DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
Wirtschafts-NewsWirtschaftspsychologie

Psychologie wird in der Wirtschaft zu häufig vernachlässigt

Finanzkrise, Börsencrashs, gescheiterte Megafusionen und auch das ganz normale Wirtschaftsleben belegen: psychologische Faktoren spielen in der Wirtschaft eine wichtige und oft auch entscheidende Rolle. Im praktischen wirtschaftlichen Handeln wird deren Bedeutung jedoch häufig noch vernachlässigt.

Psychologie wird in der Wirtschaft zu häufig vernachlässigt
Frankfurt, 14.10. 2009 (ots) - Finanzkrise, Börsencrashs, gescheiterte Megafusionen und auch das ganz normale Wirtschaftsleben belegen: psychologische Faktoren spielen in der Wirtschaft eine wichtige und oft auch entscheidende Rolle. Im praktischen wirtschaftlichen Handeln wird deren Bedeutung jedoch häufig noch vernachlässigt. Darauf weist der Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. (WiPs) in einer aktuellen Stellungnahme zur Finanz- und Wirtschaftskrise hin.

Bereits der einstige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard erkannte: »50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie«. Börsenaltmeister André Kostolany sah mit Blick auf die Aktienmärkte sogar 90 Prozent des wirtschaftlichen Geschehens als Psychologie an. Und nicht umsonst erhielten mit Herbert Simon (1978) und Daniel Kahnemann (2002) zwei Psychologen den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Letztere forderten eine Abkehr vom Modell des rein vernunftgesteuerten »homo oeconomicus« der klassischen Wirtschaftstheorie und machten das konkrete, nicht selten irrational erscheinende Handeln von Subjekten in wirtschaftlichen Kontexten einer psychologischen Erklärung und Vorhersage zugänglich.

Umso bedenklicher erscheint die Tatsache, dass Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Wirtschaftspolitik bis heute nur selten auf die Kompetenzen professioneller Wirtschaftspsychologen zurückgreifen. »Ungeachtet der gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten gerne bemühten Rede von der Bedeutung psychologischer Faktoren werden entsprechend ausgebildete Fachkräfte im realen Wirtschaftsleben immer noch viel zu selten eingesetzt«, sagt die Präsidentin des Verbandes zur Förderung der Wirtschaftspsychologie Sabine Siegl. »Wichtige Potenziale zur Krisenbewältigung und für den ökonomischen Erfolg werden so leichtfertig verspielt«.

Verantwortlich für die hohe Diskrepanz zwischen der allgemein erkannten Bedeutung der Wirtschaftspsychologie und deren mangelnder praktischer Umsetzung ist nach Auffassung des Verbandes eine immer noch vorhandene Unkenntnis darüber, was Wirtschaftspsychologen in verschiedenen Anwendungsfeldern konkret leisten können. Hierzu zählen etwa die Folgeabschätzung unternehmerischer oder finanz- und steuerpolitischer Entscheidungen, das Personalmanagement und die Organisationsentwicklung sowie die Bereiche Konsumforschung, Marktforschung, Anlegerverhalten, Wirtschaftskommunikation oder Wirtschaftsethik.

Beispielsweise hätten sich die fatalen Folgen des nicht verhinderten Großbankenkonkurses von Lehmann Brothers für die internationale Finanzwelt, die nachhaltigen Auswirkungen der Einführung des Euro auf die inländische Binnenkonjunktur oder die massiven Imageprobleme von Unternehmen nach der Verkündung umfangreicher Stellenstreichungen trotz Milliardengewinnen, mit wirtschaftspsychologischer Expertise besser vorhersehen und managen lassen. Gleichzeitig müssten aber auch Verständigungsprobleme zwischen Wirtschaft und Psychologie, sowie weiteren im wirtschaftlichen Kontext relevanter Professionen, zugunsten einer stärkeren interdisziplinären Zusammenarbeit überwunden werden. Darüber hinaus fordert der Verband der Wirtschaftspsychologen die entsprechenden Fachinstitute der Universitäten auf, sich zukünftig noch stärker in der angewandten Wirtschaftsforschung zu engagieren und aktiver in die öffentliche Diskussion von Wirtschaftsthemen einzubringen.

Fazit: Ungeachtet der müßigen Frage nach dem genauen prozentualen Einfluss psychologischer Faktoren bleibt die Wirtschaftspsychologie für die erfolgreiche Steuerung von Wirtschaftsprozessen unentbehrlich. Die Nutzung des Potenzials hinkt in Deutschland jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück; angelsächsische Länder zeigen sich hier bereits weiter. Dies, so der Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie, müsse sich dringend ändern - zum Wohle und wirtschaftlichen Vorteil aller.  

Im Forum zu Wirtschaftspsychologie

1 Kommentare

Literaturempfehlung Rentensysteme (Altersarmut)

WiWi Gast

Hey, Ich suche (wie oben beschrieben) nach Literatur in der verschiedene Rentensysteme v.a. das deutsche Rentensystem beschrieben werden. Alles im Rahmen einer Wissenschaftlichen Arbeit.

