DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
WiWi-NewsWirtschaftsweisen

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2010/11 vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung legt sein Jahresgutachten 2010/11 vor. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Chancen für einen stabilen Aufschwung«.

Gutachten Sachverstaendigenrat deutsches-Finanzsystem
Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2010/11 vor
Wiesbaden, 10.11.2010 (sr) - Die zur Jahresmitte 2009 einsetzende wirtschaftliche Erholung in Deutschland zeigte eine beeindruckende Dynamik. Für das Jahr 2010 ist mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,7 vH zu rechnen. Die konjunkturelle Belebung wird sich auch im Jahr 2011 fortsetzen, allerdings nicht mehr mit dem bisherigen Tempo; die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts dürfte sich auf 2,2 vH belaufen. Bei diesem ungewöhnlich kraftvollen Aufholprozess darf nicht vergessen werden, dass sich das Bruttoinlandsprodukt zur Jahresmitte 2010 noch auf einem Niveau befindet, wie es zuletzt zum Jahreswechsel 2006/2007 erreicht worden war.

Die unerwartet positive Aufwärtstendenz der deutschen Wirtschaft bietet Chancen für einen stabilen, wenngleich eher flachen Wachstumspfad. Die Grundlage hierfür ist eine nachhaltige Belebung der privaten Binnennachfrage. Während der private Konsum von der erfreulichen Beschäftigungsentwicklung gestützt werden sollte, dürften sich vergleichsweise niedrige Realzinsen positiv auf die Investitionstätigkeit auswirken. Eine stärkere Inlandsnachfrage bedeutet nicht nur eine Absicherung gegen die Unsicherheiten im Exportbereich, sondern zugleich einen Beitrag zum Abbau der internationalen Ungleichgewichte.

Gleichwohl dürfen die Risiken nicht aus dem Blickfeld geraten, die vor allem die Außenwirtschaft betreffen. Viele unserer Handelspartner leiden nach wie vor unter einer hartnäckig hohen Arbeitslosigkeit und ungelösten Problemen im Finanz- und Immobiliensektor. Zudem stehen zahlreiche Staaten vor sehr ambitionierten Konsolidierungsaufgaben. Ein Rückschlag für den Export könnte sich auch aus den Spannungen im internationalen Währungsgefüge ergeben, die zu einer Aufwertung des Euro oder aber zu verstärktem Protektionismus führen könnten.




Die insgesamt günstigen Perspektiven der deutschen Wirtschaft sollten von der Wirtschaftspolitik tatkräftig unterstützt werden. Dabei stehen fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt:

Der Euro-Raum benötigt eine grundlegende Reform seines institutionellen Rahmens. Sie muss zum einen gewährleisten, dass Fehlentwicklungen wirksam verhindert werden, zum anderen bedarf es eines Krisenmechanismus, der Länder im Fall gravierender Zahlungsschwierigkeiten unterstützt, gleichzeitig aber so beschaffen ist, dass eine Beteiligung des privaten Sektors zwingend vorgesehen wird, wenn sich ein Staat nicht an die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts gehalten hat.

Bei der Reform der nationalen und internationalen Finanzmarktarchitektur sind anerkennenswerte Fortschritte erzielt worden, insbesondere mit der Reform der Eigenkapitalvorschriften (Basel III) und dem deutschen Restrukturierungsgesetz. Gleichwohl sind die G-20 Staaten noch weit vom Ziel entfernt, nie wieder in die Geiselhaft der Finanzinstitute zu geraten. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es nach wie vor an Lösungen für den Umgang mit systemrelevanten Instituten fehlt. Der Sachverständigenrat stellt hierzu alternativ eine Bankenabgabe mit Lenkungswirkung oder Eigenkapitalzuschläge für systemrelevante Institute zur Diskussion. Zudem bedarf es einer stärkeren Integration der Aufsicht auf nationaler, europäischer und globaler Ebene.

Die öffentlichen Haushalte müssen entschlossen konsolidiert und das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gestärkt werden. Zwar ist die Steuerpolitik mittlerweile in der Realität angekommen, indem sie Pläne für Steuersenkungen ohne solide Gegenfinanzierung erst einmal ad acta gelegt hat. Auf der Agenda stehen jedoch nach wie vor die angekündigte Neuordnung der Gemeindefinanzen sowie die notwendige Reform der Umsatzsteuer.

