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Master vs. BerufseinstiegKarrierechancen

Gute Karrierechancen für Bachelor-Absolventen

Die Berufschancen der Bachelor-Absolventen werden zu Unrecht mit Skepsis betrachtet, denn die Karrieremöglichkeiten sind in der Wirtschaft mit einem Bachelor genauso gut wie mit einem Master. Weit mehr als die Hälfte der Bachelor traut sich den Sprung in den Beruf jedoch nicht zu und studiert lieber weiter, wie die Befragung „Karrierewege für Bachelor-Absolventen“ zeigt.

Cover Studie Stifterverband: Karrierewege für Bachelorabsolventen 2014

Gute Karrierechancen für Bachelorabsolventen
Der Bachelor-Abschluss steht trotz positiver Befunde derzeit in der Kritik. Die Lage ist jedoch besser als die Stimmung. Bachelor-Absolventen haben gute Aussichten, in der Wirtschaft Karriere zu machen. Dass die Unternehmen "im Großen und Ganzen zufrieden" sind, spiegeln auch die Gehälter der Absolventen wider. Das zeigt eine aktuelle Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert hat.

Demnach führen Bachelor und Master in der Wirtschaft zu gleichermaßen guten Karriereperspektiven. Viele Bachelor-Absolventen entscheiden sich jedoch lieber für ein weiterführendes Masterstudium, weil sie fürchten, mit ihrem Abschluss keinen adäquaten Job zu finden. Dabei ist diese Sorge in der Regel unbegründet. Häufig starten die Bachelor beim Berufseinstieg direkt mit einer eigenständig zu bearbeitenden Projektaufgabe. Absolventen beider Abschlüsse steigen meist als Projektmitarbeiter ein und werden in der Hälfte der Fälle mit 30.000 bis 40.000 Euro jährlich auch gleich bezahlt. Bei den Unternehmen, die Masterabsolventen höhere Einstiegsgehälter bezahlen, liegt die Differenz meist bei unter zehn Prozent.

„Die Studie zeigt: Bachelor-Absolventen haben in Unternehmen immer bessere Chancen. Der Bachelor-Abschluss ist etwas wert. Dies war eines der Ziele der Bologna-Reform“, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zu der Studie. „Bachelor-Absolventen stehen viele Wege offen, sie haben gute Gehalts- und Karrieremöglichkeiten. Allen Unkenrufen zum Trotz: Damit kommt auch zum Ausdruck, dass viele Unternehmen die Kompetenzen schätzen, die Bachelor-Absolventen mitbringen.“
 

Jobchancen der Absolventen am Arbeitsmarkt
Der Beschäftigungsstand von Mitarbeitern mit Bachelor- und Masterabschluss ist in den vergangenen vier Jahren in Unternehmen aller Mitarbeitergrößenklassen deutlich gestiegen. Derzeit beschäftigen 23 Prozent der Unternehmen Bachelor-Absolventen, während es im Jahr 2010 13 Prozent waren. Besonders stark gewachsen ist die Beschäftigung von Master-Absolventen, die mittlerweile in 18 Prozent der Unternehmen vertreten sind. Im Jahr 2010 traf dies nur auf sieben Prozent der Arbeitgeber zu.

Noch stärker hat der Beschäftigungsstand von Bachelor- und Master-Absolventen bei den kleinen und mittleren Unternehmen zugenommen. Gut jedes fünfte Kleinunternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und gut jedes zweite mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern beschäftigt mittlerweile Absolventen mit den neuen Studienabschlüssen. Allerdings werden Akademiker nicht überall benötigt. Jede dritte Firma hat überhaupt keine Hochschulabsolventen unter Vertrag. Betrachtet man nur die Betriebe, die auch Akademiker eingestellt haben, so finden sich Bachelor bereits in 35 Prozent und Master-Absolventen in 27 Prozent der Unternehmen.

Drei Vierteln aller Unternehmen bevorzugen beim Recruiting von Absolventen keinen bestimmten Hochschultyp. Zeigt sich doch eine Präferenz, gilt sie insbesondere bei den Industrieunternehmen in erster Linie den Fachhochschulabsolventen. Nur eine Minderheit von vier Prozent bevorzugt Bachelor-Absolventen der Universitäten.


