DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
Job-Trends: ArbeitsmarktArbeitsmarktpolitik

Mythen der Arbeitsmarktpolitik

Wie beseitigt man die Arbeitslosigkeit? Christoph Eisenring, Wirtschaftskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, nennt zwei Punkte: maßvolle Tarifabschlüsse und Reformen, die zu einer Entregulierung am Arbeitsmarkt führen.

Der Reichstag in Berlin.

Mythen der Arbeitsmarktpolitik
Bonn, 20.02.2007 (openpr) - Wie beseitigt man die Arbeitslosigkeit? Dies ist ein zentrales Problem der Zeit, das die europäischen Länder in unterschiedlichem Maße betrifft. Christoph Eisenring, Wirtschaftskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), nennt zwei Punkte, die zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit geführt haben: Maßvolle Tarifabschlüsse und erste Reformen, welche zu einer Entregulierung am Arbeitsmarkt geführt hätten. Dadurch seien in der Euro-Zone in den vergangenen acht Jahren 12 Millionen Stellen entstanden. Auf der Grundlage neuester Erkenntnisse der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank beschreibt Eisenring die »populären Irrtümer der Arbeitsmarktpolitik« in den letzten zehn Jahren.

Als Mythos hat sich beispielsweise die 35-Stunde in Frankreich erwiesen, die es dort seit 2002 gibt. Ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeige aber, dass in der Vergangenheit diejenigen Länder einen besonders starken Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnet hätten, in denen auch die Erwerbsbeteiligung kräftig gewachsen sei. Dies gilt in der Euro-Zone in erster Linie für Spanien, Irland und die Niederlande. Zudem sei es unrichtig, dass Frauen am Arbeitsmarkt benachteiligt seien. „In den USA, deren Arbeitsmarkt besonders wenig reguliert ist, gibt es beim Risiko, arbeitslos zu werden, schon seit geraumer Zeit keine ausgeprägten Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern. In Österreich, Großbritannien und Irland sei die Arbeitslosenquote für Frauen sogar niedriger als diejenige für Männer.

Dass sich der Abbau staatlicher Regulierung segensreich auf die Beschäftigung auswirkt, zeigt sich auch darin, dass ein restriktiver Kündigungsschutz und ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn Jugendliche den Eintritt ins Erwerbsleben erschwert. Als Ausweg bieten sich befristete Arbeitsverträge an, so der NZZ-Korrespondent. Dank dieser Flexibilisierung habe sich die Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone in den vergangenen zehn Jahren von 23 auf 17,5 Prozent verringert. Eine maßvolle Lohnpolitik zahle sich ebenfalls aus und sorge für mehr Beschäftigung. »Ein ordentlicher Schluck aus der Pulle ist nicht der Königsweg für mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Zwischen 2001 und 2005 verlief die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone eher schleppend. Seit 2006 läuft es wieder besser. Dieser Aufschwung darf aber nicht durch zu hohe Tarifabschlüsse vorzeitig abgewürgt werden«, sagt Michael Müller, Geschäftsführer der a&o-Gruppe. Experten fordern daher, dass die Lohnsteigerungen auch weiterhin unter dem Produktivitätswachstum liegen sollen.

Zuletzt verabschiedet Eisenring noch den Mythos, wonach der Staat die Arbeitslosen für den Arbeitsmarkt fit halten müsse. Die USA und Großbritannien, die bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit recht erfolgreich sind, geben beispielsweise laut OECD weniger als 0,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes für aktive Arbeitsmarktpolitik aus. Dies halte die SPD jedoch nicht davon ab, nach einem »sozialen Arbeitsmarkt« zu rufen, in den 100.000 Langzeitarbeitslose verschoben werden sollten. Es scheint so, als habe sich die Sozialdemokratie noch nicht von den populären Irrtümern der Arbeitsmarktpolitik gelöst.
 

Im Forum zu Arbeitsmarktpolitik

6 Kommentare

Heilbronn /nahe Umgebung

WiWi Gast

Ist bei der Schwarz-Gruppe nur bedingt der Fall. Es werden sehr viele von Extern eingestellt. Siehe allein die ganzen Stellenausschreibungen auf Stepstone und co. WiWi Gast schrieb am 29.04.2018: ...

55 Kommentare

Mittel- / Südbaden

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 13.05.2018: Kenne an beratung nur "ECG Energie Consulting GmbH" in Kehl. Pharmaläden kenne ich auch nur Pfizer in Freiburg. Stryker (Medizintechnik) ebenfalls Freiburg. ...

5 Kommentare

Wo sucht ihr nach jobs?

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 15.04.2018: Exakt, das geht von überall. Sonst empfehle ich noch Messen, um firmen kennenzulernen (von denen man vorher einige evtl. nicht kannte, oder "vergessen" hatt ...

19 Kommentare

IT Outsourcing (IT-Töchter der DAX Industrie Unternehmen )

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 20.05.2018: Naja für die meisten bedeutet IT --> Frontend Desktop support : "Mein Laptop geht nicht --> IT Abteilung hilft" ...

2 Kommentare

Wo nach Jobs suchen?

WiWi Gast

Du suchst nur falsch...

14 Kommentare

Stellen überhaupt vorhanden?

