DieManager von Morgen WiWi-TReFF.de - Zeitung & Forum für Wirtschaftsstudium & Karriere
Branchentrends & NewsIB

Investmentbanken müssen Erträge und Image aufbessern

Regulatorische Vorgaben und schleppende wirtschaftliche Erholung setzen Erträge und Eigenkapitalrenditen unter Druck. Die Kapitalmarktteilnehmer müssen die richtigen Geschäftsmodelle wählen und sich stärker auf Kundenbedürfnisse fokussieren. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Das Finanzgebäude in Toronto in Kanada mit einem Banker oder Manager im Vordergrund, der einen Anzug trägt und zur Seite schaut.

Investmentbanken müssen Erträge und Image aufbessern
München, 07.05.2012 (bcg) - Makroökonomische Unsicherheit, neue Kapitalauflagen und negative Berichterstattung haben das Investmentbanking stark beeinträchtigt. Um Erträge und Renditen wieder auf Vorkrisenniveau zu steigern, müssen sich Investmentbanken entscheiden, welche Aktivitäten sie zukünftig verfolgen wollen – und zugleich einen stärkeren Fokus auf die Bedürfnisse ihrer Kunden legen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Tough Decisions and New Directions: Global Capital Markets 2012 der Boston Consulting Group (BCG), die gestern in New York vorgestellt wurde.

Banken können Profitabilität und Eigenkapitalrendite wiedererlangen
Die meisten der führenden Investmentbanken erzielen eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) von sieben bis zehn Prozent – das entspricht der Hälfte des historisch erreichten Niveaus und den von Investoren langfristig erwarteten Werten. Eine Rückkehr zu Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent oder mehr ist nur dann möglich, wenn die Banken geeignete Maßnahmen ergreifen, um ihre Erträge zu steigern, Kosten zu kontrollieren und ihre Kapital- und Liquiditätsmittel genauer zu steuern. "Wir gehen davon aus, dass alle Investmentbanken, unabhängig von ihrer Größe, der regionalen Aufstellung und Ausrichtung, ihre Profitabilität und Eigenkapitalrendite wiedererlangen können – trotz der enormen Herausforderungen, die sie bewältigen müssen", sagt Robert Grübner, BCG-Partner und Mitautor der Studie. "Doch nicht alle Marktteilnehmer werden sich behaupten können. Es gilt, klare Entscheidungen hinsichtlich Kunden, Märkten, Assetklassen und Produktportfolios zu treffen."

Investmentbanken müssen zunächst die Segmentierung ihrer Kundengruppen und das Volumen, das sie in den kommenden Jahren anstreben, definieren. Nach den Ergebnissen der Studie werden künftig rund 70 Prozent des Handelsvolumens elektronisch von Flow Providers abgewickelt; diese können durch Skaleneffekte eine Profitabilität erzielen, die fast wieder auf Vorkrisenniveau liegt. 20 Prozent des Handelsvolumens werden von Relationship Experts getrieben – Banken, die ihre Organisation angepasst haben, um sich voll auf die Kundenbedürfnisse zu konzentrieren. Dazu zählen Handelsaktivitäten, die weiterhin manuell durchgeführt werden müssen. Die übrigen zehn Prozent werden auf Principal Traders entfallen, die bereit sind, signifikante und langfristige Risiken zu tragen; sie werden Transaktionen vorwiegend illiquider Vermögenswerte übernehmen. Laut BCG-Studie werden darüber hinaus zwei weitere Ansätze an Bedeutung gewinnen: Category Killers, wie z. B. Hedgefonds, die direkt mit Principal Traders hinsichtlich High-Alpha-Anlagestrategien in Konkurrenz treten, sowie führende Energieunternehmen, die mit Rohstoffen handeln. Versorger, die sich auf Bereiche wie Clearing-Services, Backoffice-Funktionen oder Risikomodellierung fokussieren, werden Teile der Wertschöpfungskette übernehmen, die für viele Banken nicht mehr wirtschaftlich oder weniger erfolgsentscheidend sind.

"Wenngleich keiner dieser Ansätze für sich genommen innovativ ist, können Banken nicht länger in allen Bereichen aktiv sein, wie es früher häufig der Fall war. Sie müssen sich entscheiden, welches Geschäftsmodell sie primär verfolgen wollen", erläutert BCG-Partner Grübner.

