DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
Arbeitsleben & HR-NewsArbeitszeiten

Deutsche Jahresarbeitszeiten im europäischen Mittelfeld

In Deutschland werden einer Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik in Gelsenkirchen zufolge im Durchschnitt 1756 Stunden im Jahr gearbeitet.

Eine Seilbahn fährt nach oben.

Deutsche Jahresarbeitszeiten im europäischen Mittelfeld
Gelsenkirchen, 04.10.2005 (iat) - Die Deutschen arbeiten länger als angenommen: Im angeblichen »Freizeitparadies« Deutschland arbeiten die Vollzeit-Beschäftigten im Durchschnitt 1.756 Stunden im Jahr - 99 Stunden über Tarif - und liegen damit im Mittelfeld der alten Europäischen Union. Das zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), für die auf der Basis der in allen EU-Ländern durchgeführten Europäischen Arbeitskräftestichprobe die gewöhnlich gearbeiteten Wochen- und Jahresarbeitszeiten für Vollzeitbeschäftigte berechnet wurden.

»Angesichts dieser Zahlen sind Arbeitszeitverlängerungen kein sinnvolles Rezept, sondern eine Kriegserklärung an die nachwachsende Generation«, sagt IAT-Vizepräsident Professor Dr. Gerhard Bosch. Kürzere Jahresarbeitszeiten als in Deutschland gibt es in den Niederlanden (1.712), den skandinavischen Ländern, Italien und Frankreich, an längsten müssen die Briten (1.937) arbeiten. Die neuen osteuropäischen Länder haben längere Jahresarbeitszeiten, haben sich aber aufgrund starker Verkürzungen ihrer Arbeitszeiten in den letzten Jahren dem westeuropäischen Niveau angenähert.

Die angesichts der deutschen Debatte über kurze Arbeitszeiten überraschend hohe Durchschnittszahl für die gewöhnlich gearbeiteten Jahresarbeitszeiten von Vollzeitbeschäftigten lässt sich u.a. dadurch erklären, dass die in den Betrieben vereinbarte Arbeitszeit pro Woche mittlerweile rund eine Stunde über der durchschnittlichen tariflichen Wochenarbeitszeit liegt. Die tatsächliche Arbeitszeit hat sich seit Mitte der 90er Jahre von den vereinbarten Arbeitszeiten abgekoppelt und ist gestiegen. »Dies liegt an einem hohen Niveau von bezahlten, zunehmend aber auch unbezahlten Überstunden, an nicht genommenem Urlaub, sinkendem Krankenstand und auf Arbeitszeitkonten angesparten Zeitguthaben«, stellte der IAT-Wissenschaftler Dr. Sebastian Schief fest. »Im Kontext der demografischen Entwicklung hat die Forderung nach Arbeitszeitverlängerung keinen Sinn«, kritisieren die IAT-Forscher.

Bis über 2015 hinaus kommt eine steigende Anzahl Jugendlicher in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig sollen mit Beendigung der Vorruhestandspolitik und der Erhöhung des Renteneintrittsalters bis 2010 rund 800.000 55- bis 64-Jährige mehr als heute beschäftigt werden. »Diesen Spagat einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit und einer Integration der nachwachsenden Generation, die später die Renten finanzieren soll, kann man nicht bewältigen, wenn zusätzlich noch die Wochenarbeitszeiten ausgedehnt werden«, ist sich Professor Bosch sicher. »Dies kann man nur als eine Kampfansage an die nachwachsende Generation bezeichnen.«

Die Dauer der Arbeitszeit ist zudem kein hinreichender Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Kosten eines Produkts hängen nicht nur von der Arbeitszeit, sondern auch von den Lohnsätzen und der Stundenproduktivität ab. Die Reallöhne sind in Deutschland im letzten Jahrzehnt im Unterschied zu den meisten anderen Industrieländern gesunken. Durch die gewerkschaftliche Politik der Lohnzurückhaltung hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erheblich verbessert, so dass Deutschland im internationalen Vergleich kein Lohnproblem hat. In Ländern mit kürzeren Arbeitszeiten, darunter auch Deutschland, liegt zudem aufgrund einer effizienteren Arbeitsorganisation, längeren Maschinenlaufzeiten und höherer Stundenleistung die Stundenproduktivität höher als in Ländern mit längeren Arbeitszeiten. In einer von der Öffentlichkeit kaum beachteten »stillen Revolution« sind die Arbeitszeiten in Deutschland flexibler als in den meisten anderen europäischen Ländern geworden. Die Arbeitszeiten verändern sich heute mit den Auftragsschwankungen und den Kundenströmen; durch neue Schichtsysteme konnten die Maschinenlaufzeiten verlängert werden. »Nicht die Verlängerung, sondern die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist heute das Gebot der Stunde.«

Im Forum zu Arbeitszeiten

20 Kommentare

Arbeitszeit bei Big4 einhalten

WiWi Gast

Wie die alle keine Ironie mehr erkennen... "tragischer Wendepunkt" lol WiWi Gast schrieb am 17.10.2019: ...

