DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
WiWi-NewsCH

D A CH-Reformbarometer für 2015 - Regierungen bremsen Reformen aus

Sowohl Deutschland als auch Österreich und die Schweiz haben 2014 eine zukunftsweisende Wirtschaftspolitik vermissen lassen. Die Rentenreformen in Deutschland und der Schweiz sowie das Steuererhöhungspaket in Österreich sind kontraproduktiv. Im Mittelpunkt des Drei-Länder-Reformbarometers D A CH stehen die Arbeitsmarkt-, Sozial- sowie Steuer- und Finanzpolitik.

Ein rotes Stoppschild.

D A CH-Reformbarometer für 2015 - Regierungen bremsen Reformen aus
Eine gute Wirtschaftspolitik kurbelt das Wachstum an und schafft mehr Beschäftigung. Inwieweit dies in Deutschland, Österreich und der Schweiz tatsächlich gelingt, zeigt das D A CH-Reformbarometer. Mit diesem Indikator nehmen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die Wirtschaftskammer Österreich und Avenir Suisse seit 2002 die Politik der drei Länder unter die Lupe. Ihr Befund für 2014 fällt nicht gut aus. Für Deutschland wies das Reformbarometer Ende 2014 mit 111,2 Punkten fast 1 Punkt weniger als als zu Jahresbeginn. In Österreich und der Schweiz ging es leicht abwärts. Maßgeblich dafür waren im Einzelnen folgende Entwicklungen.

Deutschland
Im Juli 2014 trat die Rentenreform in Kraft, mit der die Große Koalition zwei sozialpolitische Wahlversprechen umsetzte – die Mütterrente und die Rente mit 63. Beide Projekte bürden den jüngeren Beitragszahlern allerdings erhebliche Zusatzlasten auf. Im vergangenen Sommer wurde auch der gesetzliche Mindestlohn beschlossen – dessen beschäftigungspolitische Folgen skeptisch zu betrachten sind. Entsprechend sackte das Reformbarometer für Deutschland innerhalb von nur zwei Monaten um 1,7 Punkte ab.

Zum Jahresende hin ist das Barometer dann wieder gestiegen – bei einigen Teilindikatoren gab es Pluspunkte. Im Bereich Steuern und Finanzen wirkte sich die Vorlage des ersten ausgeglichenen Bundeshaushalts seit 1969 vorteilhaft aus. Und der Teilindikator „Wettbewerb und Innovation“ wurde von der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung II beflügelt. Dahinter steckt die Einigung über die Finanzierung der Schieneninfrastruktur bis 2019, die unter anderem die Bundesmittel für diesen Verkehrssektor deutlich erhöht. Einen Satz nach oben machte das Barometer zum Jahresende auch im Bereich Arbeitsmarkt und Bildung.

Das lag zum einen an der Vorlage des Tarifeinheitsgesetzes, mit dem die Bundesregierung ein Nebeneinander konkurrierender Tarifverträge in einem Betrieb verhindern will. Für einen höheren Punktestand sorgte auch die Aufhebung des Kooperationsverbots in der Bildungspolitik. Künftig können Bund und Länder die Forschung und Lehre an Hochschulen unbefristet gemeinsam planen und finanzieren.

Diese vereinzelten Fortschritte ändern aber nichts daran, dass von einem echten Reform-Elan in Deutschland nichts zu sehen ist – obwohl Berlin genau solche Anstrengungen seit Jahren von den europäischen Partnern fordert.

Österreich
Die Richtung für das Reformbarometer gab hier das Abgabenänderungsgesetz vor – ein Bündel von Steuererhöhungen, die die Österreicher mehr als 1 Milliarde Euro kosten. Unter anderem steigen die Kfz- und Versicherungssteuer, die Abzugsfähigkeit von Zinsen und Lizenzgebühren wird eingeschränkt. Insgesamt mangelt es in Österreich an systematischen Reformen der staatlichen Strukturen: Viel Geld wird ineffizient verwendet und immer weniger Mittel stehen für wichtige Aufgaben wie Bildung, Forschung und Entwicklung sowie die Infrastruktur zur Verfügung. Das schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.