Erträge steigern, Kosten kontrollieren, Ressourcen managen
Investmentbanken können eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um ihre Erträge zu steigern, z. B. durch eine kundenfokussierte Strategie, indem sie das Potenzial schnell wachsender Märkte nutzen oder indem sie ihre Kernkompetenzen in aussichtsreichen Bereichen stärken – etwa durch die Bereitstellung von transparenten Hedging-Lösungen für Unternehmen oder langfristigen Anlagemöglichkeiten für institutionelle Investoren. Bedingt durch Einschränkungen beim Eigenhandel sowie sinkende Provisionen und Margen auf Flow-Produkte gewinnt die Fokussierung auf Kundenbedürfnisse an Bedeutung. Für Investmentbanken wird es daher erfolgsentscheidend sein, sich auf die langfristigen Kundenbedürfnisse – und nicht auf die kurzfristigen Interessen der Bank – zu konzentrieren, sodass letztlich beide Seiten profitieren.

Um die Eigenkapitalrenditen wieder auf Vorkrisenniveau zu bringen, müssen Investmentbanken ihre Kosten senken. Dabei geht es vor allem darum, Kosten strategisch anzupassen, die Vergütungs- und Bonistruktur zu überarbeiten und möglicherweise Hierarchieabbau in der Organisation zu betreiben. Die BCG-Studie zeigt, dass es einen deutlichen Bedarf für eine transparentere Boniverteilung gibt und die Performance risikoabhängig gemessen werden muss, indem auch qualitative Performancekriterien wie ethische Standards berücksichtigt werden.

Regulatorische Veränderungen zwingen Banken, ihre Kapital- und Liquiditätsreserven umsichtig einzusetzen. Unabhängig von den aktuellen Rahmenbedingungen sind Maßnahmen zur Entschuldung sowie der Aufbau von Liquiditätsreserven geeignete Instrumente, um die Performance zu steigern und die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Die Kapitalmärkte werden sich grundlegend verändern – nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in den schnell wachsenden Märkten. Zwar wird die rein intermediäre Rolle von Investmentbanken bei der Strukturierung von Finanzierung bestehen bleiben; infolge regulatorischer Anforderungen werden jedoch mehr Marktteilnehmer ihre Assets unmittelbar an Investoren verteilen, die sich von festverzinslichen Wertpapieren und den volatilen Aktienmärkten abwenden – und nach langfristigen Anlagemöglichkeiten suchen, um langfristige Verbindlichkeiten zu bedienen.

"Investmentbanken haben sich in der Vergangenheit als widerstandsfähig erwiesen", sagt Robert Grübner. "Sie haben Finanzkrisen überstanden und neue Wege gefunden, um zu wachsen, ihre Kunden zu bedienen, Risiko zu managen – und wieder nach vorne zu blicken. Banken, denen es gelingt, mit den aktuellen Widrigkeiten umzugehen und ihre Strategie zielgerichtet umzusetzen, können auch zukünftig sehr erfolgreich sein."

Im Forum zu IB

6 Kommentare

Braucht man für IB einen Finance Master?

WiWi Gast

WiWi Gast schrieb am 25.02.2024: Was hast du denn für einen Schnitt / GMAT? Und bist du irgendwie divers (z.B. Nichtakademikerfamilie)? Ggf. könntest du ja ein Vollstipendium kriegen ...

8 Kommentare

Ib nach dualem Studium?

WiWi Gast

Wäre vor 3-4 Jahren problemlos möglich gewesen. Ein Vergleich zu irgendwelchen Leute auf Linkedin, die den Schritt in der Vergangenheit gemacht haben, bringt deshalb auch nichts. Aktuell sehe ich d ...

11 Kommentare

BWL Wirtschaftsinformatik IB

Karl

Die TUB ist zusammen mit dem HPI und der TUM zweifellos eine der TOP5 Informatik-Unis in D. Auch als Startup-Uni, also im BWL Bereich, ist die TU Berlin recht renommiert. Wenn Du dort einen Abschluss ...

1 Kommentare

Wohin exiten die ganzen deutschen IBler?

WiWi Gast

Es gibt deutsche IB analysts in London und Frankfurt bei zig verschiedenen Banken von Small Cap (Oakleys, etc.) zu MM (Jefferies, Baird, Blair, HW, RJ) zu EBs (RTH, LAZ) und BBs (GS, JPM, MS). Wen ...