Ähnliche Einstiegspositionen für Bachelor- und Master-Absolventen
In neun von zehn Betrieben starten Berufseinsteiger nach ihrem Bachelor-Abschluss direkt mit der eigenständigen Bearbeitung einer Projektaufgabe. An zweiter Stelle steht für die Bachelor beim Berufseinstieg die Sachbearbeitung nach Anweisung. Wie schon in der Befragung des Jahres 2010 sichtbar wurde, werden Positionen mit größerer Sach- oder Personalverantwortung generell seltener an Berufsanfänger vergeben. Allerdings betrauen immerhin 43 Prozent der Arbeitgeber Bachelor-Absolventen nach dem Studium sogar direkt mit der Gesamtverantwortung für ein Projekt – allerdings ohne Personalverantwortung.

Die Einstiegspositionen der Bachelor-Absolventen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Master-Absolventen, die ebenfalls bei der Mehrheit der Unternehmen mit der Bearbeitung einer Projektaufgabe oder mit der Sachbearbeitung nach Anweisung starten. Etwas häufiger als die Bachelor-Absolventen werden sie unmittelbar nach dem Berufseinstieg mit der Gesamtverantwortung für ein Projekt ohne Personalführung betraut.



Für die Bachelor-Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Faches sehen die Unternehmen eine breite Palette von Einsatzbereichen vor. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern erweisen sich die Bereiche Rechnungswesen/Controlling, Marketing/Marktforschung/Vertrieb sowie die betriebs- und volkswirtschaftlichen Abteilungen als besonders wichtig.


Einstiegsgehälter – Kaum Gehaltnachteile für Bachelorabsolventen
Ähnlich sieht es bei den Verdiensten aus. Ein Master-Titel bringt gegenüber dem Bachelor-Abschluss meist keinen großen Gehaltsvorsprung. In 47 Prozent der Unternehmen fällt das Einstiegsgehalt der Bachelor-Absolventen fast genauso hoch wie bei den Master-Absolventen aus. Demgegenüber zahlen 52 Prozent der Unternehmen Absolventen mit Master-Abschluss ein höheres Gehalt. Wenn es Gehaltsunterschiede nach Abschlussart gibt, betragen diese jedoch meist weniger als zehn Prozent.



Am häufigsten starten Bachelor mit einem jährlichen Gehalt von 30.000 bis 40.000 Euro ins Berufsleben. Rund ein Viertel der Unternehmen zahlt Absolventen technischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen auch mehr. Grundsätzlich bieten große Unternehmen und Industriebetriebe häufig höhere Einstiegsgehälter als kleine Firmen oder Betriebe anderer Branchen. Kaum Unternehmen zahlen beim Berufseinstieg aber mehr als 50.000 Euro.



Nach drei bis fünf Jahren im Beruf können die Bachelor ihre Gehalt meist deutlich verbessern. Bachelor mit Berufserfahrung erhalten in rund einem Viertel der Betriebe mindestens 50.000 Euro Jahresgehalt, sofern sie ein technisches oder wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben.


Einarbeitung und Trainee-Programme
Die Unternehmen unterstützen die Bachelor-Absolventen beim Berufseinstieg. Zu den am häufigsten angebotenen Maßnahmen zählen das strukturierte Einarbeitungsprogramm sowie das Fachtraining. Die Unternehmen unterscheiden bei der Einarbeitung von akademischen Berufsanfängern nicht zwischen Bachelor- und Master-Absolventen. So haben die Bachelor- und Master-Absolventen gleichermaßen Zugang zu Trainee-Programmen. Diese strukturierten Einarbeitungsprogramme sehen sowohl den projektbezogenen Einsatz in verschiedenen Bereichen des Unternehmens als auch Fach- und Persönlichkeitstrainings vor.

Aufstiegsmöglichkeiten - Leistung wichtiger als Abschlüsse
Bei der Besetzung von Führungspositionen haben Bachelor-Absolventen gute Chancen. Anders als in der Wissenschaft zählen in der Wirtschaft bei der Besetzung von Führungspositionen nicht die akademischen Grade, sondern zum Beispiel die Identifikation mit den Unternehmenszielen, die Kommunikationsfähigkeit und die Leistungsmotivation. Für jeweils über 70 Prozent der Unternehmen sind diese Kriterien sehr wichtig. Formale Bildungsabschlüsse sind dagegen deutlich weniger wichtig. Im Vergleich zu den Ergebnissen von vor vier Jahren haben Masterabschluss und sogar Doktortitel weiter an Bedeutung verloren. Bei der großen Mehrheit der Unternehmen gibt es keine Positionen, für die ein Masterabschluss zwingend erforderlich wäre.



