DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
EinkommensentwicklungGender Pay Gap

Gender Pay Gap: Männer verdienen gar nicht so viel mehr als Frauen

Lediglich rund fünf Prozent beträgt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern durchschnittlich, wenn ausschließlich vergleichbare Tätigkeiten betrachtet werden. Die Größe der Entgeltlücke variiert jedoch zwischen Unternehmen und Funktionen, wie eine aktuellen Gehaltsstudie von Kienbaum zeigt.

Gehaltsstudie-2015 Entgeltlücke Frauen-Männern

Gender Pay Gap: Männer verdienen gar nicht so viel mehr als Frauen
Gummersbach, 30.03.2015 (kb) - Rund fünf Prozent beträgt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern mit vergleichbarer Tätigkeit laut einer aktuellen Kienbaum-Kurzstudie. Die Beratungsgesellschaft Kienbaum hat dafür detaillierte Gehaltsdaten zu über 8.000 Positionen aus Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenklassen ausgewertet und die Gehälter von Frauen und Männern, die in den jeweiligen Unternehmen vergleichbare Tätigkeiten ausüben, miteinander verglichen.

Im Vergleich zu dieser bereinigten Entgeltlücke beträgt die unbereinigte Entgeltlücke in Deutschland laut Angaben des statistischen Bundesamts derzeit im Schnitt rund 25 Prozent bei der Gesamtvergütung und 22 Prozent bei der Grundvergütung. Die unbereinigte Entgeltlücke entspricht dem durchschnittlichen Entgeltabstand von Frauen und Männern; spezifische Merkmale der jeweiligen Position oder Person werden bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt. In der von Kienbaum betrachteten Stichprobe ist die unbereinigte Entgeltlücke sogar noch deutlich größer: In den Unternehmen liegt die Gesamtvergütung der Männer knapp 32,5 Prozent über der der Frauen. Beim Grundgehalt sind es immerhin 29 Prozent.

„Der Grundgedanke unserer Auswertung ist die Zuordnung von Frauen und Männern, die innerhalb der jeweiligen Unternehmen möglichst vergleichbare Tätigkeiten ausüben“, sagt Studienautor Sebastian Pacher. „Aus diesem Grund haben wir uns für eine Zuordnung über die Jobfamilie entschieden. Diese sagt aus, ob ein Mitarbeiter beispielsweise in der Produktion, im Marketing oder im Controlling tätig ist. Innerhalb der Jobfamilie haben wir zusätzlich die Funktionsausprägung betrachtet, wobei wir zwischen verschiedenen Ausprägungen von Sachbearbeitern, Spezialisten und Leitern differenzieren. Die Messung der Lohnungleichheit erfolgt dann auf Basis von Frauen und Männern innerhalb der gleichen Jobfamilie und der gleichen Funktionsgruppe“, sagt Pacher. In der Unternehmenspraxis kann diese Zuordnung auch anhand anderer Kriterien erfolgen. „Wir empfehlen unseren Klienten, dass sie, wenn möglich eine Zuordnung anhand einer analytischen Stellenbewertung vornehmen“, sagt Kienbaum-Berater Sebastian Pacher.

Größe der Entgeltlücke variiert zwischen Unternehmen und Funktionen
Die bereinigte Entgeltlücke unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen erheblich. Bei 30 Prozent der Unternehmen beträgt die ermittelte Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern weniger als drei Prozent. Bei rund einem Drittel der Unternehmen verdienen Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit über zehn Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei immerhin einem Fünftel der Unternehmen ist es umgekehrt: hier verdienen Männer zwischen fünf und zehn Prozent weniger als vergleichbare Frauen.

Die Unternehmensgröße ist laut der Studie ein wichtiger Faktor, der diese Unterschiede erklären könnte. Bei mittelgroßen Unternehmen mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern fällt die errechnete Entgeltlücke mit knapp über zehn Prozent deutlich höher aus als bei großen Unternehmen mit mehr 1.000 Mitarbeitern, bei denen keine signifikanten Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern festgestellt werden. Bei kleineren Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern ergibt sich eine bereinigte Entgeltlücke von 5,6 Prozent. „Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen finden wir zum Teil noch historisch gewachsene Vergütungssysteme und -strukturen vor. Außerdem fällt es diesen Unternehmen oft noch schwer, geeignete Karrierewege zu schaffen, um Mitarbeiterinnen einen reibungslosen Wiedereintritt beispielsweise nach Mutterschutz und Elternzeit zu ermöglichen“ sagt Julia Zmítko, Leiterin Datamanagement bei Kienbaum in Frankfurt.

