Wow vielen Dank für diesen Beitrag, du hast mir gerade echt irgendwie ganz neue Perspektiven aufgezeigt. Kannte bisher Niemanden, der das ähnlich erlebt wie ich, nur halt schon deutlich weiter ist.
Ich habe mit einem Lehramtsstudium begonnen und dann aus Zweifeln/Langeweile/Interesse/... nebenbei noch ein Wirtschaftsinformatikstudium begonnen an der gleichen Uni. Außerdem arbeite ich 14 Stunden als Werkstudent in einem Konzern und habe Hobbies, ein ausgiebiges Sozialleben, .... Ich bin in beiden Studiengängen in Regelstudienzeit und habe super Noten.
Meine Freunde fragen mich oft, wie ich das alles unter einem Hut bringe, aber ganz ehrlich, für mich ist das sooooo viel leichter, als zu der Zeit, als ich nur mein Lehramtsstudium hatte und mental geht es mir damit auch deutlich besser (außerdem macht es mir mega viel Spaß meine unterschiedlichsten Interessensbereiche nachgehen zu können). In meiner vorherigen Ausbildung das gleiche, je mehr ich zu tun hatte und je mehr Stress, desto besser meine Arbeitsergebnisse und umso leichter fiel es mir.
Ich merke auch immer mehr, dass einfach einen klassischen Vollzeitjob zu haben, für mich keine wirkliche Option ist (hab ich eigentlich auch schon in der Ausbildung gemerkt) und ich wahrscheinlich auch immer eher "zweigleisig" fahren werde. Weil ich es gerne so hätte, aber auch irgendwie brauche.
Ich habe zwar keine ADHS-Diagnose und auch nicht vor mich testen zu lassen, habe aber auch noch andere Baustellen, bei denen ich ähnliche Symptome zeige. Aber Ich habe schön langsam das Gefühl, dass ich schön langsam meinen Weg finde und bin gespannt auf die Zukunft. Danke!
WiWi Gast schrieb am 22.02.2025:
Ich bin nicht der Vorposter, erkenne mich aber direkt wieder. Als ADHSler musst du konstant "Druck" aufbauen. Sonst passiert gar nichts. Entsprechend musst du in Positionen und Jobs, wo permanent Druck herrscht.
Beispiel: Ich hab drei (!) Studiengänge abgebrochen, weil ich die ganze Zeit dachte, ich wäre gelangweilt oder kann mich nicht konzentrieren oder was weiß ich. Also hab ich mir einfach einen Vollzeitjob gesucht. Dann hab ich das mit der Uni nochmal probiert und siehe da, die 60-80h/Woche mit Vollzeitjob, Lernen + Prüfungsdrück hat dazu geführt, dass ich mich zum ersten Mal fokussieren konnte. Im Master das Gleiche. Bin dann zu einer Big4 und war dann recht glücklich. Ich wusste, in der Industrie oder im ÖD versauere ich (bzw. mach ich wieder gar nichts). Das ging dann soweit, dass ich während der Vorbereitung zum StB/WP eine Promotion begonnen hab (war ein strukturiertes Promotionsprogramm, wo ich 30k hingelegt hab und es mind. 1 mal im Monat Anwesenheit gab und der Stand regelmäßig kontrolliert wurde, also nicht einfach irgend eine "externe" Promotion), nur damit ich quasi immer "Zweigleisig" fahre. Ansonsten hätte ich beide Examen wahrscheinlich gar nicht geschafft (ernsthaft).
In der Hinsicht empfehle ich allen Menschen ähnlichen Problemen sich einfach Jobs zu suchen, wo Termindruck herrscht oder sich absichtlich zu "überladen". Oder wenn man schon im Job ist von Montag bis Freitag, sich einfach einen Job am Samstag/Sonntag zu suchen. Kein Witz. Ein Kollege hatte ähnliche Probleme, der verdiente zwar 90k/Jahr, ist aber am Samstag/Sonntag nochmal Kellnern gegangen. Hat ihm dann geholfen auch im Hauptjob voll konzentriert zu sein.
PS: Das Gehirn von uns ADHSlern funktioniert nämlich etwas anders. Ich hab nämlich dann Stress, wenn ich keinen Stress hab :D Ergibt das Sinn?
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