5 Kommentare

Die Wahlprogramme in Kurzform

WiWi Gast

Bitte senden sie mir die wahlprogramme in kurzform.

1 Kommentare

Quantitative Easing

kuve

Hat jemand Literaturempfehlungen zum Thema Quantitative Easing als Instrument der Geldpolitik?

1 Kommentare

Sinn und Zweck des Begriffs "Geldnachfrage" in der VWL?

Cangrande

Eine Frage an studierte oder studierende Volkswirte: Was versteht eigentlich die "offizielle" VWL unter "Geldnachfrage"? Diese Frage treibt mich deshalb um, weil ich in denjen ...

4 Kommentare

Diskussion von Merkel & Obama beim Kirchentag

WiWi Gast

Hat hier noch jemand die Diskussion von Merkel & Obama beim Kirchentag vorhin gesehen? Das war schon eine sehr persönliche Seite von den beiden. Wahnsinn, dass Angi so einen Mann überhaupt hierher ...

2 Kommentare

Ricardo Theorem der Komparativen Kosten

WiWi Gast

Hallo, betreffend einer Vorlesung habe ich eine Rückfrage, da diese relativ allgemein war. In der Vorlesung wurde folgendes gesagt: Betrachte ich ein Modell mit zwei Gütern X und Y und zwei Ländern A ...

3 Kommentare

Die Theorie des Homo Oeconomicus richtig erklärt für Laien

WiWi Gast

Guten Tag in Forum, ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, habe aber im Rahmen meines Uni-Studiums auch wirtschaftswissenschaftliche Fächer belegt. In einem dieser Kurse hatten wir immer so einen eh ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Wirtschaftspsychologie

Renter beim Mittagschlaf im Sessel.

Schlafmangel beeinflusst wirtschaftliches und soziales Verhalten

Schlafmangel ist nicht allein aus gesundheitlicher Sicht problematisch. Schlaflosigkeit hat auch enorme Auswirkungen auf das Arbeitsleben. Mit steigender Müdigkeit ist das Verhalten weniger rational und risikoreicher als bei ausgeschlafenen Arbeitnehmern, wie Ökonomen vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in aktuellen Studien feststellten. Die gesunde Schlaflänge beträgt sieben bis neun Stunden.

HHL Leipzig Graduate School of Management

Neuer HHL Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Leadership von Prof. Meynhardt besetzt

Prof. Dr. Timo Meynhardt ist ab dem 1. Oktober 2015 Inhaber des neuen Dr. Arend Oetker Chair of Business Psychology and Leadership an der HHL Leipzig Graduate School of Management. Der Diplom-Psychologen studierte in Jena, Oxford und Peking. Er promovierte und habilitierte an der Universität St. Gallen in Betriebswirtschaftslehre und war acht Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey.

Header Bilder der Wiwi-Studiengänge / Wirtschaftspsychologie

Wirtschaft studieren: Das Studium Wirtschaftspsychologie (Wipsy)

Wirtschaftspsychologie ist ein weites und spannendes Feld, das eine Alternative zum grundsätzlichen Psychologie-Studium bietet. Ohne klinisches Jahr finden Absolventen insbesondere in der Wirtschaft Stellen. In Bereichen wie der Marktforschung und Meinungsforschung und in Personalabteilungen von Unternehmen werden insbesondere qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen gesucht. Gerade weil das Wirtschaftspsychologie-Studium sich einer relativ jungen Wissenschaft bedient, ergeben sich daraus viele Möglichkeiten, seinen Karriereweg individuell zu gestalten.

Weiteres zum Thema Wirtschafts-News

Jahreswirtschaftsbericht 2017 - Bruttoinlandsprodukt wächst um 1,4 Prozent

Nach dem Verzicht auf seine Kanzlerkandidatur stellte Sigmar Gabriel den aktuellen Jahresbericht 2017 vor. Aus dem Bericht mit dem Titel „Für inklusives Wachstum in Deutschland und Europa“ geht hervor, dass das Bundeskabinett eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent erwartet. Grund für den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 1,7 auf 1,4 Prozent ist die geringere Anzahl von Arbeitstagen.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2016/17 »Zeit für Reformen« vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2016/17 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Zeit für Reformen«. Das neue Jahresgutachten hat drei Schwerpunktthemen: die Bewältigung der Flüchtlingsmigration, die Stärkung der Architektur der Europäischen Währungsunion und die Schaffung von Voraussetzungen für mehr Wachstum in Deutschland.

Ein Fenster mit einem Aufkleber: Made in Germany.

Herbstprojektion 2016 der Bundesregierung - Deutsche Wirtschaft wächst solide

In der aktuellen Herbstprojektion erwartet die Bundesregierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von preisbereinigt 1,8 Prozent im Jahr 2016, im Jahr 2017 um 1,4 Prozent und im Jahr 2018 um 1,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft wächst solide weiter, etwas weniger, als noch im Frühjahr angenommen. Der niedrige Ölpreis, der Wechselkurs und die Anstrengungen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms haben dazu beigetragen.

