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Crowdworking-Gehälter: Crowdworker verdienen trotz Studium oft nur 1.500 Euro

Gut ausgebildete Crowd-Worker erhalten trotz Hochschulabschluss nur ein monatliches Gehalt von 1.500 Euro. Viele der Crowd-Worker arbeiten nebenberuflich, sind ledig und jung. Knapp die Hälfte hat studiert. Zu diesen Ergebnissen kommen eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung und eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Das Netz eines Spielplatzklettergerüstes vor blauem Himmel.

Crowdworking-Gehälter: Crowdworker verdienen trotz Studium oft nur 1.500 Euro
Eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie liefert erstmals einen qualitativen Überblick darüber, wer die Menschen in der „Crowd“ sind. Die Studie gehört zu einer Reihe von Aktivitäten, mit denen die Hans-Böckler-Stiftung die Arbeitswelt von morgen ausleuchtet. Dazu zählt auch die Kommission „Arbeit der Zukunft“, bei der 34 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und betrieblicher Praxis an Diagnosen und Empfehlungen arbeiten. Vor dem Hintergrund einer kontroversen Diskussion über Crowdworking, hat auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) erstmalig in einer Studie die sozioökonomischen Hintergründe und Motive von Crowdworkerinnen und Crowdworkern in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Crowdworking bisher noch zu einer marginalen Arbeitsform gehört: Mehr als 50 Prozent der Befragten arbeiten lediglich bis zu einer Stunde wöchentlich.

Was sind Crowd-Worker?
Jederzeit und für jeden verfügbar sein, der Arbeitsplatz ist am heimischen Computer und keine festen Arbeitszeiten: das sind Crowd-Worker. Crowd-Worker bieten ihre Dienste im Internet an, kennen keinen Kündigungsschutz oder gar Urlaubsanspruch. Wer die digitalen Tagelöhner sind und was sie selbst über ihre Arbeit denken, haben Wissenschaftler um den Informatikprofessor Jan Marco Leimeister von der Universität Kassel untersucht. Ihre von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie liefert erstmals wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Klickarbeiter in Deutschland arbeiten.  Basierend auf einer Befragung von 434 Crowd Workern zeigt sich: Crowd Worker sind häufig gut ausgebildet. Viele nutzen die Jobs im Internet als Zuverdienst, doch gut ein Fünftel der Befragten verdient damit den Lebensunterhalt – zum Beispiel als Programmierer oder Designer.

Crowdsouring – die Masse macht‘s
Marktplätze im Internet machen es Freiberuflern leicht, in Kontakt mit potenziellen Auftraggebern zu kommen. Umgekehrt können Arbeitgeber dort jederzeit auf ein großes Angebot an Arbeitskräften mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zurückgreifen. Die Vergabe von Arbeiten an eine anonyme Masse im Netz wird auch „Crowdsourcing“ genannt, ein Kofferwort aus „Crowd“, das in Deutsch mit Menschenmenge übersetzt wird und Outsourcing. „Outsourcing“ bedeutet Auslagerung. Für Unternehmen hat Crowdsourcing den Vorteil, dass sie Aufgaben schnell und flexibel bearbeiten lassen können. Eine mögliche Gefahr ist hierbei: Was vorher von Festangestellten erledigt wurde, könnte an Klickarbeiter ausgelagert werden. „Crowd Work hat in den vergangenen Jahren ein erstaunliches Wachstum verzeichnet“, schreiben die Forscher um Leimeister, der auch der Expertenkommission „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung angehört. Einen Hinweis darauf, wie viele Klickarbeiter in Deutschland existieren, liefern die Nutzerzahlen einzelner Marktplätze. Eine der größten und ältesten Plattformen ist „Clickworker“, ein Viertel der mehr als 700.000 Mitglieder stammt nach Angaben des Anbieters aus Deutschland. Auch auf internationalen Marktplätzen wie „Freelancer“, „Upwork“ oder „99Designs“ sind mehrere Tausend Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum registriert. Bislang nutzen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen die Dienste von Crowd Workern, aber auch Konzerne wie die Telekom.

Crowd-Worker haben einen Hochschulabschluss und sind ledig
Der überwiegende Teil der Crowd Worker ist laut der Studie gut ausgebildet: knapp die Hälfte hat einen Hochschulabschluss. Der Anteil der Männer ist geringfügig höher als der der Frauen. Interessant ist, dass die Mehrheit ledig ist. „Hier liegt die Vermutung nahe, dass diese ihre persönliche Freizeit stärker für Crowd Work nutzen als verheiratete oder in einer Partnerschaft lebende Personen“, so die Studie. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie der ZEW. Die befragten Crowdworkerinnen und Crowdworker sind im Vergleich zu Erwerbstätigen in Deutschland zum einen jünger sowie häufiger ledig und zum anderen verfügen sie auch über einen hohen Bildungsstand. So haben mehr als 40 Prozent der Befragten einen Universitätsabschluss oder Hochschulabschluss inne oder streben diesen an. Ein Großteil der Befragten ist neben der Crowdworking-Tätigkeit in einer abhängigen Beschäftigung tätig oder verfolgt eine betriebliche Ausbildung oder ein Studium.

