noah.2024 schrieb am 13.10.2024:
Hallo,
ich würde gerne als Steuer-Prüfungsassistent in einer Steuerberater-Kanzlei (in Hamburg) einsteigen. Auf Facebook und anderen Seiten wird man ja gewissermaßen mit Angeboten zumindest als Steuerfachwirt und Steuerberater zugeschüttet.
Habe jetzt 5 kleine bis mittelgroßen Kanzleien per E-Mail angeschrieben, mit der Frage, ob sie überhaupt Prüfungsassistenten einstellen, da ich auf deren Homepage keine entsprechende Stellenausschreibung entnommen habe. Im Erfolgsfall würde ich ihnen dann meine Bewerbungsunterlagen zukommen.
Und nun die große Ernüchterung: Keine einzige Kanzlei hat auf meine Anfrage geantwortet.
Finde das etwas Enttäuschend und kann schon allein aus diesem Grund den behaupteten Fachkräftemangel nicht nachvollziehen.
Ist das normal, dass man keine Antwort bekommt? Ist das so deren Stil?
Gruß.
Noah
Ich bin quasi nur bei Mittelstandskanzleien gewesen, da ich mir den Quatsch bei den Big4 nicht antun wollte. Hab selbst fast den WP geschafft (PW fehlt noch), ohne auch nur einmal im Hotel gewesen zu sein :D Schau dir doch mal die Stellenanzeigen an und was die Kanzleien suchen. Was steht denn da dabei? Wenn das die gleichen Instagram-Anzeigen sind, die mir vorgeschlagen werden, dann sind das meistens Anzeige à la 5 Jahre Erfahrung als Steuerfachangestellte oder 2 Jahre Erfahrung als Prüfungsassistent.
Mittelstandskanzleien sind zu faul (und vielleicht auch zu blöd, meiner Meinung nach) um Personal auszubilden. Schau dir doch einfach mal die JA-Erstellung an. Da macht gefühlt jeder StB sein eigenes Bier, weil er "das irgendwann mal so gelernt hat". In der Prüfung läuft das genau so. Kurz gesagt: Irgend einen frischen Bachelor oder Master für 4k einzustellen, macht quasi keiner, außer man hat wirklich extremen Personalmangel. Dafür bist du zu teuer und kannst zu wenig. Die SteFa arbeitet auch für 4k und die hat zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich schon 100e Steuererklärungen, USt-VAs und was weiß ich abgegeben. Steuer- und Prüfungsassistenten werden in der Hinsicht tatsächlich nur eingestellt, wenn du auch beides kannst.
Reine Prüfungsassistenten braucht im Mittelstand eigentlich niemand, da alles keine 316a-Mandate. Die ganzen Fristen interessieren die KMU-Mandate auch nur bedingt, da nimmt man dann die lächerliche Strafe in Kauf. Dazu kommt, dass die Prüfmandate eher "so nebenbei" gemacht werden.
Abgesehen davon, sind Master-Absolventen z.B. im Mittelstand die absolut schlimmsten Mitarbeiter aus Arbeitgebersicht. 1) Können die nichts, 2) sind die im Kopf mit einer halben Gehirnhälfte beim Examen und 3) gerade erst, wenn ein Mitarbeiter nach 2-3 Jahren überhaupt erst eingelernt ist und man sagen kann, okay, jetzt hat der MA hier sehr guten ROI, hat der meistens schon den nächsten Examenstitel und will mehr Geld oder kündigt.
In der Hinsicht stellen zumindest die Kanzleien die ich kenne, lieber irgend eine SteFa für 5k ein, als irgend einen Masterabsolventen für 4k oder ähnliches. Die SteFa will keine dauernden Freistellungen, die braucht 8-10 Jahre bis die überhaupt ihren StB-Titel machen will und wenn wirklich Not am Mann ist, kann ich die SteFa auch in die Prüfung schicken.
Kurz gesagt: Du musst leider den Quatsch bei den Big4 1-2 Jahre mitmachen und dann ggfs. in den Mittelstand wechseln.
Bevor hier jemand daherkommt, warum sollte man in den Mittelstand gehen? 5 Minuten Arbeitsweg, kein dummes Reisen, keine Überstunden, entspanne 35-40h (je nach Kanzlei), Gehalt kann je nach Arbeitsleistung individuell verhandelt werden, keine Urlaubssperren oder so ein Quatsch, kann mir den Urlaub selbst einteilen wann ich will, keine Anzüge, ect. usw.
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