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Job-Trends: ArbeitsmarktDeutschland

OECD‑Beschäftigungsausblick 2015: Die Arbeitsmarktlage verbessert sich

Die Arbeitsmarktlage verbessert sich, ist im Ländervergleich aber noch sehr unausgewogen. In Griechenland und Spanien wird die Arbeitslosigkeit in 2015 und 2016 voraussichtlich bei über 20 Prozent liegen. 26 der 34 OECD‑Länder verfügen bereits über landesweit geltende Mindestlohnregelungen. Bei einer höheren und ausgewogeneren Kompetenz in der Erwerbsbevölkerung ist auch die Lohnungleichheit in den Ländern geringer.

Ein Fernglasobjektiv eines Flughafens mit zwei Pfeilen und den Zahlen 15x60 und 5501 eingraviert.

OECD‑Beschäftigungsausblick 2015: Die Arbeitsmarktlage verbessert sich
Berlin, 29,07.2015 (oecd) - Die Arbeitsmarktlage verbessert sich zwar allgemein im OECD‑Raum, die Erholung von der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre ist im Ländervergleich aber noch sehr unausgewogen. Das Beschäftigungswachstum ist im OECD‑Raum immer noch zu schwach, als dass der durch die Krise entstandene Arbeitsplatzmangel in näherer Zeit ausgemerzt werden könnte. In der Beschäftigungsstruktur ist eine Verschiebung hin zu mehr Teilzeitarbeit und weg vom Verarbeitenden Gewerbe und der Bauwirtschaft festzustellen, wodurch es für einige Arbeitslose unter Umständen schwieriger wird, eine Vollzeitbeschäftigung zu finden. Folglich wird sich die Arbeitslosigkeit auch Ende 2016 noch auf hohem Niveau bewegen. Im vierten Quartal 2014 war die Arbeitslosenquote im OECD‑Durchschnitt mit 7,1 Prozent immer noch 1,6 Prozentpunkte höher als vor der Krise. Der allmähliche Rückgang der Arbeitslosigkeit wird sich im weiteren Jahresverlauf 2015 sowie 2016 wohl fortsetzen, so dass die Arbeitslosenquote im letzten Quartal 2016 auf 6,6 Prozent sinken dürfte. In Griechenland und Spanien wird sie aber voraussichtlich immer noch bei über 20 Prozent liegen. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit bewegt sich weiterhin auf einem inakzeptabel hohen Niveau, und es besteht die Gefahr, dass sich viele der betreffenden Arbeitskräfte inzwischen vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, in welchem Fall es schwieriger würde, die Arbeitslosigkeit zu senken. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in vielen Ländern weiterhin deutlich über ihrem Vorkrisenniveau, was auch für den Anteil der Jugendlichen gilt, die weder in Beschäftigung noch in Bildung sind (sog. NEET‑Gruppe). Das schwache Reallohnwachstum gibt ebenfalls Anlass zu Besorgnis, vor allem im Euroraum.

Mindestlöhne mit Steuer‑ und Transfersystemen abstimmen, um Einkommen von Geringverdienern zu stützen
In Deutschland wurde vor kurzem ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt, womit nun 26 der 34 OECD‑Länder über landesweit geltende Mindestlohnregelungen verfügen. Mit Mindestlöhnen kann das Einkommen von Geringverdienern erhöht werden, dazu müssen jedoch zwei wichtige Bedingungen erfüllt sein. Erstens dürfen die Mindestlöhne nicht zu hoch angesetzt sein, da sie sonst zu Arbeitsplatzverlusten und damit einhergehenden Einkommenseinbußen für gering entlohnte Arbeitskräfte führen können. Zweitens müssen sie mit den Steuer‑ und Transfersystemen abgestimmt werden, damit gewährleistet ist, dass sich höhere Mindestlöhne auch in höheren Nettoverdiensten niederschlagen, während der Anstieg der Arbeitskosten für die Arbeitnehmer begrenzt bleiben muss.

Einkommensungleichheit in Ländern geringer, die steigenden Kompetenzbedarf besser decken
In der überwiegenden Mehrzahl der OECD‑Länder nimmt die Ungleichheit zu, weshalb Anstrengungen, diesen Trend zu stoppen oder umzukehren, sehr weit oben auf der politischen Agenda stehen. Neue Daten zu den Informationsverarbeitungskompetenzen der Erwerbsbevölkerung aus der OECD‑Erhebung über die Kompetenzen Erwachsener (PIAAC) machen deutlich, welche wichtige Rolle Kompetenzen als Erklärungsfaktor für Unterschiede zwischen den Ländern in der Lohnspreizung spielen, die ein entscheidender Faktor für die Einkommensungleichheit zwischen den Haushalten ist. Mit Investitionen in Kompetenzen kann die Lohnungleichheit insgesamt verringert werden – vor allem im Fall von Kompetenzen, bei denen die Nachfrage das Angebot übersteigt. In Ländern mit einer unausgewogeneren Kompetenzverteilung ist auch die Lohnungleichheit höher. Durch eine bessere Nutzung von Kompetenzen kann die Ungleichheit verringert werden, indem für eine stärkere Verknüpfung von Kompetenzen, Produktivität und Verdienst der Arbeitskräfte gesorgt wird.