8 Kommentare

Arbeitszeitgesetz vs. IB/UB Arbeitszeiten

WiWi Gast

Das arbeitszeitgesetz gilt nicht für leitende angestellte. Da es dafür keine einheitliche Definition gibt (wenn kein entsprechender Tarifvertrag oder ähnliches im Unternehmen existiert) beruft man sic ...

14 Kommentare

40h Woche

WiWi Gast

Was für einen Background / Profil hast du? WiWi Gast schrieb am 29.09.2019: ...

28 Kommentare

Arbeitszeiten

WiWi Gast

Ich arbeite auch eher der Erfüllung wegen (Bezahlung muss dennoch sehr angemessen sein). Müssen auch keine IB/UB-Zeiten sein. In meinem Beruf will ich einfach einer der Besten sein und für den Kunden ...

7 Kommentare

Arbeitszeiten Big4 M&A

WiWi Gast

Dafür diskutiert du stundenlang über den Beta Faktor und machst keine Deals WiWi Gast schrieb am 03.08.2019: ...

5 Kommentare

Consulting mit "familienfreundlichen" Arbeitszeiten

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 01.08.2019: Aus MBB Sicht kann ich das tlw bestätigen, wir "werfen" tatsächlich oft Leute, die außer 95 Perzentil aufwärts Intelligenz nicht sonderlich viel themati ...

47 Kommentare

Big 4 Arbeitszeiten

WiWi Gast

Warum ist das wichtig? Ich war auf einer TU9.

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Arbeitszeiten

Weiteres zum Thema Arbeitsleben & HR-News

KMU-Personalarbeit-Studien  kleine-und-mittlere Unternehmen

KOFA.de – Portal zur Personalarbeit in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)

Das Portal KOFA.de hilft kleinen und mittleren Unternehmen dabei, ihre Personalarbeit zu verbessern. Ziel des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) ist es, zentraler Ansprechpartner zur Personalarbeit und Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu sein. KOFA bietet Hilfe bei der Auswahl, Planung und Umsetzung von Maßnahmen in der Personalarbeit.

perso-net.de - Portal Personalthemen und HRM

»perso-net.de« Portal zu Personalthemen mittelständischer Unternehmen

Das Online-Portal »perso-net.de« bietet umfassendes Wissen zum Personalmanagement und ist speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen zugeschnitten.

Screenshot Homepage demowanda.de

demowanda.de - Fachportal zum demografischen Wandel der Arbeitswelt

Die Menschen werden älter, die Bevölkerungsentwicklung verändert den Arbeitsmarkt – der demografische Wandel bringt neue Herausforderungen für die Gesellschaft mit sich. Das neue Informationsportal demowanda.de beleuchtet die Arbeitswelt aus verschiedenen Perspektiven unter dem Aspekt des demografischen Wandels. Wie verändert sich der Arbeitsmarkt? Welche Arbeitsbedingungen müssen geschaffen werden? Wie wichtig sind berufliche Aus- und Weiterbildung?

Ein Sozialversicherungsausweis in verschiedenen Sprachen.

Informationsportal.de - Neues BMAS-Portal unterstützt Arbeitgeber bei Sozialversicherung

Existenzgründer und Selbstständige als Arbeitgeber haben Fragen über Fragen, wenn es um die Einstellung von Arbeitnehmern geht. Welche Vorrausetzungen müssen erfüllt sein? Was muss bei einer Einstellung beachtet werden? Was passiert, wenn sich die Umstände ändern? Das neue Online-Angebot „Informationsportal“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützt zukünftige und erfahrene Arbeitgeber in allen relevanten Fragen zum Thema Sozialversicherung.

Finanzbranche: Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt am Main.

Spatial Economics: Rekordtief von Entfernungskosten verändert Geschäftsmodelle und Arbeitsleben

In der neuen posturbanen Ökonomie werden sich Menschen und ihre Arbeitsstätten zunehmend voneinander entfernen. Der Technologiewandel verändert, durch extrem gesunkene Kosten der räumlichen Distanz (Spatial Economics), die Lage von Produktionsstandorten und Beschäftigungsschwerpunkten. Das wird auch die Arbeitswelt beeinflussen. Mehr Mitarbeiter werden dadurch aus Vorstädten in ländlichere Gebiete ziehen, so lautet das Ergebnis der Studie "Spatial Economics: The Declining Cost of Distance" der Strategieberatung Bain.

Eine Frau mit blonden, langen Haaren hält ein Handy in der Hand.

Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung im Job belastet Familienleben und Gesundheit

Die Digitalisierung und permanente Erreichbarkeit für E-Mails und Anrufe per Smartphone belastet die Gesundheit und schadet dem Familienleben. Das Risiko an Burnout zu erkranken steigt und knapp ein Viertel der Beschäftigten fühlen sich durch die Arbeit emotional erschöpft. Dies sind Ergebnisse der Studie „Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten“.

Ein Schreibtisch mit einem Computer, einem Telefon und einer Kaffeetasse.