5 Kommentare

MM IB Profileinschätzung

WiWi Gast

+1, gute Antwort. Gutes SC M&A kannst du eigentlich auch schon vergessen - ist momentan nicht drin. An deiner Stelle würde ich Richtung lower Small Cap oder Micro Cap gehen, zum Beispiel: Saxenhamm ...

17 Kommentare

Profilcheck IB Non-Target

WiWi Gast

2,1 Schnitt und ein Praktikum plus Klassensprecher gewesen und träumt von London. Satire oder ernstgemeint?

9 Kommentare

IB Praktikum mit folgendem Profil? Einschätzung

WiWi Gast

mit Target Master

Artikel kommentieren

Als WiWi Gast oder Login

Zum Thema IB

Weiteres zum Thema Branchentrends & News

Gewerbefinanzierung: Das Bild zeigt einen Produktionsroboter der Firma Kuka

Roboter bis 2020 weltweit verdoppelt

Mehr als 3 Millionen Industrie-Roboter werden laut Prognose der International Federation of Robotics bis 2020 in den Fabriken der Welt im Einsatz sein. Damit dürfte sich der operative Bestand von 2014 bis 2020 innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppeln.

IW-Verbandsumfrage 2018: Wirtschaftsverbände optimistisch

Die Wirtschaftsverbände sehen die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel größtenteils in bester Verfassung. Das zeigt die neue Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft, für die das IW 48 Branchenverbände zu ihrer aktuellen Lage und zu ihren Erwartungen für 2018 befragt hat. Allerdings werden fehlende Fachkräfte immer häufiger zum Problem.

IW-Verbandsumfrage 2017: Geringes Wachstum erwartet

Bereits im dritten Jahr in Folge blickt die deutsche Wirtschaft lediglich vorsichtig optimistisch in das neue Jahr. Erwartet wird trotz Trump-Wahl, Brexit und Terror ein weiterhin leichtes Wachstum: Zwar geht die Mehrheit der 48 befragten Wirtschaftsverbände von einer höheren Produktion aus, doch nur drei Verbände erwarten eine deutliche Steigerung. Auch die Beschäftigung dürfte sich nur geringfügig verändern. Die Digitalisierung ist der häufigste Grund zu investieren.

IW-Verbandsumfrage 2016: Verhaltener Optimismus

Die deutsche Wirtschaft blickt erneut verhalten optimistisch ins neue Jahr. Sie rechnet trotz moderater Stimmung bei der Produktion mit einem Anstieg. Auch die Investitionen dürften sich unterm Strich positiv entwickeln. Mehr Beschäftigung ist dagegen nicht zu erwarten. Das zeigt eine Befragung von 46 Wirtschaftsverbänden des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Ein Stadtblick über Köln mit dem Kölner Dom.

IW-Verbandsumfrage 2015: Erwartungen sind leicht positiv

Die deutsche Wirtschaft blickt nur verhalten optimistisch ins Jahr 2015. Sie erwartet bei Produktion und Umsatz lediglich noch einen leichten Anstieg. Die Beschäftigung wird aller Voraussicht nach in etwa stabil bleiben. Auch die Investitionen dürften sich unterm Strich positiv entwickeln. Das zeigt eine Befragung der Branchenverbände.

Vier Industriebehälter mit blauer Farbe vor einem Abendhimmel.

DIHK-Industriereport 2014 - Industriekonjunktur springt wieder an

"Industrie: Zuversicht steigt, Risiken bleiben" lautet der Titel des aktuellen Branchenreports, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jetzt veröffentlicht hat. Die Auswertung beruht auf mehr als 7.800 Antworten von Industriebetrieben, darunter etwa 5.400 Exportunternehmen.

IW-Verbandsumfrage 2014: Wirtschaft optimistisch

Die deutschen Wirtschaftsverbände sehen dem neuen Jahr überwiegend zuversichtlich entgegen. Für ihre Mitgliedsunternehmen erwarten die meisten bessere Geschäfte und etwas mehr Investitionen als 2013. Von einer positiveren Stimmung in ihren Unternehmen als im Vergleich zum Jahreswechsel im Vorjahr berichten 26 der 48 Verbände.

Beliebtes zum Thema News

Porsche übernimmt IT-Beratung MHP

Porsche übernimmt IT-Beratung MHP

Die Porsche AG übernimmt bis Januar 2024 schrittweise alle Anteile der MHP GmbH. Damit möchte die bisherige Mehrheitseignerin das Wachstumspotenzial der Management- und IT-Beratung MHP konsequent nutzen.