Aktivierungsmaßnahmen für inklusivere Arbeitsmärkte
Bessere Chancen für alle zur aktiven Teilnahme am Arbeitsmarkt sind nicht nur angesichts der rasch voranschreitenden Bevölkerungsalterung von entscheidender Bedeutung, sondern auch, damit die wirtschaftlichen und sozialen Narben verheilen können, die die weltweite Wirtschafts‑ und Finanzkrise hinterlassen hat. Mit wirkungsvollen Aktivierungsmaßnahmen kann das Produktionspotenzial der Bevölkerung aller Länder besser genutzt und ein Beitrag zum Wirtschaftswachstum, zum sozialen Zusammenhalt und zur Nachhaltigkeit der Systeme der sozialen Sicherung geleistet werden. Um dies zu erreichen, muss dafür gesorgt werden, dass die Motivation der Arbeitslosen zur aktiven Arbeitsuche nicht nachlässt, dass sich ihre Beschäftigungsfähigkeit verbessert und sie mehr Chancen erhalten, eine geeignete Stelle zu finden und auch zu behalten. Diese drei Elemente – Motivation, Beschäftigungsfähigkeit und Chancen – müssen durch effektive und effiziente Arbeitsmarktinstitutionen und ‑maßnahmen gefördert werden, die die Grundpfeiler jeder erfolgreichen Aktivierungsstrategie sind.

Qualität der Arbeit: Verdienstmobilität, Arbeitsmarktrisiko und langfristige Ungleichheit
Inwieweit sich die zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehende Verdienstungleichheit in langfristiger Ungleichheit bei den Erwerbseinkommen niederschlägt, hängt vom Grad der Verdienstmobilität ab, worunter der Auf‑ und Abstieg auf der Verdienstleiter bzw. Übergänge von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit und umgekehrt zu verstehen sind. Anhand von Simulationen auf der Grundlage von Daten aus einem kurzen Panel für 24 OECD‑Länder wurde die Verdienstentwicklung einer Stichprobe von Arbeitskräften analysiert. Dabei zeigte sich, dass durchschnittlich drei Viertel der in einem gegebenen Jahr festgestellten Ungleichheit von Dauer sind, während der verbleibende Teil im Lebensverlauf infolge der Mobilität ausgeglichen wird. Die Mobilität ist in Ländern mit größerer Ungleichheit offenbar nicht höher. Chronische Arbeitslosigkeit, unzureichende kognitive Kompetenzen, atypische Beschäftigungsverhältnisse und Unternehmen mit geringer Produktivität sind die wichtigsten Erklärungsfaktoren langfristig geringer Verdienste. Die Arbeitslosenversicherung spielt eine wichtige Rolle bei der Absicherung der beruflichen Laufbahn, indem sie die mit Arbeitslosigkeit verbundenen Einkommensrisiken verringert. Mindestlöhne senken das Risiko extrem niedriger Verdienste, ihre Auswirkungen im Hinblick auf die Verringerung der Verdienstungleichheit werden auf lange Sicht jedoch durch die ausgleichenden Effekte der Mobilität und potenziell negative Beschäftigungseffekte gedämpft.

Anhebung der Beschäftigungsqualität in aufstrebenden Volkswirtschaften
In aufstrebenden Volkswirtschaften ist die geringe Beschäftigungsqualität eine wichtige Frage, mit der sich die Politik auseinandersetzen muss. Die Analyse der Beschäftigungsqualität in wichtigen aufstrebenden Volkswirtschaften – deren Messung auf Grund unzureichender Daten nicht einfach ist – erfolgt nach dem OECD‑Konzept der Beschäftigungsqualität anhand von drei Kriterien: Einkommensqualität (Kombination von Durchschnittsverdiensten und Einkommensungleichheit), Arbeitsmarktsicherheit (gemessen am Risiko von Arbeitslosigkeit und extrem niedrigen Verdiensten) und Qualität des Arbeitsumfelds (gemessen an der Häufigkeit von Arbeitsstress oder sehr langen Arbeitszeiten). Aufstrebende Volkswirtschaften schneiden nach allen diesen drei Kriterien schlechter ab als OECD‑Länder. Am geringsten ist die Beschäftigungsqualität in der Regel für junge, geringqualifizierte und informell Beschäftigte. Im Hinblick auf die Politikgestaltung zeigt die Erfahrung der am besten abschneidenden OECD‑Länder, dass eine hohe Beschäftigungsqualität mit einem hohen Beschäftigungsniveau vereinbar ist. Maßnahmen zur Anhebung der Beschäftigungsqualität sollten also nicht zwangsläufig als Bremse für das Beschäftigungswachstum betrachtet werden. Es wird untersucht, welche Arbeitsmarktmaßnahmen und Maßnahmen der sozialen Sicherung am besten geeignet sind, um die Beschäftigungsqualität in aufstrebenden Volkswirtschaften zu verbessern.

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