WiWi Gast schrieb am 19.01.2026:
Hey Leute,
Ich möchte demnächst ein Studium anfangen. Leider bin ich mir noch unschlüssig welches Studium sich besser für die Arbeit in einer Steuerkanzlei/Wirtschaftsprüfung eignet. Macht ein BWL Studium mehr Sinn oder sollte ich eher zu Wirtschaftsrecht tendieren?
Wenngleich du in erster Linie nach deinen Neigungen gehen solltest, würde ich dir von Wirtschaftsrecht dringend abraten, aus folgenden Gründen:
1) Der Studiengang ist weder Fisch noch Fleisch. Du bist in sämtlichen Zahlenjobs (Controlling, Finance, etc.) danach fehl am Platz, weil das jeder Betriebswirt besser kann als du (und es gibt viele Betriebswirte). Deine Rechtskenntnisse sind schön, bringen dir aber nichts, weil du kein Rechtsanwalt/Richter/Staatsanwalt werden kannst. Du hast einen M.Sc. in Recht. Der ist in Deutschland leider genauso viel Wert wie ein McDonalds-Gutschein. Selbst in jeder Rechtsabteilung im Unternehmen wirst du dein ganzes Berufsleben einen Volljuristen als Vorgesetzten haben.
2) Wenn du im Steuerbereich arbeiten willst, ist der StB-Titel die einzige Währung, die zählt und auch die einzige Frage, die am Ende jemals irgendwen interessiert. Für das Examen lernst du in beiden Studiengängen nur in den Vertiefungen etwas Relevantes. Von daher spielt es keine Rolle. Auch hier würde ich dir im Zweifel aber eher noch zu den BWL-Vertiefungen raten, weil betriebswirtschaftliche Steuerlehre deutlich anwendungsorientierter ist als Steuerrecht.
3) Das oben Gesagte gilt für den WP-Bereich noch umso mehr. Wenn du nen gescheiten §13b-Studiengang (z. B. in Düsseldorf) nimmst, kannst du dir im WP-Examen sogar den BWL- und VWL-Teil schenken. Für den Rechtsteil gibt es diese Möglichkeit nicht.
4) Du bist mit BWL international deutlich anschlussfähiger als mit Jura. Die politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland ist so, dass du dir als potenzieller Gutverdiener in Zukunft Exit-Optionen offenhalten solltest (meine Empfehlung). Das geht mit BWL deutlich besser, weil du eben nicht nur StB oder WP, sondern eben auch noch Ökonom bist.
5) Für einen WP oder StB hat BWL das bessere Preis-/Leistungsverhältnis. Die Examina musst du sowieso bestehen und wenn du das geschafft hast, fragt niemand mehr nach dem Rest. Da BWL einfacher ist als WiRe oder Jura, ist es deutlich effizienter, den Weg zu gehen. Du kommst mit überschaubarem Einsatz zu einem Spitzeneinkommen. Glaub mir, wenn du mal Mitte 30 bist, fragt niemand mehr danach, wie schwer dein Studium war oder was du dort gemacht hast. Es interessiert nur noch, wieviel Kohle du nach Hause bringst und wieviel du dafür arbeiten musst.
antworten