Die bereits eingeleiteten Reformen in den Sozialen Sicherungssystemen müssen konsequent umgesetzt und ergänzt werden. So wurde eine finanzierungsseitige Reform in der Gesetzlichen Krankenversicherung angestoßen, die den Einstieg in eine einkommensunabhängige Finanzierung bringen könnte. Bei der Gesetzlichen Rentenversicherung ist es notwendig, wie geplant mit der stufenweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters zu beginnen.

Trotz der erfreulichen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt harrt eine Reihe von Problemen ihrer Bewältigung. Dazu gehören die Stärkung der Anreize für Empfänger des Arbeitslosengelds II, eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen. Auf die erweiterten Freizügigkeitsregelungen der EU sollte ebenso wenig vorschnell reagiert werden wie auf die Aufhebung der Tarifeinheit.

Zum Jahresgutachten 2010/11 »Chancen für einen stabilen Aufschwung«
http://sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/gutachten.html

Im Forum zu Wirtschaftsweisen

7 Kommentare

ungedeckte Zinsparität

WiWi Gast

Also, ich habe gerade nochmal nachgesehen. Im Blachard/Illing steht es tatsächlich andersrum als ich dachte, also: inländischer Zins = ausländischer Zins - besagter Quotient. Im Krugman/Obstfeld st ...

2 Kommentare

Kapitalbilanz

WiWi Gast

Sicher, dass die Lösungen richtig sind? Bei E ist es rein privat und sollte in der Geschäftsbilanz nicht auftauchen, also 7. Bei D und A ist der einzige Unterschied dass Kopenhagen eben nicht im ...

46 Kommentare

Re: FDPexit

WiWi Gast

Wirklichkeitshärtung LOL

1 Kommentare

Literaturempfehlung Rentensysteme (Altersarmut)

WiWi Gast

Hey, Ich suche (wie oben beschrieben) nach Literatur in der verschiedene Rentensysteme v.a. das deutsche Rentensystem beschrieben werden. Alles im Rahmen einer Wissenschaftlichen Arbeit.

5 Kommentare

Die Wahlprogramme in Kurzform

WiWi Gast

der ist allerdings erst ab dem 30. August mit den ganzen Parteiprogrammen "gefüttert" LINK

1 Kommentare

Quantitative Easing

kuve

Hat jemand Literaturempfehlungen zum Thema Quantitative Easing als Instrument der Geldpolitik?

1 Kommentare

Sinn und Zweck des Begriffs "Geldnachfrage" in der VWL?

Cangrande

Eine Frage an studierte oder studierende Volkswirte: Was versteht eigentlich die "offizielle" VWL unter "Geldnachfrage"? Diese Frage treibt mich deshalb um, weil ich in denjen ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Wirtschaftsweisen

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2016/17 »Zeit für Reformen« vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2016/17 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Zeit für Reformen«. Das neue Jahresgutachten hat drei Schwerpunktthemen: die Bewältigung der Flüchtlingsmigration, die Stärkung der Architektur der Europäischen Währungsunion und die Schaffung von Voraussetzungen für mehr Wachstum in Deutschland.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2015/16 vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2015/16 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt«. Das neue Jahresgutachten hat drei Schwerpunktthemen: die Bewältigung der Flüchtlingsmigration, die Stärkung der Architektur der Europäischen Währungsunion und die Schaffung von Voraussetzungen für mehr Wachstum in Deutschland.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Griechenland-Krise: Wirtschaftsweisen legen Sondergutachten vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung diskutiert in seinem neu vorgelegten Sondergutachten zur Griechenland-Krise Reformen für einen stabileren Euro-Raum und regt ein staatliches Insolvenzverfahren an. Das Sondergutachten trägt den Titel: „Konsequenzen aus der Griechenland-Krise für einen stabileren Euro-Raum“. Ein Mitglied des Sachverständigenrates, Peter Bofinger, hat zu wesentlichen Punkten des Sondergutachtens ein Minderheitsvotum abgegeben.

Weiteres zum Thema WiWi-News

Weiße Pfeile an einer Holzwand zeigen nach oben.