WiWi Gast

So ziemlich jeder der auch nur im Ansatz irgendwas mit BWL studiert hat, angefangen von sozial- bis wein- und Sportbetriebswortschaft, reibt sich nach den ersten Absagen von Daimler, BMW, Bosch & Co. ...

31 Kommentare

Re: Digitalisierung: Da rollt was auf uns zu...

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 23.04.2018: Naturwissenschaftler... Das sind doch die, die sich einen zulassungsfreien Studiengang gesucht haben und dann in ihrem Bereich keinen Job gefunden haben. ...

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema Arbeitsmarktpolitik

Ein Pfeiler mit der roten Aufschrift: Hot Spot - Der WLAN Zugang ins Internet.

Jobrekord: ITK-Branche mit 40.000 neuen Arbeitsplätzen

Die ITK-Branche wächst weiterhin stark. Mit einem prognostizierten Umsatzplus von 1,7 Prozent auf 164 Milliarden Euro werden im laufenden Jahr etwa 42.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Wachstumstreiber ist vor allem die Informationstechnologie, die ein Umsatzplus von 3,1 Prozent und 88 Milliarden Euro verbucht. Software und IT-Services legen mit 6,3 Prozent am stärksten zu. So lauten die Prognosen des Digitalverbandes Bitkom für die ITK-Branche im Jahr 2018.

Personalberatung in Deutschland 2015/2016 – Führungskräfte im Vertrieb und Marketing besonders gefragt

Der Branchenumsatz der Personalberatung stieg in Deutschland im Jahr 2015 um 6,8 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Die Prognose für ein Umsatzplus in 2016 liegt bei 8,4 Prozent. Besonders nachgefragt sind Spezialisten in den Unternehmensbereichen Marketing und Vertrieb. Jede zweite Position wurde 2015 über Direktansprache, Anzeigensuche, Social-Media-Kanälen und Datenbanken besetzt.

Eine Frau von hinten mit schwarzer Jacke und rotem Kopftuch.

Deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, Arbeitslosigkeit wächst trotz Zuwanderung kaum

Die Konjunktur in Deutschland bleibt schleppend aufwärts gerichtet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2015 um 1,7 Prozent und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent zunehmen. Während in diesem Jahr die größten Impulse von den Exporten ausgingen, wird 2016 die Binnen­nachfrage eine noch größere Rolle spielen. Der Arbeitsmarkt wird den Zustrom an Flüchtlingen relativ gut verkraften.

Weiteres zum Thema Job-Trends: Arbeitsmarkt

Statistik: ITK-Branche 2016 - 20.000 neue Stellen und 1,7 Prozent Umsatzwachstum

Die ITK-Branche befindet sich weiterhin im Aufschwung. Mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent werden im laufenden Jahr mindestens 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Wachstumstreiber ist vor allem die Informationstechnologie, die einen Umsatzplus von 84 Milliarden Euro verbucht. Nach den aktuellen Ergebnissen des Digitalverbandes Bitkom soll die ITK-Branche auch im nächsten Jahr weiterwachsen, um 1,2 Prozent.

Beliebtes zum Thema Berufseinstieg

Eine weiße Tür mit der Aufschrift Schulungsraum.

Weiterbildung: Rückzahlung von Weiterbildungskosten bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses

Die Vereinbarung von Rückzahlungskosten in Verträgen unterliegen einer Angemessenheitskontrolle. Beim vorzeitigem Beenden einer Ausbildung wollen somit viele Arbeitgeber die Ausgaben zurückerstattet bekommen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat dennoch entschieden, dass diese Rückzahlungsklauseln an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft sind und somit oft als unwirksam gelten.

Eine Hand hält ein Smartphone.

Arbeitsvertrag: Textform ersetzt Schriftform – SMS und E-Mail werden rechtskräftig

In Zeiten der Digitalisierung ändert sich auch die Kommunikation im Büro. Viele wünschen sich die Forderung nach einer Gehaltserhöhung oder einem Freizeitausgleich per SMS an den Arbeitgeber zu schicken – ist das möglich? Tatsächlich ist dieser Tatbestand seit dem 01. Oktober 2016 rechtskräftig. Durch das Inkrafttreten der Änderungen im deutschen Vertragsrecht ist es ab sofort möglich, Ansprüche auch per Textform gelten zu machen. Dabei muss aber der Unterschied zwischen der „Textform“ und der altbekannten „Schriftform“ beachtet werden. Und reicht die Textform auch bei einer Kündigung aus?

Ein orangefarbenener Plastikstuhl.

Bewerbungsabsage: Bei Scheinbewerbung für Trainee-Programm kein Diskriminierungsschutz

Scheinbewerbungen haben keine Chance vor Gericht: Die Möglichkeit bei Ablehnung sich auf das Diskriminierungsgesetz zu berufen, ist nichtig. Damit wird das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Missbrauch geschützt. Dass vertritt das Bundesarbeitsgericht (BAG) und hat sich mit einer Fragestellung an den Europäischem Gerichtshof (EuGH) gewandet. Der EuGH entschied im Sommer 2016, dass nur ernsthafte Bewerber und Bewerberinnen unter dem AGG-Schutz gestellt werden. Scheinbewerbungen könnten sogar als Rechtsmissbrauch behandelt werden.