Schweiz

Bei den Eidgenossen wurde das Reformbarometer 2014 vor allem von zwei Maßnahmen beeinflusst. Negative Wirkung zeigte die vorgeschlagene Rentenreform, die zwar die große Finanzierungslücke in der staatlichen Altersvorsorge verkleinern würde, aber die notwendige Anhebung des Rentenalters fast vollständig ausklammert. Etwas besser fällt das Urteil über die Reformpläne zu den Unternehmenssteuern aus. Zwar muss die Schweiz unter dem Druck der EU und der G20-Staaten Privilegien für multinationale Unternehmen abschaffen. Die Reform versucht jedoch, den Attraktivitätsverlust für den Wirtschaftsstandort Schweiz zu minimieren. Festzuhalten ist allerdings, dass für die Schweizer Wirtschaft zuletzt vor allem Ereignisse prägend waren, die das Reformbarometer gar nicht abbildet. Hierzu gehört zum Beispiel der Erfolg der Volksinitiative „Gegen die Masseneinwanderung“ im Februar 2014, auf den die Politik ziemlich ratlos reagierte. Wie groß der Grad der Unsicherheit in der Schweizer Wirtschaftspolitik derzeit ist, zeigt auch die plötzliche Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank Anfang diesen Jahres.

Download [PDF, 53 Seiten - 732 KB]
D A CH-Reformbarometer für 2015


Über das D A CH-Reformbarometer
Das D A CH-Reformbarometer analysiert für Deutschland, Österreich und Schweiz, wie die drei Länder im Laufe des Jahres auf die bestehenden wirtschaftspolitischen Herausforderungen reagieren. Im Mittelpunkt steht die Reformpolitik der drei Nachbarstaaten in den Bereichen Arbeitsmarkt, Sozialsysteme, Steuern, Wettbewerb, Kapitalmarkt, Innovation und Infrastruktur.
Es ist eine gemeinsame Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, der Wirtschaftskammer Österreich und Avenir Suisse.

Im Forum zu CH

11 Kommentare

VC und PE in der Schweiz

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 29.05.2019: Gibt kein max Alter. Solltest ein MBB oder BB Praktikum gemacht haben und einen soliden Schnitt an einer Target Uni. Und dich früh genug bewerben ...

1 Kommentare

Jr. Merchandiser (Mode) - SCHWEIZ

WiWi Gast

Hallo zusammen, trotz aller Recherchearbeit fällt es mir schwer eine realistische Gehaltsvorstellung für eine Stelle als Jr. Merchandiser im Bereich Bekleidung/Mode in der SCHWEIZ zu formulieren. ...

5 Kommentare

Schweiz - Versicherung während Praktikum

WiWi Gast

Vielen Dank für die ganzen freundlichen und hilfreichen Rückmeldungen! Werde ich so umsetzen :) Liebe Grüße!

10 Kommentare

Wo in der CH bekommt man ein Praktikum einfach!

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 17.06.2019: wer glaubt man kann "Mundart" lernen ist sowieso nicht mehr zu helfen. In jedem Kanton gibt es eine andere Form Schweizerdeutsch, manchmal gibt es sogar d ...

4 Kommentare

Betreibungsauszug

WiWi Gast

Lieber löschen lassen. Manche Arbeitgeber sehen sowas ziemlich kritisch, gerade im Finanzbereich oder bei Jobs mit Budgetverantwortung. Ich kenne Vermieter in der Schweiz, die würden einem Bewerber mi ...

2 Kommentare

Strategische Einkäuferin Schweiz Gehalt

WiWi Gast

Hauptsache du machst hier 4 Threads auf deswegen...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema CH

Ein kleiner, roter Reisewecker mit einem Kreuz und der Innschrift Switzerland.

Kadersalär-Studie 2017: Bonus im Topmanagement von 85.000 CHF

Die Managersaläre in der Schweiz stagnieren. Vorsitzende der Geschäftsführung verdienen durchschnittlich 398.000 Schweizer Franken. Die Topverdiener unter den Schweizer Führungskräften sind dabei die Vorsitzenden von Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden. Ihr Salär beträgt im Schnitt 552.000 Schweizer Franken. Das Topmanagement erhält 2017 einen Bonus von durchschnittlich 85.000 Schweizer Franken.

