäre es gut, wenn sich der positive Trend bei den Löhnen noch verstärkt. Da ist Luft nach oben", so Horn.     

Als größtes Risiko für den Aufschwung nennt das IMK die ungelöste Staatsanleihenkrise im Euroraum und das geringe Wachstum in vielen, vornehmlich südeuropäischen Ländern. In Griechenland, Portugal und Irland bleibe die wirtschaftliche Entwicklung instabil. Aber auch in Italien und Spanien ist das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr nur schwach. Einen weiteren Preisschub bei Rohstoffen halten die Forscher ebenfalls für ein ernstzunehmendes Risiko.

Angesichts der relativ schwachen Konjunkturentwicklung in vielen Euro-Ländern kommen die Ökonomen zu dem Schluss, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen allenfalls geringfügig erhöhen sollte - auf 1,5 Prozent bis Ende 2012. Die Inflation hält das IMK mit diesem Leitzins auch im stärker wachsenden Deutschland für beherrschbar: Nach einem Preisanstieg um 2,3 Prozent in diesem Jahr rechnen die Forscher für 2012 mit einer Verringerung der Inflationsrate auf 1,7 Prozent.

Die Forscher empfehlen, in Deutschland absehbare zusätzliche Steuereinnahmen weder für Steuersenkungen noch für Mehrausgaben zu verwenden, sondern damit die Haushaltsdefizite zu reduzieren. Der Bund werde in diesem und im kommenden Jahr die Defizit-Vorgaben zur Einhaltung der Schuldenbremse ab 2016 übererfüllen, prognostiziert das IMK. Diese positiven Buchungen auf dem Kontrollkonto sollten als Puffer für konjunkturell schwächere Phasen genutzt werden, um die problematische prozyklische Wirkung der Schuldenbremse im Falle eines Konjunktureinbruchs zu dämpfen.

Arbeitsmarkt
Die Entwicklung bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit ist positiv, schwächt sich aber 2012 im Gefolge der Konjunktur etwas ab. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2011 um durchschnittlich 454.000 Personen zu, 2012 um weitere 224.000. Im Jahresdurchschnitt 2011 sind 2,95 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,0 Prozent. 2012 sinkt die Arbeitslosigkeit auf 2,74 Millionen im Jahresdurchschnitt (Quote: 6,5 Prozent).

Außenhandel
Der deutsche Export wächst 2011 und 2012 weiterhin recht kräftig. Im laufenden Jahr nehmen die deutschen Ausfuhren im Jahresdurchschnitt um 8,9 Prozent zu. 2012 verlangsamt sich der Zuwachs etwas, die Exporte steigen um durchschnittlich 6,8 Prozent. Auch die Importe entwickeln sich dynamisch. 2011 wachsen die Einfuhren im Jahresmittel um 6,6 Prozent, 2012 um sieben Prozent.

Investitionen
Die Ausrüstungsinvestitionen legen in diesem Jahr noch einmal sehr kräftig zu - um 12,8 Prozent im Jahresdurchschnitt. Darin spiegeln sich der Nachholbedarf durch die vorangegangene Krise und die gute Gewinnsituation der Unternehmen. 2012 schwächt sich das Wachstum im Jahresdurchschnitt auf 5,2 Prozent ab. Dazu tragen vor allem die nachlassende Auslandsnachfrage sowie steigende Zinsen bei. 

Einkommen und Konsum
Die realen verfügbaren Einkommen steigen 2011 um 1,5 Prozent. Das liegt vor allem an der verbesserten Beschäftigungssituation und der starken Gewinnentwicklung. Von der Lohnentwicklung gehen im kommenden Jahr positive Impulse aus, wenn die Reallöhne gesamtwirtschaftlich spürbar steigen. Verglichen mit der schwachen Entwicklung während der letzten Dekade belebt sich der Konsum deutlich. 2011 werden die privaten Konsumausgaben um 1,7 Prozent und 2012 um 1,3 Prozent steigen.

Inflation und öffentliche Defizite
Die starken Preisausschläge bei (Energie-)Rohstoffen und Lebensmitteln führen dazu, dass die Preissteigerung in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2011 mit 2,3 Prozent etwas über dem Inflationsziel der EZB liegt. Für 2012 rechnet das IMK mit einer Beruhigung. Mit 1,7 Prozent wird die Inflationsrate das EZB-Ziel wieder unterschreiten. Die deutschen Staatsfinanzen entwickeln sich infolge geringerer Arbeitslosigkeit und höherer Steuereinnahmen positiv. Das Staatsdefizit beträgt 2011 -1,4 Prozent des BIP und 2012 -0,3 Prozent des BIP.

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