Screenshot Homepage w-wie-wachstum.de

w-wie-wachstum.de - Portal zum Thema Wirtschaftswachstum

Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland seit 1991 zwar langsamer gestiegen als im Schnitt der Industrieländer. Doch in mancherlei Hinsicht war und ist das deutsche Wachstum nachhaltiger - zum Beispiel, weil viel Geld in die Forschung fließt. Zu den Schwachstellen zählen die eher niedrige Investitionsquote und der hohe Energieverbrauch. Fakten, Analysen, Grafiken und Videos zum Thema Wachstum bietet ein neues Portal des Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Beliebtes zum Thema News

Eine Frau mit blonden, langen Haaren hält ein Handy in der Hand.

Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung im Job belastet Familienleben und Gesundheit

Die Digitalisierung und permanente Erreichbarkeit für E-Mails und Anrufe per Smartphone belastet die Gesundheit und schadet dem Familienleben. Das Risiko an Burnout zu erkranken steigt und knapp ein Viertel der Beschäftigten fühlen sich durch die Arbeit emotional erschöpft. Dies sind Ergebnisse der Studie „Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten“.

Ein Mann mit Kopftaschenlampe sieht sich den Sternenhimmel an.

Digitalstrategen: Chief Digital Officer (CDO) – das Einhorn unter den Top-Managern

Das Berufsbild des Chief Digital Officer (CDO) ist brandneu. Aktuell haben erst lediglich zwei Prozent der großen Unternehmen die Position eines CDO geschaffen. Der digitale Wandel muss jedoch in der Unternehmensspitze verankert werden. Dies ist Aufgabe des Chief Digital Officers, welcher eine Digitalstrategie erarbeiten und die Digitalisierung von Unternehmen und Geschäftsmodellen vorantreiben und gestalten soll.

Industrie 4.0

Industrie 4.0: Weltweite Rekord-Investitionen bis 2020 von 900 Milliarden US-Dollar pro Jahr

Für die Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette wollen branchenbezogene Unternehmen bis 2020 mehr als 900 Milliarden US-Dollar investieren. Von der Industrie 4.0 versprechen sich die Unternehmen signifikante Vorteile bei Kosten, Effizienz und Gewinn; das zeigt die neue globale Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Jahreswirtschaftsbericht 2017 - Bruttoinlandsprodukt wächst um 1,4 Prozent

Nach dem Verzicht auf seine Kanzlerkandidatur stellte Sigmar Gabriel den aktuellen Jahresbericht 2017 vor. Aus dem Bericht mit dem Titel „Für inklusives Wachstum in Deutschland und Europa“ geht hervor, dass das Bundeskabinett eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent erwartet. Grund für den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 1,7 auf 1,4 Prozent ist die geringere Anzahl von Arbeitstagen.

Drei übereinander gestapelte Pakete von adidas,amazon und outletcity.

Unternehmensranking 2016: Die Top 100 deutschen E-Commerce-Händler

Im Bereich E-Commerce ist Amazon weiterhin der umsatzstärkste Onlinehändler in Deutschland. Mit 7,8 Mrd. Euro Umsatz befindet sich der Internet-Gigant weit vor Otto.de mit 2,3 Mrd. Euro und Zalando.de mit 1 Mrd. Euro Umsatz. Alle Top 100 E-Commerce-Händler erwirtschafteten 2015 zusammen einen Jahrsumsatz von 24,4 Mrd. Euro und eine Umsatzsteigerung von 13 Prozent. Das geht aus der aktuellen EHI-Studie "E-Commerce-Markt Deutschland 2016" hervor.

Ein Mann im grauen Pullover stützt sich auf einer Fensterbank ab und schaut nach draußen.

Beraterhonorare: Tagessätze von Unternehmensberatern gestiegen

Deutsche Unternehmensberater verzeichneten 2015 und 2016 einen Anstieg ihrer Honorare von durchschnittlich 1,3 Prozent. Für 2017 wird von einer ähnlichen Erhöhung der Tagessätze ausgegangen. In der Strategieberatung variiert der Tagessatz für einen Projektleiter der Hierarchiestufe Manager und Senior Manager über alle Größenklassen gesehen von 1.150 bis 2.275 Euro. Vergleichbare Tagessätze in der IT-Beratung liegen zwischen 950 und 1.800 Euro, wie die Studie "Honorare in der Unternehmensberatung 2015/2016" vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zeigt.

Industrie 4.0

Industrie 4.0: Viele deutsche Unternehmen ohne Strategie

Neun von zehn deutschen Unternehmen sehen Industrie 4.0 als Chance. Aber nur jedes fünfte Unternehmen hat eine Strategie und Verantwortlichkeiten für die Industrie 4.0 definiert. 44 Prozent können zudem keine Fortschritte beim Thema verzeichnen. Vorreiter investieren im Schnitt 18 Prozent ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets im Bereich Industrie 4.0, wie eine aktuelle McKinsey-Studie zeigt.

Feedback +/-

Feedback