Formular vom Finanzamt zur Einkommensteuererklärung.

Steuer- und Abgabenbelastung 2014 in Deutschland, Österreich und Schweiz stabil

Der Anteil von Steuern und Abgaben an den Gesamtarbeitskosten ist in Deutschland 2014 im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Das Einkommen eines unverheirateten Angestellten ohne Kind wurde durchschnittlich mit 49,3 Prozent belastet, das waren 0,09 Prozentpunkte mehr als 2013. Dies geht aus der OECD-Studie “Taxing Wages 2015” hervor, die den Steuerkeil für acht Familienkonstellationen modellhaft berechnet.

Weiteres zum Thema WiWi-News

Jahreswirtschaftsbericht 2017 - Bruttoinlandsprodukt wächst um 1,4 Prozent

Nach dem Verzicht auf seine Kanzlerkandidatur stellte Sigmar Gabriel den aktuellen Jahresbericht 2017 vor. Aus dem Bericht mit dem Titel „Für inklusives Wachstum in Deutschland und Europa“ geht hervor, dass das Bundeskabinett eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent erwartet. Grund für den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 1,7 auf 1,4 Prozent ist die geringere Anzahl von Arbeitstagen.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2016/17 »Zeit für Reformen« vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2016/17 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Zeit für Reformen«. Das neue Jahresgutachten hat drei Schwerpunktthemen: die Bewältigung der Flüchtlingsmigration, die Stärkung der Architektur der Europäischen Währungsunion und die Schaffung von Voraussetzungen für mehr Wachstum in Deutschland.

Ein Fenster mit einem Aufkleber: Made in Germany.

Herbstprojektion 2016 der Bundesregierung - Deutsche Wirtschaft wächst solide

In der aktuellen Herbstprojektion erwartet die Bundesregierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von preisbereinigt 1,8 Prozent im Jahr 2016, im Jahr 2017 um 1,4 Prozent und im Jahr 2018 um 1,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft wächst solide weiter, etwas weniger, als noch im Frühjahr angenommen. Der niedrige Ölpreis, der Wechselkurs und die Anstrengungen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms haben dazu beigetragen.

Ein weißes London-Taxi mit einer britischen Fahne auf der Motorhaube.

Brexit-Folgen für Deutschland: Ökonomen-Kommentare und Studien

Nach dem Brexit-Votum der Briten werden die wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts für Deutschland unter Ökonomen heiß diskutiert. Millionen britische Brexit-Gegner protestieren derweil gegen das Brexit-Votum vom 23. Juni 2016. In einer Online-Petition fordern sie eine zweite Volksabstimmung und hoffen auf einen Regrexit, den Exit vom Brexit.

Ein Baugerüst mit einem alten Bild in schwarz weiß mit Arbeitern von früher.

DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2016: Wachstum profitiert von Bau und Konsum

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für 2016 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, nachdem er zu Jahresbeginn noch einen Zuwachs von 1,3 Prozent prognostiziert hatte. Nach der jüngsten Konjunkturumfrage zieht das Wachstum an und die Erwartung der Unternehmen verbessert sich leicht.

Screenshot Homepage w-wie-wachstum.de

w-wie-wachstum.de - Portal zum Thema Wirtschaftswachstum

Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland seit 1991 zwar langsamer gestiegen als im Schnitt der Industrieländer. Doch in mancherlei Hinsicht war und ist das deutsche Wachstum nachhaltiger - zum Beispiel, weil viel Geld in die Forschung fließt. Zu den Schwachstellen zählen die eher niedrige Investitionsquote und der hohe Energieverbrauch. Fakten, Analysen, Grafiken und Videos zum Thema Wachstum bietet ein neues Portal des Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Screenshot ifw-glossar-zur-schuldenkrise

IfW-Glossar zur Schuldenkrise

Der IfW-Glossar zur Schuldenkrise erläutert die wichtigsten gut 30 Instrumente, Institutionen und Begriffe rund um die Finanzkrise. Zudem liefern gut 20 Links zu den Begriffen weiterführende Informationsquellen.

Beliebtes zum Thema News

BDU-Studie Consultingbranche 2019: Ein Unternhemensberater liest eine Wirtschaftszeitung.

