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Finanzkrise: Expansive Geldpolitik zunächst hilfreich, später fast wirkungslos

Pumpen Notenbanken in einer Finanzkrise Geld in das Bankensystem, ist das zunächst hilfreich, im Verlauf der Krise verpufft aber die Wirkung. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Institut für Weltwirtschaft (IfW), welche die Wirkung der Geldpolitik während einer Finanzkrise untersucht haben.

Drei Geldmünzen liegen nebeneinander auf einem sandigen Boden.

Finanzkrise: Expansive Geldpolitik zunächst hilfreich, später fast wirkungslos
Kiel, 02.09.2015 (ifw) - Pumpen Notenbanken in einer Finanzkrise Geld in das Bankensystem, ist das zunächst hilfreich, im Verlauf der Krise verpufft aber die Wirkung. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Institut für Weltwirtschaft (IfW), die empirisch die Wirkung der Geldpolitik während einer Finanzkrise untersucht haben. Während der akuten Phase einer Krise hat demnach eine expansive Geldpolitik eine positive Wirkung auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und eine stabilisierende Wirkung auf die Inflation. Beide Größen reagierten schneller und in größerem Umfang, als wenn sich die Wirtschaft nicht in einer Krise befindet. „Während der akuten Phase der aktuellen Finanzkrise, also vor allem in den Jahren 2008 und 2009, haben die Zentralbanken mit ihrer Politik also wohl einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Konjunktur zu stabilisieren“, so Nils Jannsen, Konjunkturforscher am IfW. Grund sei, dass während der akuten Phase einer Krise Produktion und Inflation durch die hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer und durch das fehlende Vertrauen in eine positive Wirtschaftsentwicklung gebremst werden. Eine expansive Geldpolitik wirke in einer solchen Situation vertrauensbildend.

Im Gegensatz dazu sei eine expansive Geldpolitik in der wirtschaftlichen Erholungsphase nach einer Finanzkrise nahezu wirkungslos, so die Forscher. BIP und Inflation würden bei einer weiteren Erhöhung der Geldmenge und Senkung der Zinsen nicht mehr signifikant reagieren. In einer solchen Phase könnten immer neue expansive Maßnahmen an den Märkten als Signal interpretiert werden, dass sich die Wirtschaft doch in einem schlechteren Zustand befindet, als zunächst angenommen, und so die Konjunktur sogar belasten. Bezogen auf die aktuelle Krise seien die zusätzlich ergriffenen Schritte der Zentralbanken etwa ab dem Jahr 2010, worunter beispielsweise auch das QE-Programm der EZB fällt, vermutlich nicht sehr wirkungsvoll. Die geringe Wirkung der Geldpolitik könnte sogar ein Grund dafür sein, dass die Erholung vielerorts deutlich schwächer als erwartet ausgefallen ist. „Es zeigt sich, dass die Geldpolitik kein Allheilmittel ist, mit dem die Expansion des Bruttoinlandsprodukts und die Inflation jederzeit beliebig kontrolliert werden können“, so Jannsen. „Speziell während einer einsetzenden Erholung nach einer Krise sollten Zentralbanken mit weiteren expansiven Maßnahmen Vorsicht walten lassen, zumal eine sehr expansive Geldpolitik auch mit erheblichen Risiken wie Preisblasen verbunden ist.“

Für ihre empirische Studie haben die Forscher des IfW Daten der vergangenen 30 Jahre für 20 entwickelte Volkswirtschaften, darunter die Vereinigten Staaten und die größeren Länder des Euroraums, ausgewertet.

Download Studie „Monetary Policy during Financial Crises“ [PDF, 39 Seiten - 697 KB]
von Nils Jannsen, Galina Potjagailo und Maik Wolters
„Monetary Policy during Financial Crises: Is the Transmission Mechanism Impaired?“

 

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