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Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten nehmen weiter zu

Unsere moderne Arbeitswelt schafft Anforderungen, die oft starke Belastungen für den Einzelnen mit sich bringen. Der aktuelle DGB-Index »Gute Arbeit« belegt: Viele Arbeitnehmer beklagen die Rahmenbedingungen an ihrem Arbeitsplatz.

Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten nehmen weiter zu
Hamburg, 01.10.2009 (dak) - Morgens die Erste im Büro, tagsüber ein Meeting nach dem anderen, keine Zeit für Mittagspausen und dabei ständiger Druck, um die Termine einzuhalten: Die Freude an ihrer Arbeit war bei Anna S., 39 Jahre, Projektleiterin in einem internationalen IT-Konzern, schon lange auf der Strecke geblieben. Irgendwann streikte der Körper: Schwindel, Übelkeit, Herzrasen - Anna S. brach zusammen und musste in eine Klinik eingeliefert werden. Körperliche Ursachen für den Kollaps ließen sich nicht ausmachen. Es war die Seele, die rebellierte, weil der Druck der Arbeit einfach zu groß geworden war. Unsere moderne Arbeitswelt schafft Anforderungen, die oft starke Belastungen für den Einzelnen mit sich bringen. Der aktuelle DGB- Index »Gute Arbeit« belegt: Viele Arbeitnehmer beklagen die Rahmenbedingungen an ihrem Arbeitsplatz. Vor allem mangelnder Respekt, Überforderung und unzureichende Entwicklungsmöglichkeiten waren die ausschlaggebenden Bewertungsfaktoren.

Zahlreiche Berufstätige reagieren darauf mit typischen Stresssymptomen: Nach einer aktuellen DAK-Studie leidet jeder Siebte an Herzrasen, rund ein Drittel an Konzentrationsstörungen, Unruhe und depressiven Verstimmungen. Mehr als die Hälfte kann selbst nachts nicht abschalten und wälzt sich schlaflos im Bett. Der Übergang zu psychischen Erkrankungen wie Burnout und Depression ist fließend. »Chronischer Stress ist ein wichtiger Faktor für das Entstehen seelischer Krankheiten«, sagt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. »Zwischen 1998 und 2008 stieg der Anteil psychischer Erkrankungen am Krankenstand um gut 60 Prozent von 6,6 auf 10,6 Prozent.« Laut DAK- Gesundheitsreport geht heute jeder zehnte Fehltag auf das Konto psychischer Erkrankungen. Dabei spielen auch Alkoholsucht und Medikamentenabhängigkeit eine große Rolle. Leistung um jeden Preis Stress am Arbeitsplatz hat viele Facetten. Zeitdruck, Konkurrenz und die Angst um den Job zählen zu den wichtigsten. Arbeitnehmer, die um ihren Job fürchten, leiden stärker unter Erfolgsdruck, Überforderung und mangelnder Anerkennung. Nicht unwesentlich trägt auch die moderne Kommunikationstechnik zur Überbeanspruchung bei: »Während Berufstätige früher aufgrund schwerer körperlicher Arbeit an Rückenschmerzen litten, sind es heute eher E-Mail, Blackberry und Instant Messenger, die für Belastungen sorgen«, weiß Meiners. Eine repräsentative DAK-Studie ergab: Fast jeder dritte Befragte fühlt sich von E-Mails regelrecht überflutet.

Bei dem Gefühl der Überforderung schlägt oft auch der Körper Alarm: »Seelische Leiden äußern sich meist zuerst in körperlichen Symptomen. Viele Krankschreibungen aufgrund von Magenbeschwerden, Rücken- oder Herzschmerzen gehen eigentlich auf eine psychische Belastung zurück«, sagt der Diplom-Psychologe der DAK. Nicht umsonst hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Stress zu »einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts« erklärt. Auf der Suche nach einem Ausweg greifen viele zu Scheinlösungen: 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken in riskantem Ausmaß Alkohol, 1,3 Millionen Menschen sind bereits abhängig. Eine aktuelle DAK-Umfrage ergab zudem: Fast jeder fünfte Deutsche kennt jemanden, der leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente ohne medizinische Erfordernis einnimmt. Die Stressbelastungen im Job sind für viele ein wesentlicher Grund.

Psychische Störungen sind meist von langer Dauer - insbesondere dann, wenn sie mit Suchterkrankungen einhergehen. Dem Gesundheitssystem verursachen sie daher horrende Kosten: Im Jahr 2006 lagen die Ausgaben für psychische Erkrankungen bei rund 26,6 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als elf Prozent der Gesamtkosten im Gesundheitsbereich. Diagnosen aus diesem Bereich sind heute zudem Hauptursache für gesundheitsbedingte Frühverrentungen: Rund ein Viertel der Männer und über ein Drittel der Frauen scheiden aufgrund von psychischen Leiden früher aus dem Erwerbsleben aus. Bei etwa 20 Milliarden Euro an jährlichen Gesamtausgaben für gesundheitsbedingte Früh- renten sind die dadurch verursachten Kosten immens.

»Stress am Arbeitsplatz lässt sich nicht völlig vermeiden«, sagt Frank Meiners von der DAK. »Wir können aber Techniken erlernen, mit denen wir die Probleme aktiv angehen - der Griff zur Flasche oder zur Tablettenpackung kann auf Dauer keine Lösung sein.« Die DAK fordert zudem ein nachhaltiges Stressmanagement in den Betrieben: Flexible Arbeitszeitmodelle, bessere Angebote für die Betreuung von Kindern und ein offenes Arbeitsklima könnten ein positives Gegengewicht zu den Anforderungen bilden. Außerdem solle jeder Einzelne für genügend Ausgleich sorgen: »Die Balance zwischen Beruf und Freizeit entscheidet darüber, ob eine Belastung zur Krankheit wird«, erklärt Frank Meiners. »Wer sich aktiv für seine innere Ausgeglichenheit einsetzt, fängt Belastungen am Arbeitsplatz wesentlich besser auf.« 

Leser-Kommentare

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WiWi Gast

Re: Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten nehmen weiter zu

Nicht zu vergessen, das "chairing", wo den Führungskräften das Leben im Unternehmen zur Hölle gemacht wird. So eine Art Rache ausgebeuteter und gemobbter Mitarbeiter.

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WiWi Gast

Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten nehmen weiter zu

Das ist das Resultat unsere Ellbogengesellschaft, in der Mobbing am Arbeitsplatz das natürlichste der Welt ist.

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