Den Bachelor-Absolventen stehen im Laufe ihres Berufslebens alle Karrierewege offen. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist es den Bachelor-Absolventen mittlerweile deutlich häufiger gelungen, diese Positionen auch zu erreichen. In über 80 Prozent der Unternehmen werden Bachelor-Absolventen bereits als Projektleiter eingesetzt und in knapp 60 Prozent sogar als Fachgebiets-, Bereichs- oder Abteilungsleiter.

„Die Lage ist eindeutig besser als die allgemeine Stimmung“, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes. „Die Befragung sollte auch ein Signal an die Hochschulen sein, Studierende zu ermutigen, den Sprung in die Berufspraxis bereits nach dem Bachelor zu wagen.“
 

Angebote zur Karriereentwicklung
Den Unternehmen ist viel daran gelegen, ihre Mitarbeiter systematisch weiterzuentwickeln. Um die Karriereentwicklung der Bachelor-Absolventen zu fördern, existiert in den Unternehmen eine breite Palette von Maßnahmen. Die große Mehrheit der Unternehmen bietet innerbetriebliche oder externe Weiterbildungskurse, unter anderem aus dem Angebot der Kammern sowie der Branchen- und Berufsverbände. Bei knapp der Hälfte der Arbeitgeber besteht die Möglichkeit, eine Teilzeitbeschäftigung für die individuelle Weiterbildung zu nutzen. Unterstützt wird von nahezu jedem zweiten Unternehmen außerdem die Teilnahme an Hochschulkursen, die mit einem Zertifikat abschließen.

Fast jedes zweite Unternehmen ist bereit, ein berufsbegleitendes Masterstudium zu fördern. Ebenso viele Betriebe unterstützen den Wunsch ihrer Bachelor-Absolventen, weiter zu studieren. Am häufigsten beteiligen sich die Arbeitgeber an den Gebühren für ein Masterstudium (87 Prozent) und mehr als die Hälfte (62 Prozent) stellt ihre Mitarbeiter teilweise frei. Als förderungswürdig gelten Bachelor-Absolventen, die sich im Unternehmen bewährt haben und die ein Entwicklungspotenzial erkennen lassen. Nicht so wichtig für die Förderung ist die Dauer der Firmenzugehörigkeit. Von denjenigen Unternehmen, die ein berufsbegleitendes Masterstudium fördern, ist jedes zweite im Rahmen eines dualen Masterstudiengangs selber an der Organisation und Durchführung des Studiums beteiligt.



Dass Unternehmen häufig den berufsbegleitenden Master und andere Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, erfahren die Bachelor allerdings häufig erst lange nach dem Einstellungstermin im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs oder auf Anfrage. Lediglich knapp sechs von zehn Unternehmen informieren neue Mitarbeiter bereits während des Bewerbungsprozesses. Stünden solche Informationen zur akademischen Weiterbildung neben dem Beruf schon früher zur Verfügung, würden sich möglicherweise deutlich mehr Bachelor-Absolventen direkt nach ihrem Abschluss ins Berufsleben stürzen.

„Damit berufsbegleitendes lebenslanges Lernen in Zukunft zum Normalfall wird, müssen die entsprechenden Studienmöglichkeiten ausgebaut und passgenau mit der Weiterbildung in den Unternehmen verzahnt werden“, sagt Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.


Download »Karrierewege für Bachelor-Absolventen« [PDF, 72 Seiten - 1 MB]
http://www.stifterverband.de/pdf/bachelorabsolventen.pdf


Die Ergebnisse der Studie „Karrierewege für Bachelor-Absolventen“ beruhen auf einer Befragung von 1.497 Unternehmen im Jahr 2014. Bei der Studie von Christiane Konegen-Grenier, Beate Placke und Ann-Katrin Schröder-Kralemann wurden konkret Faktoren wie Gehalt, Einstiegspositionen und Entwicklungsmöglichkeiten von Bachelor-Absolventen untersucht. Die Befragung folgt auf eine Studie aus dem Jahr 2011 zur Arbeitsmarktbefähigung und -akzeptanz von Bachelorstudierenden und -absolventen.

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