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Krisenmanagement im Gesundheitswesen - Bürokratie-STOP wichtig

Die Welt erlebt durch die vom Coronavirus (COVID-19) ausgelöste Pandemie zurzeit eine einmalige Krisensituation. Das RWI Essen, eines der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, hat eine Strategie zum Umgang mit der Coronakrise im Gesundheitswesen vorgelegt. Sie konzentriert sich auf Bedarfsdämpfung, Kapazitätsausweitung und Kapazitätsauslastung. Zwei der sieben Empfehlungen lauten "Bürokratie aussetzen" und "Keine Vollbremsung der Volkswirtschaft provozieren".

Ein Mann, der einen Mundschutz trägt mit einem Schild der Universitätsklinik im Hintergrund.

Krisenmanagement im Gesundheitsbereich: Sieben Empfehlungen
Die industrialisierte Welt erlebt zurzeit aufgrund der von SARS-CoV-2 („Corona-Virus“) ausgelösten Pandemie eine einmalige Krisensituation. Sie stellt insbesondere das Gesundheitswesen vor eine große Herausforderung. Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. stellt in einer „RWI Position“ sieben Empfehlungen für eine umfassende Strategie zum Umgang mit der aktuellen Situation im deutschen Gesundheitswesen auf. Sie zeigt, wie die Situation abgemildert werden kann, wenn ein gedämpfter Bedarf für Behandlungskapazitäten auf ein erweitertes und effizient gesteuertes Angebot trifft.

Die folgenden sieben Empfehlungen konzentrieren sich auf die

Sie skizzieren notwendige Schritte einer Strategie zum Umgang mit dem Coronavirus im Gesundheitswesen.
 

  1. Nach Schweregraden bedarfsgerecht versorgen, keine Kapazitäten blockieren
    Um einen erhöhten Anstieg der Neuerkrankungen zu bewältigen, ist konsequent auf eine bedarfsgerechte Versorgung zu achten. Hierzu gehören neben der Bereitstellung von Intensivbetten mit Beatmungsgeräten zusätzliche Überwachungs- und Beatmungskapazitäten für schwere, aber nicht intensivpflichtige Fälle jenseits der Intensivstation. Die Entscheidung über die Zuordnung der Patienten muss von den Ärztinnen und Ärzten vor Ort medizinisch vollständig eigenverantwortlich getroffen werden.
     
  2. Ausrüstungsreserven identifizieren, Produktion priorisieren, Zuteilung zentral koordinieren
    Um die Krankenhäuser mit ergänzenden Beatmungsgeräten auszustatten, sollten bestehende Reserven aktiviert werden. Die Bestandsaufnahme sollte die Bundeswehr und den Katastrophenschutz einbeziehen und auch medizinisches Material erfassen, das für den Schutz von Ärzteschaft und Pflegekräften benötigt wird. Mit Blick auf die Herstellung solcher Produkte sollte während der Zeit der akuten Krise das Vergaberecht ausgesetzt werden. Bei der Zuordnung von Beatmungsgeräten ist eine zentrale Koordination sinnvoll.
     
  3. Bürokratie vollständig aussetzen, verantwortungsvoll lokale Lösungen finden
    Um schnelles Handeln zu ermöglichen, ist für die Zeit der akuten Hochphase der Pandemie jegliche hemmende Bürokratie durch Vorgaben rund um die Betreuung von CoviD-Patienten auszusetzen. Ärzte vor Ort sollten grundsätzlich ausschließlich anhand medizinischer Kriterien entscheiden können, wie und mit welchen Ressourcen die Behandlung vorgenommen wird. Die Einhaltung arbeitszeitrechtlicher Vorgaben darf die Versorgung nicht behindern, sie sollten für das Krankenhauspersonal befristet ausgesetzt werden.
     
  4. Budgetsicherheit für Krankenhäuser gewährleisten
    Um die für die Behandlung schwerer Krankheitsverläufe notwendigen Kapazitäten freizuschaufeln, sollten Krankenhäuser geplante, medizinisch nicht unmittelbar notwendige so genannte elektive Eingriffe zeitlich verschieben. Um drastische wirtschaftliche Einbußen zu verhindern, sind kurzfristig liquiditätsstützende Maßnahmen für Krankenhäuser nötig. Zudem sollten die entstandenen Kosten für über Leasingfirmen eingesetztes ärztliches und pflegerisches Personal in voller Höhe refinanziert werden.
     