Consultingbranche 2019: Beratertalente bleiben umkämpft

In der Consultingbranche ist der Branchenumsatz 2018 um 7,3 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro gestiegen. Auch für 2019 sind die deutschen Unternehmensberater lautet der Branchenstudie „Facts & Figures zum Beratermarkt“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) zuversichtlich. Die Jobaussichten für Beratertalente sind erneut entsprechend gut. 90 Prozent der großen und Dreiviertel der mittelgroßen Beratungen planen, in 2019 zusätzliche Juniorberater und Seniorberater einzustellen.

Die Großbuchstaben "KI" auf einer Taste stehen für "Künstliche Intelligenz"

Künstliche Intelligenz ist Top-Thema bei Unternehmen

Neun von zehn Managern erwarten grundlegende Veränderungen bei ihren Geschäftsprozessen und Kundeninteraktionen durch Künstliche Intelligenz (KI). Die strategische Bedeutung von Künstlicher Intelligenz zieht daher Anpassung der Unternehmens­strategie nach sich. Effizienz und Kundenzentrierung werden dabei derzeit als größtes Potenzial der KI-Technologien gesehen, so die Ergebnisse von Lünendonk und Lufthansa Industry Solutions in ihrer Sonderanalyse Künstliche Intelligenz.

Zwei Tassen mit einer Englandflagge und einer Uhr, die fünf vor zwölf anzeigt.

EuGH: "Rücktritt" vom BREXIT möglich

Großbritannien kann den Brexit einfach absagen. Zu diesem Schluss kommt der EuGH-Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona. Die Mitteilung aus der Union auszutreten, könne Großbritannien einseitig zurückzunehmen, Artikel 50 des EU-Vertrags lasse das zu. Diese Möglichkeit bestehe für Großbritannien jedoch lediglich bis zu dem Zeitpunkt, an welchem das EU-Austrittsabkommen abgeschlossen ist.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2018/19 vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2018/19 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Vor wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen«. Das neue Jahresgutachten hat vier Schwerpunktthemen: Globalisierung und Protektionismus, Europa und der Brexit, Handlungsbedarf beim demografischen Wandel und die Digitalisierung.

Ein Mann mit Kopftaschenlampe sieht sich den Sternenhimmel an.

Digitalstrategen: Chief Digital Officer (CDO) – das Einhorn unter den Top-Managern

Das Berufsbild des Chief Digital Officer (CDO) ist brandneu. Aktuell haben erst lediglich zwei Prozent der großen Unternehmen die Position eines CDO geschaffen. Der digitale Wandel muss jedoch in der Unternehmensspitze verankert werden. Dies ist Aufgabe des Chief Digital Officers, welcher eine Digitalstrategie erarbeiten und die Digitalisierung von Unternehmen und Geschäftsmodellen vorantreiben und gestalten soll.

Der Ausschnitt einer Computertastatur zeigt die Buchstaben CDO für Chief Digital Officer.

Chief Digital Officer: Digitalchefs definieren Rolle selbst

Bis 2025 muss jede Führungskraft ein digitales Verständnis mitbringen. Verantwortlich für die Digitalstrategie und den digitalen Wandel von Unternehmen ist der Chief Digital Officer (CDO). Die Digitalchefs definieren ihre Rolle und ihre Aufgaben dabei meist selbst. Zentrale Aufgaben sind das Trendscouting, das Formulieren einer Digitalstrategie und und die Digitalisierung interner Prozesse. Die wichtigsten Kompetenzen des CDO sind Innovationskraft, Veränderungswillen und die Fähigkeit zur Kollaboration. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum zu Profil, Rolle und Kernkompetenzen des CDO.

Cover: Die Unternehmensberatung: Von der strategischen Konzeption zur praktischen Umsetzung

Die Unternehmensberatung

Der Beratungsbranche boomt durch die Digitalisierung. Welche Anforderungen stellt die Digitalisierung an die Beratungsbranche? Was fasziniert so viele Absolventen der Wirtschaftswissenschaften an der Unternehmensberatung? Berater-Flüsterer Dirk Lippold zeigt in der neu erschienen dritten Auflage seines Consulting-Klassikers »Die Unternehmensberatung«, wie sich die Beratung zukünftig verändern wird.