Entgeltlücke ist bei Sachbearbeitern und Spezialisten am größten
Auch die Beschäftigungsstruktur in den jeweiligen Unternehmen kann eine Rolle spielen. Je nach Hierarchieebene im Unternehmen sind die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen sehr unterschiedlich: Die größte Entgeltlücke in der Kienbaum-Stichprobe besteht bei den Sachbearbeitern und Spezialisten mit rund sieben bis acht Prozent. „Auch dieses Ergebnis kann mit dem durchaus häufigen und üblichen Wiedereinstieg nach Mutterschutz und Elternzeit in diesen Funktionsebenen und Funktionsfamilien zusammenhängen“, sagt Julia Zmítko. „Bei den Leitungspositionen können wir hingegen keine signifikanten Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen“, sagt Kienbaum-Beraterin Zmítko.

Analyse von Entgeltunterschieden oft zu oberflächlich
Für die Analyse von Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern hat Kienbaum ein Verfahren entwickelt, bei dem jeder Mitarbeiterin ein oder mehrere männliche Kollegen zugeordnet werden. Die Messung der Lohngleichheit erfolgt dann nur auf Basis von Frauen und Männern mit gleichen Eigenschaften. Vermeintliche Entgeltunterschiede innerhalb eines Unternehmens können somit schnell identifiziert und systematisch behoben werden. „Mit diesem Ansatz bleiben wir nicht bei einer oberflächlichen Analyse der Entgeltunterschiede stehen. Vielmehr betrachten wir tatsächlich vergleichbare Mitarbeitergruppen und können so konkrete Handlungsempfehlungen für die Unternehmen erarbeiten, um eventuell bestehende Ungleichheiten abzubauen“, sagt Julia Zmítko, Leiterin Datamanagement bei Kienbaum in Frankfurt.

 

Im Forum zu Gender Pay Gap

12 Kommentare

Master steuerlich geltend machen?

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 20.04.2018: Du kannst die gesamten Studiengebühren sowie ein paar andere, kleinere Ausgaben (Fahrt vom Heimatort zum neuen Studienort) geltend machen. Die werden dir dann voll ...

30 Kommentare

"Da kommt ja unser Topverdiener" - Jung und gutes Gehalt, Neid aus dem Freundeskreis

WiWi Gast

Ich glaube, da hilft nur eine Neuorientierung. Niemand ist perfekt, jedoch gesellt sich "gleich und gleich" halt sehr oft lieber. Außerdem reagieren Freunde oft ziemlich empfindlich, wenn sich vermein ...

29 Kommentare

Zielgruppe Berufseinstieg: 2015-2018. Wie hoch war eurer Einstiegsgehalt?

WiWi Gast

rechnet ihr vermögenswirksame leistungen und direktversicherungen mit in eurer gehalt?

1 Kommentare

KPMG Data Analytics Consultant

WiWi Gast

Hatte heute ein Tel Interview für oben genannten Job in Wien und der Berater hat 50k + Bonus mit Double Degree und ohne relevante Berufserfahrung direkt zugestimmt. Ist das das neue Normal für KPMG ...

8 Kommentare

Bachelor - wann wird die Luft dünner?

WiWi Gast

Genau das sehe ich bei mir auch, jeder meint es is sinnlos und eher performen zählt aber trotzdem haben alle höheren Angestellten einen MBA oder Top Master WiWi Gast schrieb am 20.04.2018: ...

1 Kommentare

Kerkhoff Einstiegsgehalt

WiWi Gast

Hat jemand Infos zum Einstiegsgehalt bei Kerkhoff?

3 Kommentare

Grosser Ruf oder hohes Gehalt

WiWi Gast

UB A+B - ähnlich beim Gehalt - keine Reisezeit spricht für B - Schulungen für B - Brand spricht für A und wär als 2. Station mein Fav. Für die Bleiben Option zusammensetzen und über deine A ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Gender Pay Gap

Zwei Frauen schauen sich zwei Bilder von Frauen an.

Frauen verdienen in Deutschland ein Fünftel weniger als Männer

In keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt wie in Deutschland. Eine neue Datenbank der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass eine vollbeschäftigte Frau in Deutschland knapp 22 Prozent weniger verdient als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent.

Weiteres zum Thema Einkommensentwicklung

Ein Senior mit Brille, einem grauen Haarkranz und einem grünen Pullover über den Schultern.

Lebenseinkommen: Akademiker verdienen 1,25 Millionen Euro mehr als Hilfsarbeiter

Vollzeitbeschäftigte Akademiker verdienen auf das ganze Berufsleben gerechnet im Durchschnitt gut 1,25 Millionen Euro mehr als mit Helfertätigkeiten. Dennoch gibt es auch Akademiker-Jobs, die schlechter bezahlt werden als Tätigkeiten auf Fachkräfteniveau. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu den berufsspezifischen Lebensentgelten.

