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Bewerbungen besser anonym bearbeiten

Mit der Anonymisierung von Bewerbungsverfahren kann unbewusster oder bewusster Diskriminierung erfolgreich entgegengewirkt werden. Zu diesem Ergebnis gelangt ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Zwei Knoblauchzehen.

Bewerbungen besser anonym bearbeiten
Bonn, 23.04.2012 (iza) - Mit der Anonymisierung von Bewerbungsverfahren kann unbewusster oder bewusster Diskriminierung erfolgreich entgegengewirkt werden. Zu diesem Ergebnis gelangt ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), das durch das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt an der Europa-Universität Viadrina (KOWA) wissenschaftlich begleitet wurde. IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann stellte die Projektergebnisse heute gemeinsam mit ADS-Leiterin Christine Lüders in Berlin vor und verwies dabei auf den hohen volkswirtschaftlichen Schaden durch die Benachteiligung einzelner Bewerbergruppen auf dem Arbeitsmarkt.

An dem Pilotprojekt wirkten zahlreiche Unternehmen und Organisationen freiwillig mit, die ihre Bewerbungsverfahren entsprechend auf anonymisierte Abläufe umstellten. Die Untersuchungen des IZA verdeutlichen, dass nach der Anonymisierung von Merkmalen wie Name, Geschlecht, Alter und Herkunft sowie dem Verzicht auf ein Bewerbungsfoto tatsächlich Chancengleichheit unter den Bewerbenden herrscht. Innerhalb der anonymisierten Bewerbungsverfahren haben also potenziell benachteiligte Gruppen die gleiche Chance auf eine Einladung zu Vorstellungsgespräch oder Eignungstest. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass in Organisationen, die ohnehin bereits Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt ergriffen hatten, anonymisierte Verfahren nur ein begrenztes Potenzial entfalten konnten.

"Empirische Studien belegen nach wie vor ein erhebliches Ausmaß von Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Durch diese teils verdeckten, teils ganz offenen Benachteiligungen wichtiger gesellschaftlicher Gruppen werden wertvolle Potenziale verschenkt. Insbesondere die Ungleichbehandlung von Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und älteren Arbeitnehmern verursacht große volkswirtschaftliche Schäden. Diese Ressourcenvernichtung können wir uns künftig, gerade auch im Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel, nicht mehr leisten – von den ethischen und gesellschaftspolitischen Aspekten fehlender Chancengleichheit einmal ganz abgesehen", erklärte Zimmermann bei der Präsentation der Forschungsergebnisse in Berlin.

Die in dem Pilotprojekt gewonnenen Erfahrungen müssten jetzt in eine Gesamtstrategie integriert werden. Ursprüngliche Befürchtungen aus der Wirtschaft, solche Verfahren der Personalrekrutierung führten zu unnötiger Bürokratie, hätten sich in dem Modellversuch weitgehend als unbegründet erwiesen. Der Ansatz fördere vielmehr die nötige Sensibilität in der betrieblichen Praxis und sorge für ein geschärftes Bewusstsein gegenüber allgemeinen Diskriminierungstendenzen im Berufsalltag. "Ein Allheilmittel sind anonyme Bewerbungsverfahren aber nicht. Chancengleichheit im Bewerbungsprozess kann die strukturellen Benachteiligungen einzelner Bevölkerungsgruppen etwa im Bildungsbereich oder bei Beförderungen nicht kompensieren", so Zimmermann.

Für die Unternehmen zahlt es sich aus ökonomischer Sicht aus, auf Vielfalt zu setzen. IZA-Direktor Zimmermann: "Firmen, in denen Junge und Alte in Teams zusammenarbeiten, in denen die interkulturelle Kompetenz von Einwanderern klug genutzt wird und in denen junge Mütter mehr Förderung und Unterstützung erfahren, sind insgesamt produktiver als andere. Organisationen, die Vielfalt offen und zielgerichtet praktizieren, stehen somit im Ergebnis besser da."

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