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Deutsches Mitbestimmungsmodell besser als sein Ruf

Prof. Dr. Bernd Frick, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Privaten Universität Witten/Herdecke bricht eine Lanze für Arbeitnehmer-Mitbestimmung in deutschen Betrieben.

Betriebliche Arbeitnehmervertretungen Mitbestimmung Gewerkschaft

Deutsches Mitbestimmungsmodell besser als sein Ruf
Witten, 03.04.2006 (idw) - Professor Dr. Bernd Frick, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Privaten Universität Witten/Herdecke, bricht in einem Beitrag für das »Handelsblatt« (Nr. 57/06) eine Lanze für Arbeitnehmer-Mitbestimmung in deutschen Betrieben. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Thesen aus dem Beitrag:

Mitbestimmung wird insbesondere von vielen Arbeitgebervertretern immer wieder als ein Standortnachteil für Unternehmen in Deutschland bezeichnet. Deshalb wird die nahe liegende Frage kaum noch gestellt, ob die Mitbestimmung nicht vielleicht sogar ein strategischer Wettbewerbsvorteil ist, den es zu erhalten gilt. Mit Blick auf neuere wirtschaftswissenschaftliche Forschung liegt jedenfalls der Schluss nahe, dass Mitbestimmung dem Standort Deutschland eher nützt als schadet.

Die dazu verfügbaren Studien zum Einfluss von Betriebsräten auf die betriebliche Performance kommen zu sehr differenzierten Ergebnissen: Einem statistisch signifikant positiven Einfluss auf die Arbeitsproduktivität steht ein negativer auf die Arbeitskosten gegenüber; das Investitions- wie das Innovationsverhalten bleiben demgegenüber offenbar völlig unbeeinflusst. Schon diese Befunde widersprechen deutlich der allgemeinen Klage, bei den in lediglich 15 Prozent deutscher Unternehmen vorzufindenden Betriebsräten handele es sich um »wohlfahrtsmindernde Kartelle« oder gar »rücksichtslose Umverteilungsinstanzen«.

Eine größere Zahl von Untersuchungen zeigt weiterhin, dass in Unternehmen mit Betriebsräten nicht nur arbeitgeberseitige Entlassungen, sondern auch arbeitnehmerseitige Kündigungen sehr viel seltener vorkommen als in vergleichbaren Betrieben ohne Arbeitnehmervertretungen. Offenkundig tragen die Betriebsräte dabei auch den betrieblichen Interessen Rechnung. Darüber hinaus wird in Unternehmen mit einer aktiven Arbeitnehmervertretung signifikant mehr in die berufliche Erstausbildung und in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert. Schließlich wird durch Betriebsräte auch die Akzeptanz innerbetrieblicher Reorganisationsprozesse positiv beeinflusst, so Frick. Die große Mehrheit der Betriebsräte verstehe sich weniger als »Klassenkämpfer«, sondern als »verantwortungsbewusste Co-Manager«. In der empirischen Wirtschaftsforschung sei die »unkooperative« Arbeitnehmervertretung »eine recht seltene Spezies«, betont Frick, der an der Universität Witten/Herdecke den »Reinhard-Mohn-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und gesellschaftlichen Wandel« innehat.

 

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