Beliebtes zum Thema Gehalt

Stepstone Gehaltsreport 2018: Das Bild zeigt zwei Lego-Männchen Frau und Mann im Anzug (Wirtschaftsingenieurin und Wirtschaftsinformatiker) vor einem Computer.

StepStone Gehaltsreport 2018: Wirtschaftsingenieure und Wirtschaftsinformatiker sind Topverdiener

Fachkräfte und Führungskräfte mit einem Studienabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik verdienen ausgezeichnet. Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 70.231 Euro liegen die Wirtschaftsingenieur hinter Medizin und Jura auf Platz drei der zurzeit lukrativsten Studiengänge. Die Wirtschaftsinformatiker verdienen mit 69.482 Euro ähnlich gut und sind hinter den Ingenieuren auf Rang fünf im StepStone Gehaltsreport 2018. Mit einem Abschluss in BWL, VWL oder Wirtschaftswissenschaften sind die Gehälter als Key Account Manager mit 75.730 Euro und als Consultant mit 67.592 Euro am höchsten.

Zwei Bitcoin-Münzen auf einer beleuteten Computer-Tastatur.

Bitcoin-Gewinne: Nach Höhenflug droht Ärger mit Finanzamt

Für viele Anleger in Kryptowährungen wie den Bitcoin oder Ethereum sprudelten im vergangenen Jahr die Gewinne. Wer die Bitcoin-Gewinne aus dem Jahr 2017 bei der Einkommensteuer nicht ordnungsgemäß versteuert, dem droht Ärger mit dem Finanzamt. Erst nach einer Haltedauer von einem Jahr unterliegen Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen nicht mehr der Steuerpflicht. Gewinne aus dem Bitcoin-Mining sind ebenfalls steuerpflichtig,

Das Bild zeigt als Symbol für Reichtum und eine ungleiche Vermögensverteilung die riesen Luxus-Yacht eines Milliardärs.

Reichtum ungleich verteilt: Rekordhoch von 2043 Milliardären

Die Anzahl der Milliardäre stieg auf ein Rekordhoch von 2043 Milliardären. 82 Prozent des 2017 erwirtschafteten Vermögens floss in die Taschen des reichsten Prozents der Weltbevölkerung. Jeden zweiten Tage kam ein neuer Milliardär hinzu. Die 3,7 Milliarden Menschen, die die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, profitieren dagegen nicht vom aktuellen Vermögenswachstum. Das geht aus dem Bericht „Reward Work, not Wealth 2018“ hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam veröffentlicht hat.

Einstiegsgehalt Wirtschaftswissenschaftler

IG Metall Gehaltsstudie 2016/2017 - Einstiegsgehälter Wirtschaftswissenschaftler

Was verdienen Wirtschaftswissenschaftler beim Berufseinstieg? In Unternehmen mit einem Tarifvertrag verdienten junge Wirtschaftswissenschaftler mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung in 2016 durchschnittlich 49.938 Euro im Jahr. In nicht tarifgebundenen Betrieben lagen die Einstiegsgehälter von Wirtschaftswissenschaftlern mit 42.445 Euro etwa 17,7 Prozent darunter. Im Vorjahr hatte dieser Gehaltsvorteil bei den Wirtschaftswissenschaftlern noch 33 Prozent betragen.

Titelblatt StepStone Gehaltsreport 2017

StepStone Gehaltsreport 2017: Was Fach- und Führungskräfte mit Wirtschaftsstudium verdienen

In Deutschland verdienen Fachkräfte und Führungskräfte durchschnittlich 57.100 Euro. Akademiker verdienen im Schnitt 37 Prozent mehr. Mit einem Wirtschaftsstudium beträgt das Brutto-Jahresgehalt inklusive variablem Anteil in "BWL, VWL und Wirtschaftswissenschaften" im Schnitt 65.404 Euro, in Wirtschaftsinformatik 68.133 Euro und in Wirtschaftsingenieurwesen sogar 70.288 Euro.

Titelblatt StepStone Gehaltsreport 2017

Absolventen-Gehaltsreport 2017: Wirtschaftsingenieure mit 48.200 Euro die Spitzenverdiener

Die Wirtschaftsingenieure verdienen unter den Absolventen der Wirtschaftswissenschaften mit durchschnittlich 48.238 Euro am meisten. Auch bei den Einstiegsgehältern aller Studiengänge liegen die Wirtschaftsingenieure hinter den Medizinern auf Rang zwei im StepStone Gehaltsreport für Absolventen 2017. Wirtschaftsinformatiker erhalten 45.449 Euro, Absolventen der BWL, VWL und Wirtschaftswissenschaften steigen mit 42.265 Euro ein.