Arbeitnehmer halten sich im Home-Office für produktiver

Die Mehrheit der Teilnehmer einer Monster-Jobumfrage in Deutschland und Österreich meint, zu Hause adäquat arbeiten zu können. Jedoch nur drei von zehn der deutschen Großunternehmen glauben, Mitarbeiter seien im Home-Office produktiver als im Büro. Monster gibt Tipps für den richtigen Umgang mit der Home-Office Regelung.

Beliebtes zum Thema News

BDU-Studie Consultingbranche 2019: Ein Unternhemensberater liest eine Wirtschaftszeitung.

Consultingbranche 2019: Beratertalente bleiben umkämpft

In der Consultingbranche ist der Branchenumsatz 2018 um 7,3 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro gestiegen. Auch für 2019 sind die deutschen Unternehmensberater lautet der Branchenstudie „Facts & Figures zum Beratermarkt“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) zuversichtlich. Die Jobaussichten für Beratertalente sind erneut entsprechend gut. 90 Prozent der großen und Dreiviertel der mittelgroßen Beratungen planen, in 2019 zusätzliche Juniorberater und Seniorberater einzustellen.

Die Großbuchstaben "KI" auf einer Taste stehen für "Künstliche Intelligenz"

Künstliche Intelligenz ist Top-Thema bei Unternehmen

Neun von zehn Managern erwarten grundlegende Veränderungen bei ihren Geschäftsprozessen und Kundeninteraktionen durch Künstliche Intelligenz (KI). Die strategische Bedeutung von Künstlicher Intelligenz zieht daher Anpassung der Unternehmens­strategie nach sich. Effizienz und Kundenzentrierung werden dabei derzeit als größtes Potenzial der KI-Technologien gesehen, so die Ergebnisse von Lünendonk und Lufthansa Industry Solutions in ihrer Sonderanalyse Künstliche Intelligenz.

Zwei Tassen mit einer Englandflagge und einer Uhr, die fünf vor zwölf anzeigt.

EuGH: "Rücktritt" vom BREXIT möglich

Großbritannien kann den Brexit einfach absagen. Zu diesem Schluss kommt der EuGH-Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona. Die Mitteilung aus der Union auszutreten, könne Großbritannien einseitig zurückzunehmen, Artikel 50 des EU-Vertrags lasse das zu. Diese Möglichkeit bestehe für Großbritannien jedoch lediglich bis zu dem Zeitpunkt, an welchem das EU-Austrittsabkommen abgeschlossen ist.

Wirtschaftsweisen - Der Sachverständigenrat für Wirtschaft zur wissenschaftlichen Politikberatung.

Wirtschaftsweisen legen Jahresgutachten 2018/19 vor

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten 2018/19 vorgelegt. Das Jahresgutachten trägt den Titel »Vor wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen«. Das neue Jahresgutachten hat vier Schwerpunktthemen: Globalisierung und Protektionismus, Europa und der Brexit, Handlungsbedarf beim demografischen Wandel und die Digitalisierung.

Ein Mann mit Kopftaschenlampe sieht sich den Sternenhimmel an.

Digitalstrategen: Chief Digital Officer (CDO) – das Einhorn unter den Top-Managern

Das Berufsbild des Chief Digital Officer (CDO) ist brandneu. Aktuell haben erst lediglich zwei Prozent der großen Unternehmen die Position eines CDO geschaffen. Der digitale Wandel muss jedoch in der Unternehmensspitze verankert werden. Dies ist Aufgabe des Chief Digital Officers, welcher eine Digitalstrategie erarbeiten und die Digitalisierung von Unternehmen und Geschäftsmodellen vorantreiben und gestalten soll.

Der Ausschnitt einer Computertastatur zeigt die Buchstaben CDO für Chief Digital Officer.

Chief Digital Officer: Digitalchefs definieren Rolle selbst

Bis 2025 muss jede Führungskraft ein digitales Verständnis mitbringen. Verantwortlich für die Digitalstrategie und den digitalen Wandel von Unternehmen ist der Chief Digital Officer (CDO). Die Digitalchefs definieren ihre Rolle und ihre Aufgaben dabei meist selbst. Zentrale Aufgaben sind das Trendscouting, das Formulieren einer Digitalstrategie und und die Digitalisierung interner Prozesse. Die wichtigsten Kompetenzen des CDO sind Innovationskraft, Veränderungswillen und die Fähigkeit zur Kollaboration. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Kienbaum zu Profil, Rolle und Kernkompetenzen des CDO.

Cover: Die Unternehmensberatung: Von der strategischen Konzeption zur praktischen Umsetzung

Die Unternehmensberatung

Der Beratungsbranche boomt durch die Digitalisierung. Welche Anforderungen stellt die Digitalisierung an die Beratungsbranche? Was fasziniert so viele Absolventen der Wirtschaftswissenschaften an der Unternehmensberatung? Berater-Flüsterer Dirk Lippold zeigt in der neu erschienen dritten Auflage seines Consulting-Klassikers »Die Unternehmensberatung«, wie sich die Beratung zukünftig verändern wird.