  5. Ruhendes Personal aktivieren, Personalressourcen umlenken, Laienreserve ertüchtigen
    Um die Versorgungskapazität in der akuten Krisenphase zu erhöhen, sollten sämtliche Personalreserven soweit wie möglich aktiviert werden. Teilzeitkräfte könnten vorübergehend zu Vollzeit animiert und Eltern aus der Elternzeit reaktiviert werden. Fachkräfte aus anderen Bereichen, Personal aus Rehabilitationskliniken sowie derzeitige Medizinstudierende könnten in der intensivmedizinischen Betreuung unterstützend eingesetzt werden. Denkbar ist zudem die Einrichtung eines Freiwilligendienstes.
     
  6. Transparenz über lokale Ressourcen schaffen, Engpässe frühzeitig identifizieren
    Um in Echtzeit auf lokaler Ebene das Angebot von und den Bedarf an Ressourcen identifizieren zu können, sollten alle Leistungserbringer eine zentrale Plattform nutzen. Neben Intensiv- und Beatmungskapazitäten müssen Geräte, Laborkapazitäten, wichtige Engpassartikel und Personalressourcen ebenso erfasst werden wie geheilte Mitarbeiter. Ebenso zu erfassen ist der Ressourcenverbrauch, vor allem die Anzahl der hospitalisierten Corona-Patienten und der jeweilige Anteil der intensivpflichtigen Patienten.
     
  7. Keine Vollbremsung der Volkswirtschaft provozieren
    An der Strategie, dem akuten Anstieg der Neuerkrankungen durch das Unterbinden von Sozialkontakten die Spitze zu brechen, führt kein Weg vorbei. Aber weder lässt sich eine lang anhaltende Vollbremsung der Volkswirtschaft durchhalten, noch wäre ohne die Immunisierung der Bevölkerung ein dauerhaft stabiler Zustand erreicht. Die Strategie, in langsamem Tempo eine „Durchseuchung“ der Bevölkerung zuzulassen, muss jedoch mit Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen verbunden werden.
     

Zu den derzeit notwendigen Maßnahmen im Gesundheitswesen sagt RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky:

„Es geht jetzt kurzfristig darum, die zu erwartenden Entwicklungen auf der Angebots- und Nachfrageseite fortlaufend und bis hinunter in die kommunale Ebene abzuschätzen und dadurch vorausschauend zentrale Stellschrauben sowie etwaige Engpässe zu identifizieren. Auf diese Weise wird das deutsche Gesundheitssystem bestmöglich durch die zu erwartende Herausforderung kommen.“
 

RWI-Präsident Christoph M. Schmidt ergänzt zur Gesamtsituation:

„Im Zentrum des Krisenmanagements stehen jetzt vor allem die Gesundheitsversorgung und der Versuch, dem akuten Anstieg der Neuerkrankungen durch das Unterbinden von Sozialkontakten die Spitze zu brechen. In der aktuellen Situation halte ich es aber für richtig, dass die Bundesregierung den Rest der Volkswirtschaft nicht aus dem Auge verliert und den Unternehmen nach dem Prinzip, Liquidität geht vor Rentabilität‘ kurzfristige und umfassende Unterstützung zugesagt hat.“

Im Forum zu Coronavirus

2 Kommentare

Ausbildung nach Studium

Zayzo

WiWi Gast schrieb am 05.07.2020: Warum kein Master ? ...

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Wie lange im ersten Job ?

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Zumal Vorstellungsgespräche in der Probezeit eine heiße Kiste ist.

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Profil zu schlecht für Praktika?

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WiWi Gast schrieb am 03.07.2020: Die TAS-Praktika sind schon sehr begehrt. Du könntest erst ein anderes Praktikum mit Finance-Bezug oder Richtung Audit machen und es noch einmal im Gap Ye ...

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WiWi Gast schrieb am 01.07.2020: Danke für die Tipps, werde das alles nochmal durchgehen!! LG ...

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Würde an deiner Stelle Südamerika auf einen späteren Zeitpunkt in einem anderen Zusammenhang ( work & travel?) verschieben und mich eher auf Länder konzentrieren, die das Virus mehr kontrollieren.

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