Eine amerikanische Flagge weht vor einem Hochhaus Bürogebäude.

Mizuho übernimmt Greenhill für 550 Millionen US-Dollar

Mizuho übernimmt die Investmentbank Greenhill zu einem Kaufpreis von 15 US-Dollar pro Aktie für etwa 550 Millionen US-Dollar. Greenhill fungiert als M&A- und Restrukturierungsberatungsunternehmen für Mizuho. Die Marke, das globales Netzwerk, die Führung und das Team von Greenhill bleiben bestehen. Die Übernahme soll Mizuhos Wachstumsstrategie im Investmentbanking beschleunigen. Die Mizuho Financial Group ist mit einer Bilanzsumme von etwa 2 Billionen US-Dollar die 15. größte Bank der Welt.

Ein Nahverkehrszug hält am Gleis.

Deutsche Bahn legt Angebot mit 10 Prozent Lohnerhöhung vor

Die Deutsche Bahn bietet 10 Prozent Lohnerhöhung für untere und mittlere Lohngruppen, 8 Prozent für obere und zusätzlich 2.850 Euro Inflationsausgleichsprämie. Nach eigenen Aussagen liegt das durchschnittliche Tarifgehalt bei der Bahn über alle Berufsgruppen aktuell bei 4.000 Euro im Monat. In den letzten zehn Jahren sind die Gehälter bei der DB um 26,5 Prozent gestiegen, und damit mehr als im Öffentlichen Dienst mit 26,1 Prozent.

Das Foto zeigt das Logo der Schweizer Bank UBS, die gerade die Bank Credit Suisse übernimmt.

UBS übernimmt Credit Suisse für 3 Milliarden CHF

Die Schweizerische Nationalbank UBS hat die Akquisition der Credit Suisse bekannt gegeben. Durch die Fusion entsteht eine Bank mit einem verwalteten Vermögen von über 5 Billionen US-Dollar, davon 1,5 Billionen in Europa. Der Bundesrat der Schweiz begrüsst die geplante Übernahme. Aktionäre der Credit Suisse erhalten für die Fusion 1 Aktie der UBS für 22,48 Aktien der Credit Suisse. Das entspricht einem Übernahmepreis von 3 Milliarden Schweizer Franken. Der Zusammenschluss soll bis Ende 2023 vollzogen werden.

Online-Shopping: Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale

Fakeshop-Finder prüft Online-Shops

Ein Fakeshop ist – wie der Name bereits andeutet – ein gefälschter Online-Shop. Es wird immer schwieriger, Fakeshops von seriösen Online-Shops zu unterscheiden. Mit dem Fakeshop-Finder bietet die Verbraucherzentrale ein kostenloses Online-Tool an, um die Webseiten (URLs) von Online-Shop zu überprüfen. Die Website zeigt zudem, wie sich Fakeshops erkennen lassen. Ein Fakeshop-Glossar, eine Liste häufiger Fragen zu Fakeshops und ein Fakeshop-Kalender mit saisonalen Fakeshop-Listen runden das Angebot ab.

Eine Europaflagge vor einem Betongebäude und eine verschnörkelte Straßenlampe.

Europäisches Parlament bestätigt Einigung zur Reform vom EU-Emissionshandel

Das Europäische Parlament hat am 18. April 2023 die politische Einigung zur AStV-Reform des EU-Emissionshandels bestätigt. Damit die Reform in Kraft treten kann, fehlt nun noch eine formale Befassung im Rat. Der Europäische Emissionshandel wird auf fast alle Sektoren ausgeweitet, insbesondere auf die Bereiche Gebäude und Verkehr. Etwa 85 Prozent aller europäischen CO2-Emissionen sind damit zukünftig an Zertifikate bzw. Emissionsrechte gebunden. Deren Menge sinkt kontinuierlich ab – entsprechend der europäischen Klimaziele.

Energiepreispauschale für Studenten im Entlastungspaket

Studierende erhalten Energiepreispauschale von 200 Euro

Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung ist mit 20 Maßnahmen sehr umfangreich. Die auf den ersten Blick gewaltig erscheinende Summe von 65 Milliarden Euro ist jedoch eine Mogelpackung, meint das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Mindestens 25 Milliarden Euro davon beziehen sich auf Vorhaben, die auch ohne Energiekrise angestanden hätten. Was bedeutet das Paket für Singles, Familien und vor allem für Studierende? Studierende erhalten eine Energiepreispauschale von 200 Euro.