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Führungskräfte bringt der Headhunter, nicht das Arbeitsamt

Bei der Rekrutierung von Führungskräften in mittelgroßen Unternehmen unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland immer noch deutlich. Das ergab eine vom Land Thüringen geförderte Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Personalpolitik.

Ein grünes Schild mit sechs weißen Männchen.

Führungskräfte bringt der Headhunter nicht das Arbeitsamt
Jena, 16.01.2008 (idw) - Bei der Rekrutierung von Führungskräften in mittelgroßen Unternehmen unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland immer noch deutlich. Das ergab eine vom Land Thüringen geförderte Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Personalpolitik. Zwar lasse sich weder im Osten noch im Westen ein genereller Mangel an Führungskräften feststellen, doch hätten ostdeutsche Unternehmen deutlich größere Schwierigkeiten bei der Rekrutierung. Die Suche nach Führungskräften benötigt zudem mehr Zeit. Durchschnittlich suchen die Unternehmen drei Monate. Der Anteil der Unternehmen, die länger als vier Monate suchten, lag im Osten mit 54 Prozent deutlich über dem Wert von 43 Prozent in Westdeutschland. Das hänge vor allem mit Standortfaktoren und den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten zusammen. Für die Studie hatten die Soziologen um PD Dr. Katharina Bluhm im Frühjahr 2007 Vertreter von 311 Unternehmen zwischen 50 und 1.000 Mitarbeitern befragt.

Die Mehrheit der Führungskräfte wird von außerhalb gewonnen. 50 Prozent der westdeutschen, aber nur 33 Prozent der ostdeutschen Unternehmen greifen dabei auf Headhunter zurück. Im Osten vermitteln die Arbeitsämter in 26 Prozent der Fälle Führungskräfte, im Westen liegt dieser Wert mit 10 Prozent deutlich niedriger. Nach Einschätzung der Studie spiegeln sich darin die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten der ostdeutschen Firmen wieder. Die erfolgreich rekrutierenden ostdeutschen Unternehmen hätten mit der mangelnden Attraktivität ihrer Region und den tendenziell geringeren Gehältern zu kämpfen. Die Standortbedingungen würden fast nur von Unternehmen in sogenannten Leuchtturmregionen wie Jena, Leipzig oder Dresden positiv eingeschätzt. Als Vorteil werten die ostdeutschen Befragten die ausgebaute Hochschullandschaft in der Region.

Eindeutige Unterschiede zwischen Ost und West gibt es nach der Studie in der Unterstützung bei Kinderbetreuung. Ostdeutsche Unternehmen räumen der Unterstützung ihrer umworbenen Fach- und Führungskräfte bei der Kinderbetreuung mehr Priorität (32 Prozent) ein als ihre westdeutschen Pendants (23 Prozent). Dabei legen kleinere westdeutsche Unternehmen besonders selten und größere ostdeutsche Unternehmen ausgesprochen oft Wert auf Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Bei den Arbeitsangeboten für Lebenspartner liege das Verhältnis bei 16 zu 13 Prozent. Dagegen erhalten westdeutsche Führungskräfte deutlich häufiger (84 Prozent) variable Entgeltbestandteile als ihre ostdeutschen Kollegen (70 Prozent).

Die Mehrzahl der neuen Führungskräfte kam in West wie in Ost aus anderen Unternehmen. Während aber nur 7 Prozent der ostdeutschen Unternehmen Führungskräfte aus dem Ausland holten, waren es im Westen doppelt so viele (14 Prozent). Die ostdeutschen Unternehmen beziehen ihre Führungskräfte eher aus der Region (64 Prozent gegenüber 55 Prozent der westdeutschen Firmen). Der Nachwuchs an Führungskräften wird von zwei Dritteln der Unternehmen systematisch aufgebaut, dabei mit 67 Prozent etwas häufiger im Osten (West: 64 Prozent). Die ostdeutschen Unternehmen setzen häufiger auf organisierte gruppenbasierte Formen wie Führungskräftenachwuchspool (Ost: 30, West: 16 Prozent) oder Traineeprogramme (Ost: 29, West: 17 Prozent), während westdeutsche Unternehmen eher individuelle Förderung (Ost: 71, West: 86 Prozent) und Assistentenstellen (Ost: 45, West: 50 Prozent) bevorzugen. Außerdem arbeiten Unternehmen gezielt mit Hochschulen bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften zusammen, im Osten mit 63 Prozent stärker als im Westen mit 53 Prozent.

Eine Reihe interessanter Unterschiede konstatieren die Autoren der Studie beim Führungsverständnis. Im Osten werde der fachlichen Qualifikation ein deutlich höherer Stellenwert (51 Prozent) als im Westen mit 35 Prozent eingeräumt. Ebenso halten mehr ostdeutsche Unternehmen (91 Prozent) betriebswirtschaftliche Kenntnisse für erforderlich (West: 84 Prozent). Ein distanziertes Verhältnis zu den Mitarbeitern befürworten im Osten 30 Prozent, im Westen nur 21 Prozent der Befragten. Nach wie vor, so fasst Katharina Bluhm die Ergebnisse zusammen, bestehen erhebliche Ost-West-Unterschiede, die sich teils auf die unterschiedliche wirtschaftliche Situation der Unternehmen, teils auf unternehmenskulturelle Differenzen zurückführen lassen. Während die Unterschiede im Führungsverständnis aber abnehmen, dürften die Rekrutierungsprobleme angesichts des demographischen Wandels eher zunehmen. »Ein intelligenter Ausbau der Standortvorteile wird vor diesem Hintergrund umso wichtiger«, meint die Soziologin von der Universität Jena.

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