Frühjahrsgutachten 2015 der Wirtschaftsforschungsinstitute - Kräftiger Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Sie wird stimuliert vom niedrigen Ölpreis und der starken Abwertung des Euro. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr voraussichtlich um 2,1 Prozent steigen. Dabei ist der Konsum die Stütze des Aufschwungs. Zudem gehen vom übrigen Euroraum wieder leicht positive Impulse aus, so dass auch der Außenhandel zur Expansion beiträgt. Im kommenden Jahr dürfte sich das Tempo nur wenig verlangsamen.

Weltweite Handelsströme 2013

Weltweite Handelsströme 2013

Seit Juli 2013 verhandelt die EU mit den USA über das größte Handelsabkommen »TTIP« der Geschichte, welches 850 Millionen Menschen betreffen wird. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat die wichtigsten weltweiten Handelsströme 2013 in einer interaktiven Grafik animiert dargestellt.

Beliebtes zum Thema News

Petition für Digitalministerium in Deutschland: Blick durch ein Fernglas mit Wlan-Symbol auf den Bundestag in Berlin.

Online-Petition: Digitalminister (m/w) für Deutschland gesucht

Unter »digitalministerium.org« ist die Online-Petition »Digitalminister (m/w)« auf Initiative des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. gestartet. Der Verband sieht in der Digitalisierung die größte Chance und Herausforderung der Gegenwart. Er fordert die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD daher dazu auf, einen Digitalminister oder eine Digitalministerin für Deutschland zu benennen. Zahlreiche Digitalverbände und Ökonomen haben sich der Forderung bereits angeschlossen.

Ein Kompass symbolisiert die Digitalstrategien von Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung.

3,4 Millionen Jobs von Digitalisierung bedroht

Jedes vierte deutsche Unternehmen sieht seine Existenz durch die Digitalisierung gefährdet und 60 Prozent sehen sich bei der Digitalisierung als Nachzügler. 85 Prozent der Unternehmen erwarten von der Bundesregierung eine klare Digitalstrategie und dass die Digitalisierung zum Top-Thema gemacht wird. So lauten die Ergebnisse einer Studie vom Digitalverband Bitkom. "Die Digitalisierung wartet nicht auf Deutschland.", warnt Bitkom-Präsident Berg.

Firmengebäude der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) in Berlin.

EY übernimmt Strategieberatungen OC&C

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) übernimmt die Strategieberatungen OC&C. EY baut damit ihr Beratungsnetzwerk und die internationale Strategieberatung EY-Parthenon in Deutschland und Europa aus, denn das komplette OC&C-Deutschland-Team ist zu EY-Parthenon gewechselt. So gelingt EY ein wichtiger Schritt beim Ausbau ihrer Strategieberatung in Europa.

Ein Mann mit Kopftaschenlampe sieht sich den Sternenhimmel an.

Digitalstrategen: Chief Digital Officer (CDO) – das Einhorn unter den Top-Managern

Das Berufsbild des Chief Digital Officer (CDO) ist brandneu. Aktuell haben erst lediglich zwei Prozent der großen Unternehmen die Position eines CDO geschaffen. Der digitale Wandel muss jedoch in der Unternehmensspitze verankert werden. Dies ist Aufgabe des Chief Digital Officers, welcher eine Digitalstrategie erarbeiten und die Digitalisierung von Unternehmen und Geschäftsmodellen vorantreiben und gestalten soll.

Industrie 4.0

Industrie 4.0: Weltweite Rekord-Investitionen bis 2020 von 900 Milliarden US-Dollar pro Jahr

Für die Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette wollen branchenbezogene Unternehmen bis 2020 mehr als 900 Milliarden US-Dollar investieren. Von der Industrie 4.0 versprechen sich die Unternehmen signifikante Vorteile bei Kosten, Effizienz und Gewinn; das zeigt die neue globale Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Jahreswirtschaftsbericht 2017 - Bruttoinlandsprodukt wächst um 1,4 Prozent

Nach dem Verzicht auf seine Kanzlerkandidatur stellte Sigmar Gabriel den aktuellen Jahresbericht 2017 vor. Aus dem Bericht mit dem Titel „Für inklusives Wachstum in Deutschland und Europa“ geht hervor, dass das Bundeskabinett eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent erwartet. Grund für den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 1,7 auf 1,4 Prozent ist die geringere Anzahl von Arbeitstagen.