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EinkommensentwicklungGender Pay Gap

Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen bei allen Einkunftsarten

Insgesamt erzielen Frauen im Durchschnitt nur halb so hohe Einkommen wie Männer. Die Einkommenslücke ist bei Kapital- und Vermietungseinkünften dabei niedriger als bei Arbeits- und Gewinneinkommen. Das sind Ergbnisse einer DIW-Studie, die für Deutschland erstmals Gender Income Gap und Gender Tax Gap untersucht hat.

Zwei Frauen mit langen Haaren schauen zusammen auf einem Bildschirm.

Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen bei allen Einkunftsarten
Berlin, 04.09.2014 (diw) - Nicht nur beim Arbeitslohn, sondern auch unter Berücksichtigung von Gewinn-, Kapitaleinkommen und Renten erzielen Frauen in Deutschland deutlich niedrigere Einkommen als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). DIW-Steuerexperte Stefan Bach hat erstmals für Deutschland nicht nur das Arbeitseinkommen, sondern die gesamte Einkommensverteilung und Steuerlastverteilung nach Geschlechtern getrennt analysiert und den Gender Income Gap und Gender Tax Gap berechnet. Insgesamt erzielen Frauen demnach im Durchschnitt etwa die Hälfte des Einkommens der Männer. Bei Kapital- und Vermietungseinkommen ist dieser Abstand weniger ausgeprägt als bei Arbeits- und Gewinneinkommen. Insgesamt sind die durchschnittlichen Einkommensteuerbelastungen der Frauen zwar deutlich geringer als die der Männer, durch das Ehegattensplitting fallen sie aber in den unteren und mittleren Einkommensklassen deutlich höher aus als die von Ehemännern mit vergleichbarem Einkommen.

Dass in Deutschland Frauen mit ihrer Arbeit im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, ist bekannt; der sogenannte Gender-Pay-Gap wurde vielfach analysiert. Ein großer Teil dieses Lohnabstands kann durch die häufigere Teilzeitarbeit, durch geschlechtsspezifische Unterschiede bei Berufen, Branchen, Karriere, Berufserfahrung, Arbeitszeit, Familienbeziehungen und andere sozio-demographische Faktoren erklärt werden. Zum ersten Mal wurden nun für Deutschland auch der Gender Income Gap und der Gender Tax Gap untersucht. Dazu bezog DIW-Steuerexperte Stefan Bach in seine geschlechtsspezifische Analyse die gesamte Einkommens- und Steuerlastverteilung ein, analysierte also neben den Jahreseinkommen aus Erwerbstätigkeit auch weitere Einkommensarten wie Unternehmens- und Vermögenseinkommen, Alterseinkommen, einschließlich der sehr hohen Einkommen. Grundlage seiner Analyse war die Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2007, da aktuellere Daten bisher noch nicht vorliegen. Seither dürfte sich jedoch an der Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen nicht viel geändert haben, da sich die Wirkungen der gestiegenen Erwerbsbeteiligung und der ebenfalls steigenden Teilzeitquote von Frauen in etwa ausgleichen dürften.

Frauen erzielen höheres Pro-Kopf-Einkommen aus Vermietung als Männer
Die deutsche Steuerstatistik erfasst 2007 etwa gleich viele Frauen (26,8 Millionen) und Männer (27,5 Millionen). Rechnet man alle Einkommen zusammen, erzielen die Frauen aber nur etwa 47 Prozent des gesamten Bruttoeinkommens der Männer. Umgerechnet auf das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen sind es 49 Prozent. Gliedert man die Bevölkerung nach Einkommensgruppen, so findet sich der Großteil der Frauen in den unteren Klassen: Stellen sie bis 25 000 Euro Jahreseinkommen noch die größte Gruppe, so gibt es ab einem Bruttoeinkommen von 40 000 Euro mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen, bei Einkommen von über 75 000 Euro machen die Frauen nur noch ein Fünftel der Männer und weniger aus.

Die Löhne und Gehälter aus unselbständiger Arbeit sind mit einem Anteil von 70 Prozent an den gesamten Bruttoeinkommen die wichtigste Einkommensquelle. Entsprechend ergeben sich bei den Arbeitseinkommen ähnliche Verteilungen wie bei den Gesamteinkommen: Ab den mittleren Arbeitseinkommen von 25 000 Euro dominieren die Männer. Bei den hohen Arbeitseinkommen ab 75 000 Euro finden sich nur wenige Frauen (20 Prozent). Insgesamt erzielen Frauen nach den Daten der Steuerstatistik etwa 61 Prozent des Pro-Kopf-Arbeitseinkommens der Männer. Da die oft von Frauen ausgeübten Mini-Jobs dort jedoch nicht erfasst werden, dürfte das tatsächliche durchschnittliche Pro-Kopf-Arbeitseinkommen der Frauen noch etwas darunter liegen. Ein ähnlich hoher geschlechtsspezifischer Einkommensabstand wie bei den Arbeitseinkommen zeigt sich auch bei den Renten, Pensionen und Lohnersatzleistungen, die sich aus früheren Arbeitseinkommen ableiten.

Nur gut halb so viele Frauen wie Männer erzielen Gewinneinkommen, also Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit. Sie erwirtschaften insgesamt 27 Prozent des gesamten Gewinneinkommens und die Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Gewinneinkommens der Männer. Allerdings geht bei den hohen Gewinneinkommen der Frauenanteil nicht so stark zurück wie bei den Löhnen. Hier dürften Beteiligungen an Familienunternehmen eine maßgebliche Rolle spielen. Deutlich geringer als bei allen anderen Einkommensarten ist die Streuung bei den Kapitaleinkommen und den Vermietungseinkommen, die Frauen haben sogar ein leicht höheres durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen aus Vermietung als die Männer.

Betrachtet man die Steuerbelastung, so zahlen Frauen zwar insgesamt absolut weniger Einkommensteuer. Ihre durchschnittliche Steuerbelastung ist mit 84 Prozent der durchschnittlichen Belastung der Männer allerdings viel höher, als aufgrund des Einkommensrückstands und des progressiven Steuertarifs zu erwarten wäre. Durch die Besteuerung nach dem Splitting-Verfahren bekommen die zumeist niedriger verdienenden Ehefrauen das höhere Einkommen der Ehemänner teilweise zugerechnet. Daher zahlen Ehefrauen mit niedrigen und mittleren Einkommen im Durchschnitt deutlich höhere Steuersätze als Ehemänner mit gleichem Einkommen.

Download DIW Wochenbericht 35/2014 [PDF, 24 Seiten - 850 KB]
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.480434.de/14-35.pdf

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