Crowd-Worker arbeiten meist nebenberuflich
Gut die Hälfte der Befragten innerhalb der Hans-Böckler-Stiftung gibt an, dass sie zu unterschiedlichen Tageszeiten arbeiten, häufig abends oder nachts. Nur vier Prozent sind regelmäßig morgens aktiv. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt knapp 14 Stunden pro Woche. Dagegen beschreiben mehr als die Hälfte der Crowdworkerinnen und Crowdworker der ZEW-Studie, lediglich bis zu einer Stunde wöchentlich über die Crowdworkingplattform zu arbeiten. Rund 13 Prozent geben eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von mehr als drei Stunden an. Die Bandbreite der Jobs im Internet reicht von einfachsten Tätigkeiten zum schnellen Nebenverdienst bis hin zu komplexen Projekten. Bei den einfachen Arbeiten kann es zum Beispiel um die Recherche von Adressen oder die Verschlagwortung von Texten und Bildern gehen. Etwas anspruchsvoller wird es beim Testen von Produkten und Apps. Sehr hoch sind die Anforderungen in der Regel in den Bereichen Design und Programmierung.

Monatliches Crowd-Worker Gehalt ist oft weniger als 500 Euro
Entsprechend unterschiedlich sind die Einkommen: Etwa 70 Prozent verdienen weniger als 500 Euro im Monat – als „effektives Einkommen“ nach Abzug der Gebühren der Plattformen, aber vor Steuern. Dabei handelt es sich häufig um Nebenverdienste. Insgesamt liegt das mittlere Einkommen derjenigen, die nebenberuflich als Crowd Worker tätig sind, bei 326 Euro pro Monat. Bei 20 Prozent der Befragten, die Crowd Working hauptberuflich betreiben, beträgt das mittlere „effektive“ Einkommen rund 1.500 Euro. Etwas mehr als die Hälfte derjenigen, die ihr Haupteinkommen aus der digitalen Erwerbsarbeit erzielen, sorgt der Hans-Böckler-Studie zufolge nicht für das Alter vor. Laut der ZEW-Studie fällt das durchschnittliche Nettoeinkommen der Crowdworkerinnen und Crowdworker ebenfalls niedrig aus: 69 Prozent der Befragten erzielen netto maximal 4,99 Euro wöchentlich. Lediglich drei Prozent der Befragten scheint 20 Euro und mehr über die Plattform zu verdienen.

Crowd-Worker sind unzufrieden
Die Mehrheit der Crowd Worker fühlt sich „nicht ausgebeutet“, ist „gleichzeitig aber auch nicht zufrieden mit dem Arbeitsumfeld“, heißt es in der Studie. Am wenigsten zufrieden mit ihrer Bezahlung und Wertschätzung sind Designer. Ein Grund könnte der spezielle Wettbewerb in diesem Bereich sein, vermuten die Wissenschaftler. Bei Ausschreibungen reichen mehrere Mitbewerber ihre Entwürfe ein. Doch nur wer den Zuschlag erhält, wird entlohnt. Dass der Rest leer ausgeht, empfinden viele als unfair. Es ist daher kein Wunder, dass der Wunsch nach Mitbestimmung auf Design-Plattformen besonders ausgeprägt ist: Knapp 70 Prozent der Crowd Worker in diesem Bereich wünschen sich eine Interessenvertretung.

Zu den wichtigsten Motiven der Crowdworkerinnen und Crowdworker zählen die Flexibilität bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit sowie Arbeitsinhalten. Zwar stimmten nur wenige Befragte zu, dass die Arbeit auf der Plattform der eigenen Qualifikation entspreche, jedoch sind nur rund sieben Prozent der Befragten mit der Arbeit über die Plattform unzufrieden.


Download Studie Hans-Böckler-Stiftung [PDF, 86 Seiten – 688 KB]
http://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_323.pdf

Weitere Studien der Hans-Böckler-Stiftung zur Digitalisierung der Arbeitswelt
Download Manuela Maschke [PDF, 30 Seiten – 470 KB]
Arbeiten 4.0 - Diskurs und Praxis in Betriebsvereinbarungen

Download Sylvia Stieler [PDF, 37 Seiten – 1,4 MB]
Digitalisierung in der Kunsttoffverarbeitenden Industrie


Hintergrund Hans-Böckler-Studie
Das Projekt „Crowd Work – Arbeiten in der Wolke“, in dessen Rahmen diese Study entstanden ist, besteht zum einen darin, erstmalig wissenschaftliche Analysen zur Organisation von Crowdsourcing bzw. zu Crowd Work durchzuführen. Zum anderen galt es, grundlegende Daten und Fakten zur Arbeit auf Crowdsourcing-Plattformen zu eruieren. Der Fokus des Projektes lag auf dem so genannten externen Crowdsourcing, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.


Download ZEW-Studie [PDF, 55 Seiten – 14,7 MB]
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/ZEWfb462EndberichtCrowdworker2016.pdf

Hintergrund ZEW-Studie
Im Rahmen der Studie wurde die Befragung deutscher Crowdworker/innen auf zwei Plattformen für die Vermittlung von sogenannten Microtasks durchgeführt. Die Studie soll so zu einer besseren Beurteilung der arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Dimension des Phänomens Crowdworking in Deutschland beitragen.

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