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Drohende Entlassungswelle überfordert deutsche Firmen

Viele deutsche Unternehmen sind auf das Management von Entlassungen in größerem Ausmaß schlecht vorbereitet: Rund 40 Prozent der in der aktuellen Kienbaum-Studie »Management von Personalveränderungsprozessen« befragten Firmen haben keine Erfahrung mit betriebsbedingten Kündigungen oder sind dafür nicht ausreichend gewappnet.

Gehaltsstudie Managergehälter Österreich

Drohende Entlassungswelle überfordert deutsche Firmen
Gummersbach, 11.11.2009 (kb) - Viele deutsche Unternehmen sind auf das Management von Entlassungen in größerem Ausmaß schlecht vorbereitet: Rund 40 Prozent der in der aktuellen Kienbaum-Studie »Management von Personalveränderungsprozessen« befragten Firmen haben keine Erfahrung mit betriebsbedingten Kündigungen oder sind dafür nicht ausreichend gewappnet. Dabei können viele Unternehmen angesichts der auslaufenden Kurzarbeit und weiterhin schlechter Auftragslage Entlassungen nicht mehr verhindern: 55 Prozent geben an, betriebsbedingte Kündigungen nur noch maximal ein halbes Jahr aufschieben zu können. Das ergab Die Umfrage der Managementberatung Kienbaum unter fast 200 Unternehmen aus DAX, MDAX, TecDAX und großen Mittelständlern.  »Die Wirtschaftskrise setzt die HR-Bereiche unter erheblichen Handlungsdruck. Gerade mittelständische Unternehmen sind jedoch auf die in vielen Firmen anstehenden Entlassungen schlecht vorbereitet«, sagt Max Scholz, Restrukturierungsexperte und Partner bei Kienbaum.  

Bislang konnten die meisten befragten Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen noch vermeiden: Zwar haben 90 Prozent bereits Personal abgebaut, aber 98 Prozent davon haben dies bislang noch mit sozialverträglichen Maßnahmen geschafft. In den kommenden sechs Monaten werden jedoch mehr als die Hälfte der Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen. »Grundsätzlich haben die Unternehmen aus der Kündigungswelle in der New Economy Krise 2001 und 2002 gelernt. Damals haben sie voreilig und unreflektiert Personal abgebaut, das sie später zum Teil wieder teuer neu einkaufen mussten. Deshalb versuchen Unternehmen jetzt, Personalanpassungen so weit wie möglich sozialverträglich zu lösen. Dennoch werden diese Maßnahmen bei anhaltend schlechter Konjunktur für viele Unternehmen nur eine Übergangslösung sein«, sagt Scholz.  

Viele Unternehmen haben jedoch kaum geeignete Steuerungssysteme, Frühwarnindikatoren oder Kennzahlen, um den Personalabbau optimal zu managen. Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen verfügt über mehrere Präventivmaßnahmen, mit deren Hilfe sie schnell auf kurzfristige Personalanpassung reagieren kann. Nur knapp 50 Prozent der Studienteilnehmer hat bereits ein Risikomanagementsystem für Personalveränderungsprozesse implementiert. Immerhin mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über ein Controlling der finanziellen Auswirkungen über Kapazitäts-  und Auslastungsanalyseverfahren. Darüber hinaus setzt eine Mehrheit der Unternehmen Stimmungsbildanalysen der Belegschaft ein. »In vielen Unternehmen fehlt jedoch eine aktuelle und konsistente Datenbasis, um ein funktionierendes Risikomanagement zu etablieren«, sagt Restrukturierungsexperte Scholz.  

Die DAX-Unternehmen sind im Vergleich zum Mittelstand gut auf die Personalveränderungsprozesse vorbereitet: Insbesondere Großkonzerne haben in den vergangenen Jahren Maßnahmen und Systeme zur kurzfristigen Personalanpassung entwickelt. Großunternehmen verfügen außerdem über ein erfahrenes Projektmanagement. Hier sind die Personalabteilungen in der Lage, solche Prozesse eigenständig abzuwickeln. Zudem haben alle befragten Unternehmen der DAX-Gruppe ein Risikomanagementsystem für Personalveränderungsprozesse implementiert, deren einzelne Bestandteile jedoch meist nicht vernetzt sind. »Grundsätzlich ist es möglich, einzelne Risikofaktoren, die das Personal betreffen, zu erkennen, zu bewerten und zu steuern. Ein Überblick aller Faktoren und deren Wechselwirkungen ist so hingegen nicht möglich«, sagt Max Scholz.  

Vor allem der Mittelstand ist jedoch schlecht auf die anstehenden Entlassungen vorbereitet. Dort kommt erschwerend hinzu, dass viele Personalabteilungen zu wenig Kapazität und Know-how für den Personalabbau haben. Beispielsweise stimmen nur 30 Prozent der mittelständischen Firmen ihre Geschäftsstrategie mit ihrer Personalstrategie ab. HR-bezogene Risikomanagementsysteme sind im Mittelstand fast überhaupt nicht implementiert. Die krisengeplagte Automobilindustrie ist hingegen gut für den anstehenden Personalabbau gewappnet: 82 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über kurz-, mittel- und langfristige Steuerungsmaßnahmen im HR-Bereich. Die Mehrheit ist noch in der Lage, den Personalabbau sozialverträglich abzufedern. Nachholbedarf hat die Automobilbranche beim Risikomanagement: Nur knapp die Hälfte der Unternehmen verfügt über ein implementiertes Risikomanagementsystem.  

Nur die Hälfte der Mittelständler holt sich externe Change Management-Expertise ins Haus, um die Restrukturierungsmaßnahmen zu begleiten, oder verfügt selbst über solches Know-how. Ebenso wenige Unternehmen kommunizieren diese Maßnahmen gezielt nach innen und außen. Auch hier sind Konzerne besser aufgestellt: 90 Prozent der befragten Großunternehmen verfügen über interne Change Management-Einheiten oder arbeiten mit externen Change Management-Experten zusammen und kommunizieren Veränderungen professionell nach innen und außen. Die meisten befragten Unternehmen sehen jedoch noch Verbesserungspotenzial bei Schnelligkeit und Umfang der Kommunikation an ihre Mitarbeiter.  

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